Erstellt am 27. Februar 2012, 11:58

2,5 Millionen Euro Schaden nach Windrad-Brand. 91,5 Meter über dem Boden haben am Samstag die Flammen beim Brand eines Windrades in Gols (Bezirk Neusiedl am See) gelodert. Löscheinsätze bei Windkraftanlagen in großer Höhe stellen Einsatzkräfte und Betreiber von Windkraftanlagen vor neue Herausforderungen.

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Derartige Brände würden ganz selten passieren, so Altmann: "Wir hatten noch nie so einen Zwischenfall." Vor einigen Jahren habe es in einer zu Forschungszwecken genutzten Anlage in Zurndorf gebrannt. Dabei habe es sich um kein Windrad der BEWAG gehandelt.

"Das Rad ist ein Totalschaden", erklärte der Sprecher. Es soll nun so schnell wie möglich abgebaut werden: "Es sollte in den nächsten Tagen ein Kran kommen." Im Lauf der Woche könnten die Arbeiten dann beginnen.

Als Ursache für das Feuer in luftiger Höhe werde ein technischer Defekt angenommen. "Was genau, können wir wahrscheinlich erst sagen, wenn die Gondel herunten ist", meinte Altmann. Für die Windkraftanlagen habe die BEWAG ein Wartungspaket in Anspruch genommen. Darin sei auch eine Versicherung enthalten.

Er gehe davon aus, dass die abgebrannte Anlage ersetzt werde, so der BEWAG-Sprecher. Details müssten aber noch erörtert werden. Das vom Brand zerstörte Windrad in Gols habe nicht über ein integriertes Löschsystem verfügt. Man habe auch keines selbst einbauen können, weil man die Anlagen fertig und typisiert vom Hersteller bekomme.

Das vom Feuer vernichtete Windrad vom Typ DeWind D6 hatte laut BEWAG-Angaben eine Nennleistung von 1.250 Kilowatt. Der Rotordurchmesser dieses Typs misst 62 bis 64 Meter. Die Nabenhöhe beträgt 91,5 Meter.

Derzeit keine Chance für die Feuerwehr
"Von der Feuerwehrseite her ist ein Brand in der Gondel definitiv nicht bekämpfbar", so Brandschutzexperte Martin Mittnecker vom Landesfeuerwehrverband Burgenland. Alternativen bieten derzeit lediglich eingebaute Löschanlagen sowie hoher technischer Aufwand bei Sicherheitseinrichtungen zur Feuerverhütung.

Das Einsatzgerät, über das die Feuerwehr verfüge, habe eine Rettungshöhe von 23 Metern. Wird es ganz steil aufgerichtet, komme man auf 30 Meter, erläuterte der Leiter der Brandverhütungsstelle im Landesfeuerwehrkommando Burgenland. Für Hochhäuser beispielsweise gebe es aus diesem Grund strengere Bauvorschriften. Nur: "Für Windräder geht das alles nicht", sagte Mittnecker.

Die weltweit größten Rettungsmittel seien derzeit zwar bis etwa 102 Meter Höhe einsetzbar. Dabei handle es sich jedoch um gewaltige Geräte, die Millionen Euro kosteten. Berücksichtige man noch die erforderliche Geländegängigkeit, käme in ganz Europa gerade einmal eine Hand voll für einen Windrad-Löscheinsatz in Frage. Und schließlich könne man Rettungsgeräte nur bei geringer Windstärke aufstellen, um die Sicherheit der Einsatzkräfte nicht zu gefährden.

Die einzige Möglichkeit, einen Brand in der Gondel eines großen Windrades zu bekämpfen, biete somit derzeit eine eingebaute Löschanlage. Doch auch hier gebe es Grenzen: "Alles, was in Richtung Gas geht, ist nicht möglich, weil die Gondel zu wenig dicht ist", erläuterte Mittnecker: "Was funktionieren würde, wären Wassernebellöschanlagen." Dabei werde eine relativ geringe Menge Löschwasser in einen Druckbehälter gefüllt oder eine Pumpe verwendet. Durch Düsen werden dann Tröpfchen mit hohem Druck versprüht, die die Gondel in einen Wassernebel hüllen. Dabei würden jedoch die elektrischen Anlagen in Mitleidenschaft gezogen. Auch eine Pulverlöschanlage könnte funktionieren, meinte der Experte.

Eine weitere Chance liege in der Brandverhütung: Neuere Anlagen seien in dieser Hinsicht relativ gut überwacht und verfügten über eine große Anzahl von Messpunkten, die mit einem Kontrollsystem vernetzt sind. Sensoren schlagen beispielsweise Alarm, wenn ein Lager zu überhitzen droht und schalten die Anlage ab. Neue, große Windräder hätten die Transformatoren bereits im Turm integriert. In Österreich sei dabei eine Trenndecke Pflicht, die den Trafo vom restlichen Turm abschottet.

Die Feuerwehr empfehle Betreibern von Windrädern, die Anlagen mit Löschanlagen auszustatten. Ein Argument beim Brandschutzthema bilde für die Anlagenbetreiber die Wirtschaftlichkeit. Einerseits wird mit der geringen Häufigkeit von Bränden in Windradgondeln argumentiert. Andererseits müsse, wenn eine Anlage bereits zugelassen ist, bei der geringsten baulichen Änderung das Prozedere nochmals durchlaufen werden.

"Erst bei den richtig großen Anlagen steht das Ganze in einem Kosten-Nutzen-Verhältnis", schätzt Mittnecker. "Die Betreiber sagen, es rechnet sich ganz einfach nicht. Ob das wirklich so ist, wird die Zukunft zeigen."