Erstellt am 14. September 2015, 08:31

von APA/Red

3.000 Neuankömmlinge am Montag erwartet. 3.000 neue Flüchtlinge werden heute Montag in Nickelsdorf erwartet. Von Deutschland aus gab es dafür nun wieder positive Signale.

 |  NOEN, HERBERT P. OCZERET (APA)

BVZ.at hat bisher laufend berichtet:

In Nickelsdorf warteten am Sonntagabend nach Schätzungen der Polizei noch bis zu 2.500 Flüchtlinge auf die Weiterfahrt mit Bussen.

"Bis wir eine Entscheidung haben von der Innenministerin, dass es Änderungen gibt, werden wir unseren gewohnten Dienst weitermachen - das heißt, wir werden versuchen, die Leute unterzubringen", so Polizeisprecher Helmut Marban.

Bis Mitternacht werde am Sonntag wahrscheinlich nicht mehr allzu viel auf die Zehntausender-Marke fehlen. Man habe den ganzen Tag versucht, Leute von Nickelsdorf gleich wieder weiterzubringen. Neben vielen Bustransporte, die unterschiedlichste Destinationen anfuhren, sei dies auch mit einem Zug erfolgt.

Kontrollen „würden uns bei 20.000 Menschen überfordern“

In einem TV-Interview spricht Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil nach der Entscheidung Deutschlands wieder Grenzkontrollen einzuführen, über die Auswirkungen auf die aktuelle Situation in Nickelsdorf.

„Die Leute sind sehr diszipliniert, das Besteigen der Busse funktioniert gut, die Situation ist noch ruhig. Bis morgen früh werden am heutigen Sonntag 20.000 Menschen Nickelsdorf passiert haben. Derzeit läuft alles geordnet ab“, erklärt Doskozil.

Wie sich die Grenzschließung in Ungarn am kommenden Dienstag auswirken werde, müsse man abwarten und die Situation nächste Woche neu beurteilen. Derzeit kann sich Doskozil keine restriktiven Kontrollen seitens der Polizei in Nickelsdorf vorstellen: „Das würde uns bei 20.000 Menschen überfordern und könnte außerdem eine Massenpanik bei den Flüchtlingen auslösen.“

Mit der Grenzschließung von Ungarn geht der Landespolizeidirektor aber davon aus, dass die Route über den Bezirk Neusiedl am See nicht mehr so stark genutzt wird und die Menschen eher über Koratien, Slowenien und Bulgarien sowie die Slowakei ausweichen.

900 Menschen seien etwa nach Tulln in die Messehalle gebracht worden, in Oberösterreich wurden Linz, Wels und Attnang-Puchheim angefahren, auch eine erkleckliche Zahl wurde nach Wien gebracht.

700 Menschen in Nachbarbezirk nach Wiesen gebracht

"Wir müssen jetzt schauen, dass wir die Leute irgendwie in Unterkünfte kriegen", so Marban. Im näheren Umkreis könne man rund drei- bis viertausend Menschen unterbringen. Auch zum Festivalgelände Wiesen seien am Sonntag 700 Menschen gebracht worden.

"Die große Herausforderung wird sein: Was wird jetzt in der Nacht kommen, wird der Zehntausender noch weit überschritten? Dann müssen wir natürlich schauen, dass wir auch noch außerhalb Unterkünfte kriegen", sagte Marban.

In Nickelsdorf stünden aber auch noch die Bundesheer-Zelte zur Verfügung. Hier gebe es Platz für 1.000 Menschen. Nachdem Deutschland die Grenzen geschlossen habe, beriet am Abend die österreichische Bundesregierung.

Im Moment gebe es noch Quartiere, wo man die Leute mit Bussen hinbringen könne. "Wenn es eng wird, dann müssen wir auch in der Nacht kurzfristig etwas akquirieren oder schauen, dass wir in andere Bundesländer ausweichen", erläuterte Marban.

Im Hinblick auf die nächsten Tage meinte er, dass auch noch Montag und Dienstag mit ähnlichen Zahlen zu rechnen sein werde - "vielleicht etwas weniger, wie wir die letzten drei Tage gehabt haben - sechs, sieben oder achttausend". Marban weiters: "Das haben wir bisher bewältigt, ich hoffe, das werden wir auch in Zukunft bewältigen - natürlich immer mit der Einschränkung, bisher sind viele Menschen gleich mit dem Zug weiter nach Deutschland gefahren."

Die Leute seien weiterhin "sehr diszipliniert" und würden nicht unruhig: "Die stehen stundenlang in einer Schlange, nehmen ihr Schicksal so hin, wie es ist, werden natürlich auch versorgt, das ist ganz klar", meinte der Oberstleutnant. Das helfe auch der Polizei bei der Arbeit: "Wären da auch noch Tumulte zu bewältigen, dann hätten wir sicher ein Problem, aber das ist tatsächlich nicht der Fall."

Über das Polizeikooperationszentrum in Nickelsdorf gebe es aus Ungarn zeitnah "die globalen Informationen" - etwa dass, so und so viele Menschen vom Bahnhof Hegyeshalom kämen. Da würde man sich ein bisschen mehr Vorlaufzeit wünschen, dass man besser reagieren könne.

Auf verschiedenen Ebenen - vom Innenministerium bis zu den Verbindungsbeamten in Ungarn - bemühe man sich, eine nachhaltigere Informationsschiene aufzubauen für die nächsten Tage, "damit die Informationen wieder für uns besser verarbeitbar laufen."