Erstellt am 27. März 2013, 00:00

300 Jahre Saliterhof. Dokumentiert / Der Verein Neusiedler Stadtarchiv widmet sich dem Armenviertel in seinem Jahrbuch und einer Ausstellung im Weinwerk.

Ausstellung. Franz Fialla und Sepp Gmasz gestalteten die Schau mit Bildern aus dem Alltagsleben der Familien aus dem Saliterhof. Reiter  |  NOEN
Von Pia Reiter

NEUSIEDL AM SEE /  Eine zufällige Entdeckung brachte es ans Licht: Um das Jahr 7013 wurde das Saliterschlössl mit den angeschlossenen Häusern erbaut. Deshalb wurde das Jubiläum „300 Jahre Saliterhof“ Thema des Neusiedler Jahrbuchs. Außerdem gestalteten Sepp Gmasz und Franz Fialla eine Ausstellung über das Alltagsleben der Menschen in der Wohn- und Arbeitersiedlung.

Der Name Saliterhof, gelegen an der damaligen westlichen Stadtgrenze, leitet sich von einem Salpeterwerk ab, das seit Mitte des 16. Jahrhunderts dort nachweisbar ist. Salpeter wurde zur Erzeugung von Schwarzpulver benötigt. Ein Inspektionsbericht von 1718 spricht im Zusammenhang mit dem Bau des Saliterschlössls auch von der Errichtung von „34 paar Inwohner Häusl mit aller Zugehör“, damit war gemeint, dass jedes Haus für zwei Parteien gedacht war, mit gemeinsamer Küche und Dachboden.

Zwei von drei Kindern überlebten nicht 

Die Saliterhöfler hatten bestimmte Robotdienste zu erbringen, wie zum Beispiel das Arbeiten in Weingärten für eine bestimmte Anzahl an Tagen pro Jahr. Oft eilte den Saliterhöflern ein schlechter Ruf voraus, weiß Stadthistoriker Sepp Gmasz: „Ich habe versucht, dafür eine Erklärung zu finden. Höchstwahrscheinlich, weil es pro Familie eine hohe Anzahl an Kindern gab und die hygienischen Bedingungen damals völlig unzureichend waren. Dabei war die Sterblichkeitsrate sehr hoch: Zwei von drei Kindern haben damals das Säuglingsalter nicht überlebt.“ Von 1871 bis 1884 wurden 87 Kinder geboren, 52 wurden nicht älter als zwei Jahre. Auch über prekäre Wohnverhältnisse gibt es genug Berichte, erklärt er: „Familien mit neun oder zehn Kindern lebten auf circa 20 Quadratmeter. Heute ist das einfach unvorstellbar.“