Erstellt am 22. Januar 2016, 07:43

von Paul Haider

850 Unterschriften gegen Stromleitung. Naturschutz-Experten sehen keine Gefährdung durch die geplante Hochspannungsleitung. Bürger sammeln Unterschriften.

850 Unterschriften. Die Initative für Parndorf, vertreten durch Robert Müllner, Thomas Trenker und Hans-Peter Samwald, sammelte über 850 Unterschriften gegen die 110-kV Leitung. Foto: Paul Haider  |  NOEN, Paul Haider
Die Gemeinde Parndorf und ihre Bevölkerung kämpfen nach wie vor entschlossen gegen die geplante 110-kv Freileitung der Energie Burgenland über den Parndorfer Freiäckern.

Amtssachverständige: Keine Gefährdung

Die „Initiative für Parndorf“ hat in den vergangenen Wochen bereits über 850 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt, die am Freitag an Bezirkshauptmann-Stellvertreterin Ljuba Szinovatz übergeben wurden.

Ob diese Bemühungen fruchten werden, ist indes noch ungewiss. Wie Wolfgang Daniel, Mitglied der Initiative für Parndorf der BVZ mitteilte, hätten Amtssachverständige bei einer naturschutzbehördlichen Verhandlung am Freitag keine Gefährdung für die Umwelt durch die geplante Stromleitung festgestellt.

Sehr wohl Unterstützung für die Bürgerinitiative habe es aber von Umweltanwalt Werner Zechmeister gegeben, aus dessen Sicht die Freileitungen eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und des Vogelschutzes mit sich bringen würden, so Wolfgang Daniel.

Ortschef: „Verstehe die Welt nicht mehr“

Bürgermeister Wolfgang Kovacs wundert sich im Gespräch mit der BVZ über die Feststellungen der Umwelt-Sachverständigen: „Ich werde den Parndorfern nicht erklären können, warum die Überdachung von zwei Fahrrad-Rastplätzen auf dem gleichen Weg aus Naturschutz-Gründen verboten wurde und die selbe Behörde große Strommasten genehmigt. Das ist so ein extremer Widerspruch, da verstehe ich die Welt nicht mehr.“

Nach der naturschutzbehördlichen Verhandlung bleibt nun eine Entscheidung seitens der Bezirkshauptmannschaft abzuwarten.

Sollte das Projekt von der Behörde genehmigt werden, werde die Gemeinde Parndorf aber trotzdem nicht von ihrem Standpunkt abweichen, wie Ortschef Kovacs bekräftigt: „Für uns hat sich nichts geändert. Die Parndorfer sind ein kämpferisches Volk, das mit der Unterschriftenliste wieder ein deutliches Zeichen gesetzt hat, das man nicht ignorieren kann.“

Enteignungsverfahren als letzte Option

Sollte keine Zustimmung des Gemeinderates für die Errichtung von Stromleitungen über Gemeinde-Wege erfolgen, würde für die Energie Burgenland theoretisch nur noch ein Enteignungsverfahren als letzte Option bleiben. In diesem Fall müsste öffentliches Interesse argumentiert werden, etwa aufgrund einer Gefährdung der Stromversorgung.

Da mit der 110kv-Leitung lediglich Überschussstrom von den Windparks zum neuen Umspannwerk Bruckneudorf transportiert werden solle, würde es für das Unternehmen schwierig werden, mit öffentlichem Interesse zu argumentieren, sind sich Wolfgang Daniel und Bürgermeister Kovacs einig.

Zum Thema:

Energie Burgenland plant im Gebiet der Parndorfer Freiäcker die Errichtung eines Umspannwerkes für die Ableitung des Stromes aus mehreren Windparks.

Diese Pläne sehen vor, dass der Strom über eine 110-kV-Freileitung über die Parndorfer Freiäcker zum neuen Umspannwerk transportiert wird.

Die Initiative für Parndorf und der Parndorfer Gemeinderat lehnen diese Pläne ab und fordern eine Verlegung des Standortes des Umspannwerkes und eine unterirdische Führung der Leitung. Energie Burgenland hat ihre Pläne daraufhin adaptiert, etwa ein Viertel der Leitung wurde bereits unterirdisch verlegt. Aus technischen Gründen sei es laut Energie Burgenland aber nicht möglich, die Leitung noch weiter unterirdisch zu verlegen.