Erstellt am 20. Juni 2012, 00:00

Acht Jahre für Schlepper. GROSSANGELEGT / Ein Türke und ein Rumäne sollen die illegale Einwanderung von hunderten Menschen ermöglicht haben.

BEZIRK NEUSIEDL / Der Eisenstädter Staatsanwalt Roland Koch bezeichnete dieses Verfahren als „den ziemlich größten Fall von Schlepperei, der mir bisher untergekommen ist“. Angeklagt waren zwei Drahtzieher - ein 48-jähriger Türke und ein 31-jähriger Rumäne - sowie sieben Familienmitglieder des Türken. Für die mitangeklagten Verwandten, die in erster Linie die Geldtransfers ermöglicht hatten, war es bereits am ersten Prozesstag im April zu Schuldsprüchen gekommen. Eltern, Schwestern und ein Schwager des Haupttäters hatten bedingte Haftstrafen im Ausmaß von je einem Jahr und dazu Geldstrafen in der Höhe von 720 beziehungsweise 800 Euro bekommen. Vorige Woche endete der Prozess für den Türken und den Rumänen mit wesentlich strengeren Strafen. Der Türke wurde zu acht Jahren unbedingter Haft verurteilt. Er soll für die illegale Einreise von rund 300 Menschen verantwortlich gewesen sein. Dem Rumänen wurde vorgeworfen, die „rechte Hand“ des im Baskenland ansässigen Türken gewesen zu sein, selbst zwölf Schlepperfahrten durchgeführt und an der Schleppung von 140 Personen beteiligt gewesen zu sein. Er wurde zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die illegale Einreise der Fremden - hauptsächlich handelte es sich um türkische Staatsbürger - erfolgte vorwiegend über Nickelsdorf, Wien und Salzburg. Pro Person waren für eine Schleppung aus Ostanatolien bis Westeuropa zwischen 5.000 und 9.000 Euro zu bezahlen. „Hunderttausende Euro wechselten den Besitzer. Das Ganze zog sich über Jahre hinweg“, berichtete Koch. „Zig bis hunderte Menschen verdienten ihren Lebensunterhalt mit den Schleppungen.“ Der türkische Angeklagte habe selbst 20 Jahre lang von der Schlepperei gelebt, „und das nicht schlecht!“, wie der Staatsanwalt betonte. Die „Haupt-Zampanos“ sollen übrigens immer noch in der Türkei sitzen. „Es sind vier, fünf Personen, auf die wir keinen Zugriff haben“, so der Staatsanwalt.