Erstellt am 12. August 2015, 10:10

von Birgit Böhm-Ritter

Asyl: Debatte im Netz. Eine Gruppe macht sich auf „Facebook“ gegen Flüchtlingsunterkünfte in Andau stark – ohne aktuellen Anlass im Ort.

Bürgermeister Andreas Peck ist erbost: »Es ist ein Witz, dass das Wappen der Gemeinde für so eine Seite herhalten muss.«  |  NOEN, Archiv

Je mehr Asylwerber nach Österreich kommen, desto mehr wird darüber berichtet.

Ob am Stammtisch, in den klassischen Medien oder in den sozialen Netzwerken – das Flüchtlingsthema wird heiß diskutiert. Als aufmerksamer Beobachter bemerkt man in den vergangenen Tagen und Wochen einen enormen Anstieg an Kommentaren und Postings im Internet, und zwar vermehrt in hetzerischem Ton.

Seit vergangener Woche ist es eine Seite im sozialen Netzwerk „Facebook“, die vor allem in Andau für Aufregung sorgt. Mit dem Titel „Keine Asylantenunterkünfte in Andau“ macht der anonyme Urheber Stimmung gegen eine Unterbringung von Flüchtlingen im Ort. 243 „Likes“ – also Unterstützer – hat die Seite bereits bekommen (Stand 10. August).

Keine aktuellen Pläne zur Flüchtlings-Unterbringung

Bürgermeister Andreas Peck verurteilt den Inhalt der Seite aufs Schärfste und betont gegenüber der BVZ: „Die Gemeinde distanziert sich klarerweise davon.“ Er kritisiert außerdem, dass besagter Internet-Seite durch die Verwendung des Gemeinde-Wappens ein offizieller Charakter verliehen wurde. Die Wogen im Ort würden hochgehen, so der Ortschef weiter. „Etliche Personen haben deswegen schon im Gemeindeamt angerufen.“

Seit 1956 ist die Grenzgemeinde in ganz Österreich für ihre Hilfsbereitschaft bekannt. Damals flohen 70.000 Ungarn über die Brücke von Andau nach Österreich und wurden dort von der Bevölkerung aufopfernd versorgt 

Aktuelle Pläne für Flüchtlings-Unterbringungen gibt es momentan allerdings keine: Weder seitens der Gemeinde, noch sind private Initiativen bekannt. „Im Ort gibt es keine öffentlichen Gebäude, die zur Verfügung stehen. Die Gemeinde hat auch keine Informationen, dass Privatpersonen Flüchtlinge unterbringen wollen“, erklärt Bürgermeister Peck und zeigt sich angesichts dieser Tatsache umso verwunderter über die derzeitige Diskussion im Internet.


Flüchtlingswelle anno 1956

Die kleine Gemeinde Andau kann auf eine bewegte Geschichte im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle von 1956 zurückschauen. Damals ist in Ungarn der erste bewaffnete Aufstand Osteuropas gegen die Sowjetherrschaft ausgebrochen. Rund 200.000 Menschen flohen vor dem stalinistischen Regime. Allein über die Brücke von Andau kamen in den Monaten der Flüchtlingsbewegung 70.000 Ungarn nach Österreich. Laut Mitteilung des „Deutschen Roten Kreuzes“ gab es in Andau eine karitativ-humanitäre Gruppe, die sich „Andau Society“ nannte. Deren Mitglieder bildeten jede Nacht Streifen, um Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen, und sie richteten einen Seilzug für Schlauchboote auf dem Einser-Kanal ein.

(Quelle: „Die Brücke von Andau, Prof. Dr. Alois Wegleitner)