Erstellt am 17. September 2015, 10:05

von APA Red und Pia Reiter

Andrang in Nickelsdorf reißt nicht ab. In Nickelsdorf reißt der Zustrom der Flüchtlinge, die von Ungarn nach Österreich kommen, weiter nicht ab.

 |  NOEN, Birgit Böhm-Ritter

UPDATE Donnerstag 10.00 Uhr:

Seit Mittwochabend um 19.00 Uhr führen die Bundesheer-Soldaten im Abschnitt Nord (Bezirk Neusiedl am See) gemeinsam mit der Polizei an den Grenzstellen Kontrollen durch, seit 20.00 Uhr auch im Abschnitt Mitte (Bezirke Eisenstadt-Umgebung, Mattersburg und Oberpullendorf).

Der Abschnitt mit den drei Bezirken im Landessüden wird am Donnerstag unmittelbar nach der Einweisung der letzten Soldaten um 11.00 Uhr übernommen, die Kontrolltätigkeiten gemeinsam mit der Polizei aufgenommen.

Neben der Kontroll-Aufgabe führen die Soldaten auch selbständig Patrouillen entlang der grünen Grenze durch und werden bei Bedarf auch zum Ordnungsdienst eingesetzt.

Hubschrauber mit Aufklärungsflug-Einsatz

Seitens der Luftstreitkräfte wird am Donnerstagabend zur Überwachung der Grenze ein Hubschrauber-Luftaufklärungsflug im Raum Nickelsdorf, Kittsee und Pamhagen durchgeführt.

Insgesamt werden drei Bundesheer-Hubschrauber (eine Alouette III, ein OH58 und eine AB212) sowie ein Flächenflugzeug des Typs PC-6 für Transport- und Überwachungsaufgaben im Rahmen des sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatzes bereitgehalten.

Eine Alouette III ist ausgestattet mit dem sogenannten Forward Looking Infrared (FLIR) - Gerät. Das FLIR dient der Geländeüberwachung aus der Luft; eine Infrarotkamera am Hubschrauber wird durch einen Operator an Bord bedient. Durch diese Kamera können Temperaturunterschiede sichtbar gemacht und Wärmequellen aller Art (Menschen, Kraftfahrzeuge etc.) exakt dargestellt werden.

Weiter Soldaten in den Bundesländern alarmiert

Rund 300 Berufs- und Zeitsoldaten des Jägerbataillons 26 aus Spittal/Drau, des Stabsbataillons 7 aus Klagenfurt, des Aufklärungs- und Artilleriebataillons 3 aus Mistelbach, des Aufklärungs- und Artilleriebataillons 4 aus Allentsteig und des Jägerbataillons 18 aus St. Michael werden alarmiert und ab Donnerstag einsatzbereit sein. Der genaue Zeitpunkt und der exakte Einsatzraum werden durch das Bundesministerium für Inneres noch festgelegt.

Mit dem Ministerratsbeschluss vom Montag (14. September 2015) hat die Bundesregierung entschieden, bis zu 2.200 Soldaten in einen sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz zu entsenden. Ziel dieses Einsatzes unter Führung des Innenministeriums ist es, einen kontrollierten und geordneten Ablauf der Flüchtlingsbewegungen sicherzustellen.


UPDATE Mittwoch 10.45 Uhr: Bundesheer mit Feldküche und Zelten im Ort

Das Bundesheer hat in der Nacht auf am Dienstag knapp 180 Zelte nach Nickelsdorf zur Nova Rock-Halle gebracht. Laut Schätzungen seien seit Mitternacht rund 5.800 Menschen im Ort angekommen. Das Rote Kreuz ersucht Taxis und Privatpersonen Flüchtlinge nicht mehr zu Bahnhöfen zu bringen.

Die Bahnhöfe und die dortigen Helfer stehen am Rande ihrer Kapazitäten. Derzeit versuchen zahlreiche Flüchtlinge in Taxis oder mit Hilfe privater Initiativen österreichische – insbesondere Wiener – Bahnhöfe zu erreichen.

Es besteht die Gefahr, dass diese unkoordinierte Weiterreise die Kapazitäten der Bahnhöfe und der dort arbeitenden Helfer übersteigt.

„Wir ersuchen eindringlich Taxifahrer und Privatpersonen davon abzusehen, Flüchtlinge zu den Bahnhöfen zu bringen“, sagt Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes. „Die Flüchtlinge müssen wir bitten, auf die Zusagen der deutschen und österreichischen Regierungen zu vertrauen, dass sie ihre Reise innerhalb Europas fortsetzen können. Das funktioniert dann am besten, wenn es koordiniert vonstatten geht.“

Weitere Unterkünfte für Flüchtlinge errichtet

Das Rote Kreuz hat indessen weitere Unterkünfte für Flüchtlinge errichtet. Der Landesverband Kärnten stellt kurzfristig Quartiere für 1.200 Menschen zur Verfügung. Insgesamt können heute Nacht rund 20.000 Menschen untergebracht werden. „Wir ersuchen alle Flüchtlinge – auch in ihrem eigenen Interesse – in den Unterkünften zu bleiben, bis eine koordinierte Weiterfahrt möglich ist“, sagt Foitik.

Dadurch würde einerseits die drohende Überlastung der Bahnhöfe verhindert, andererseits wären die Menschen in den Unterkünften versorgt. „Dort gibt es zu Essen und Trinken, wir kümmern uns um die medizinische Versorgung und die Menschen haben ein Dach über dem Kopf“, sagt Foitik.


UPDATE Mittwoch 10.00 Uhr: Fahrzeuge werden selektiv kontrolliert

Seit Mittwoch, sieben Uhr in der Früh werden laut Polizeisprecher Helmut Marban „Fahrzeuge selektiv kontrolliert“. Dadurch kam es am Mittwich Morgen zu einem zwei Kilometer langen Stau. „Schlepper wurde bis jetzt aber keiner erwischt“, so Marban in einem TV-Interview.

Kamen gestern insgesamt 7.500 Flüchtlinge nach Nickelsdorf, so seien es heute bis 9 Uhr früh praktisch keine. Über Nacht seien praktisch keine neuen Flüchtlinge eingetroffen. „Heute erwarten wir einen ruhigen Tag“, sagt Marban.Laut Rotem Kreuz befanden sich heute am frühen Vormittag noch 450 Schutzsuchende vor Ort.


UPDATE Dienstag 17.00 Uhr: Lage vergleichsweise ruhig

In Nickelsdorf war die Lage an der ungarischen Grenze nach Angaben der Polizei am Dienstagnachmittag vergleichsweise ruhig. Im Lauf des Nachmittags setzte dann wieder etwas Zustrom ein, nachdem ein Zug mit rund 1.400 bis 1.600 Flüchtlingen angekommen war, so Polizeisprecher Gerald Pangl.

Laut Schätzungen seien seit Mitternacht insgesamt rund 5.800 Personen angekommen, den zuletzt eingetroffenen Zug noch nicht miteingerechnet. Etwa 2.600 Flüchtlinge habe man im Lauf des Tages mit Bussen in verschiedene Unterkünfte gebracht, so Pangl.

Weiterhin keine Prognosen aus Ungarn

Seitens der Polizei schätzte man am Nachmittag die Zahl der Flüchtlinge, die sich vor dem Eintreffen des Zuges aus Ungarn bei den Zelten und den Versorgungseinrichtungen aufhielten, vorübergehend auf "300 plus". Aus Ungarn gebe es nach wie vor keine Prognosen, wie viele Flüchtlinge dort noch im Land seien.

Wenn ein Zug in Hegyeshalom eintreffe, bekomme man das "zeitnah" angekündigt. Bezüglich der Grenzkontrollen auf österreichischer Seite habe man noch keinen Auftrag erhalten.

Im Lauf des Tages hätten sich immer wieder Menschen zu Fuß auf den Weg gemacht, um sich mit Taxis wegbringen zu lassen, die an der Ostautobahn (A4) im Bereich der Auffahrt Nickelsdorf warteten. Im Burgenland seien am Dienstag vorerst auch rund 200 Personen nach Grenzübertritten abseits von Nickelsdorf oder Heiligenkreuz aufgegriffen worden, so Pangl.


UPDATE Dienstag 11.30 Uhr:

Das Bundesheer hat in der Nacht auf am Dienstag knapp 180 Zelte nach Nickelsdorf zur Nova Rock Halle gebracht. Inzwischen seien 80 aufgestellt. Die aufgestellten Zelte bieten rund 800 Personen Unterkunft, sagte Oberstleutnant Andreas Jordanich vom Militärkommando Burgenland. Am Vormittag wurde nahe der Grenze eine Feldküche aufgestellt.



An das Rote Kreuz habe man in Nickelsdorf 1.000 Decken übergeben. Im Südburgenland, wo am Montag bei Heiligenkreuz ebenfalls Tausende Flüchtlinge aus Ungarn angekommen waren, habe das Bundesheer 28 Zelte mit einer Kapazität von jeweils 20 Personen aufwärts aufgestellt, sagte Jordanich.

Aktueller Stand Bahnverkehr laut ÖBB:


UPDATE Dienstag 7.30 Uhr: Abtransport von 700 Personen mit Bussen

In Nickelsdorf bemühten sich die Einsatzkräfte am Dienstag weiter darum, Flüchtlinge vom Grenzübergang in Notquartiere zu bringen.

"Das ist nach wie vor unser Hauptauftrag", sagte Polizeisprecher Helmut Marban zur APA. Rund 700 Personen sollen nun mit Bussen in Richtung Graz weitertransportiert werden, so Marban.

A4 wieder für Verkehr freigegeben

Die Ostautobahn (A4) wurde nach einer erneuten Sperre Dienstagvormittag wieder für den Verkehr freigegeben.

In den vergangenen Tagen hatte die Polizei die Autobahn in Grenznähe bisher schon mehrmals aus Sicherheitsgründen sperren müssen, weil immer wieder Gruppen von Flüchtlingen die Fahrbahnen überquert hatten oder am Pannenstreifen unterwegs waren.


 

UPDATE Montag 20.30 Uhr: Nacht könnte „äußerst schwierig“ werden

In Nickelsdorf reißt der Zustrom der Flüchtlinge, die von Ungarn nach Österreich kommen, weiter nicht ab. 5.000 Flüchtlinge noch heute Montag in Nickelsdorf erwartet.

Im Laufe des Tages kamen bisher Schätzungen zur Folge 10.000 Menschen in Nickelsdorf an. Gegen 18.00 Uhr machte sich laut Informationen der BVZ eine Gruppe von geschätzten 3.000 Menschen von nahe der Grenze auf eigene Faust in Richtung des Grenzübergangs auf.

Derzeit halten sich also rund 7.000 Flüchtlinge an der Grenznähe Nickelsdorf auf. Die Einsatzkräfte in Nickelsdorf rechnen für heute Montagabend mit der Ankunft von weiteren 5.000 Flüchtlingen.

Polizei: Erst Mittwoch Nachlassen des Flüchtlingsstroms

Von ungarischer Seite seien fünf Züge mit jeweils 1.000 Menschen an Bord avisiert worden, sagte Polizeisprecher Gerald Pangl. Mit einem Nachlassen des Flüchtlingsstrom rechne man erst für Mittwoch.

Schätzungen zufolge könnten damit mit Montag bereits rund 12.000 Flüchtlinge in Nickelsdorf eingetroffen sein, sagte Pangl. Der Zustrom an Menschen, die von Ungarn zu Fuß zum Grenzübergang kommen, habe seit dem Nachmittag merklich nachgelassen.
 



Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil sei bei einem Treffen mit dem Polizeidirektor von Györ am Nachmittag zugesagt worden, dass Ungarn versuchen werde, die Flüchtlingsströme nach Nickelsdorf zu leiten, berichtete Pangl. "Dort sind wir in Sachen Infrastruktur besser aufgestellt als in Heiligenkreuz", fügte der Polizeisprecher hinzu.

Die Flüchtlinge werden nach wie vor in Bussen von Nickelsdorf abgeholt und in Notunterkünfte gebracht.
 
In Hallen in der Umgebung sowie in Bundesheer-Zelten am Grenzübergang können zwar Hunderte Menschen untergebracht werden, die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze ist jedoch bei weitem zu gering. "Die Witterung spielt jetzt auch nicht mehr mit", sagte Pangl.

"Es regnet immer wieder, die Menschen suchen Schutz unter dem Flugdach. Familien mit Kindern hoffen, noch Plätze in einem der Busse zu bekommen." Die Situation könnte in der Nacht "äußerst schwierig" werden
 


UPDATE Montag 14 Uhr: „Schön langsam beginnt die Situation zu gären“

"Wir bringen die Leute von hier leider nicht im gewohnten Tempo weg. Es stockt sozusagen", sagte Polizeisprecher Gerald Pangl Montagvormittag vor Journalisten.

Zapfl: „Das ist das, was ich befürchtet habe“

Der Nickelsdorfer Bürgermeister Gerhard Zapfl meinte im Gespräch mit deer BVZ: „Schön langsam beginnt die Situation zu gären. Es werden vor Ort immer mehr Flüchtlinge, diese sehen dann die bereitstehenden leeren Busse. Derzeit fahren aber keine Busse bzw. werden keine Flüchtlinge weiter transportiert. Das ist das, was ich befürchtet habe.“

Man traue sich laut Pangl schon fast keine Schätzungen mehr über die Anzahl der wartenden Menschen abzugeben. Mittlerweile dürften es mehr als 7.000 sein. Wann der Bustransport in vollem Umfang wieder aufgenommen wird, war vorerst nicht absehbar.

Sonderzug in Richtung Wien abgefahren

Ein Sonderzug sei mit rund 500 Personen in Richtung Wien abgefahren. Ob Wien auch das Ziel ist, war nicht bekannt. Ein einzelner Bus mit Flüchtlingen sei ebenfalls abgefahren: "Da werden jetzt die kleineren Quartiere befüllt, die gestern noch angeboten wurden", etwa in Pfarrhöfen.

"Es laufen ständig Gespräche und man versucht, in allen möglichen Richtungen Unterkünfte freizubekommen oder eben Plätze, wo man die Leute wenigstens einmal fürs erste unterbringen kann." Die wartenden Menschen seien trotz stundenlanger Wartezeiten immer noch sehr diszipliniert.

Aus Ungarn sei weiterhin nur zu hören, wenn ein weiterer Sonderzug ankomme, und das nur sehr kurzfristig. Welche Lager jetzt wirklich geleert oder geöffnet würden und wie groß der zu erwartende Zustrom sei, dazu habe man bis jetzt keine offiziellen Informationen. Wann der Andrang seinen Höhepunkt erreiche, lasse sich derzeit nicht sagen, so Pangl.

Suche nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten

Denkbar sei, dass man versuchen werde, nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten wie Sporthallen und Veranstaltungssälen zu suchen. Das nächste Problem sei, dass die Flüchtlinge dort nicht bleiben wollten: "Die machen sich dann wieder selbstständig. Die Koordinierung wird auch immer schwieriger."

Der Bahnhof Nickelsdorf sei gerade "relativ frei", die Lage sei relativ ruhig, wenn nicht gerade ein Sondertransport laufe. Mittlerweile stehen Polizisten bei den Zufahrten zum abgezäunten Bereich an der Grenze: "Man möchte damit verhindern, dass die Leute wieder die Straße (die B10, Anm.) belagern. Die Sperre der Ostautobahn (A4) im Bereich der Grenze sei mittlerweile aufgehoben. Die Sperre war erforderlich geworden, weil sich wieder Flüchtlinge auf der Fahrbahn befunden hatten.

Stimmung in Nickelsdorf - noch - gut

Die Lage am Grenzübertritt Nickelsdorf ist laut Helfern - noch - gut. "Es ist zwar eine Herausforderung, aber zehntausend Menschen zu versorgen sind wir mittlerweile gewöhnt", sagte Tobias Mindler vom burgenländischen Roten Kreuz gegenüber der APA. Die große Sorge ist allerdings, dass die Stimmung unter den Flüchtlingen kippen könnte.

7.000 Flüchtlinge - Tendenz stark steigend

In Nickelsdorf waren nach aktuellen Schätzungen mehr als 7.000 Flüchtlinge untergebracht - Tendenz stark steigend. Am Nachmittag erwartete das Rote Kreuz zusätzlich 20.000 Menschen aus der Flüchtlingsunterkunft Röszke, die offenbar von den Ungarn geöffnet worden ist. "Die Menschen werden sich wahrscheinlich auf Nickelsdorf und Heiligenkreuz aufteilen", sagte Mindler.

Falls tatsächlich eine derartig hohe Anzahl an Flüchtlingen zu den Grenzstationen kommen wird, ist die Logistik allerdings erschöpft. "Mit Nahrungsmittel können wir die Menschen versorgen, das wäre kein Problem, aber es gibt einfach nicht genügend Schlafstätten", erklärte Mindler. In Nickelsdorf könnten etwa rund 10.000 Personen nächtigen, Heiligenkreuz würde mit größere Mengen von Personen überhaupt nicht fertig werden.

Stimmung unter den Flüchtlingen könnte kippen

Das größte Problem dürfte aber sein, dass die Stimmung unter den Flüchtlingen kippt. "Derzeit sind sie noch beinahe fröhlich", sagte Mindler. Er wisse aber nicht, ob es sich unter den Migranten schon herumgesprochen hat, dass eine geordnete Weiterreise nach Deutschland nicht länger möglich ist. Dann könnte sich eine "depressive Stimmung ausbreiten", die dazu führt, dass sich die Migranten selbstständig machen und trotz geschlossenen Grenzen zu Fuß weitergehen wollen.

Nach den chaotischen Zuständen am Vormittag war die Lage am Grenzübergang Heiligenkreuz im Burgenland gegen Mittag ruhig. Laut Berichterstattern waren rund 1.000 Flüchtlinge anwesend, die vor allem auf ihre Weiterreise warteten.

Immer wieder - wenn auch eher selten - würden Busse vorfahren, um Flüchtlinge aufzunehmen. "Die Menschen warten extrem geordnet in Reih und Glied", hieß es.