Erstellt am 02. März 2016, 05:04

von Paul Haider

Auf Bahngleis gestürzt: Frau sucht ihre Retter. Andrea Müller sucht jene vier Personen, die sie gerettet haben, nachdem sie am Wiener Hauptbahnhof auf das Gleis gestürzt war.

Dankbar. Vier couragierte Passanten retteten Andrea Müller, nachdem sie auf das Gleis gefallen war. Foto: zVg  |  NOEN, zVg

Jene Frau, die am 10. Februar am Wiener Hauptbahnhof auf die Gleise gefallen war (

und unten), wandte sich jetzt mit einer Bitte an die BVZ.

Andrea Müller aus Nickelsdorf möchte ihre Retter ausfindig machen, um sich bei ihnen zu bedanken. Siegfried Lass, der Augenzeuge bei dem Vorfall war, habe sie bereits auf Facebook ausfindig gemacht, eine Anfrage an ihn sei aber bisher ergebnislos geblieben, sagt sie.

„Ohne sie wäre meine Tochter jetzt Halbwaise“

Besonders am Herzen liegt Andrea Müller, jene Personen zu finden, die ihr auf den Bahnsteig nachgesprungen sind, beziehungsweise den Zug angehalten haben: „Ich möchte mich unbedingt bei den vier Personen bedanken, die mich gerettet haben. Ohne sie wäre meine fünfjährige Tochter eine Halbwaise und mein Gatte Witwer.“

x  |  NOEN, Symbolbild/ÖBB
Dass vermutlich sie das „Bahnsteig-Opfer“ gewesen war, erfuhr Andrea Müller erst durch den Bericht der BVZ. Ihre eigenen Erinnerungen seien bruchstückhaft, schildert sie: „Ich hatte angenommen, dass ich lediglich nach hinten gefallen war und mit dem Kopf unglücklich am Bahnsteig aufgeschlagen war. Bis auf ein paar verschwommene Erinnerungsfetzen kann ich mich an nichts erinnern, auch nicht an den Sturz selbst. Meine vollständige Erinnerung setzt erst am Umsteigebahnhof Parndorf Ort wieder ein, wo ich mir beim Automaten ein Cola gekauft habe.“

Erst ihr Gatte, der sie vom Nickelsdorfer Bahnhof abholte, erkannte das volle Ausmaß der Verletzung: Platzwunde am Kopf. Die Nacht verbrachte Andrea Müller im Krankenhaus Kittsee. Eine Woche später wurde bei einem Röntgen zusätzlich noch eine gebrochene Rippe festgestellt.

Andrea Müller hat sich auch schon an die ÖBB gewandt, mit der Bitte um Informationen zu dem Vorfall. Ihre Anfragen seien aber unbeantwortet geblieben: „Versucht man, etwas zu vertuschen?“, fragt sich Müller. „Mir geht es nicht um Schadenersatz oder Schmerzensgeld. Ich will nur wissen, was passiert ist und mich entsprechend bedanken.“

ÖBB: „Für Fehlverhalten nicht verantwortlich“

Christopher Seif, Pressesprecher der ÖBB, lies auf Nachfrage der BVZ wissen, dass man sich sehr wohl mit der Aufklärung des Falles beschäftigt habe. Bei der Auffindung der Retter könne die ÖBB aber leider nicht mehr behilflich sein, da das Material der Videokameras gemäß der Datenschutzrichtlinien nach 72 Stunden gelöscht worden sei.

Auf mangelnde Sicherheitsvorkehrungen am Hauptbahnhof angesprochen, sagte der ÖBB-Pressesprecher: „Wenn ein Fahrgast von einer anderen Person ins Gleis gestoßen oder gedrängt wird, sind wir als ÖBB leider machtlos und für ein derartiges Fehlverhalten nicht zur Verantwortung zu ziehen. Wir sind selbstverständlich bestrebt, jeden Bahnhof so sicher wie möglich zu gestalten. Einen Teil der Verantwortung, vor allem ein entsprechend rücksichtsvolles Verhalten am Bahnsteig, kann man den Kunden leider nicht abnehmen.“

Andrea Müller versucht nun über die BVZ, jene Personen, die am 10. Februar an ihrer Rettung beteiligt waren, ausfindig zu machen. Sie werden gebeten, sich an die BVZ, Redaktion Neusiedl am See zu wenden: Tel. 02167/45455 oder per E-Mail an redaktion.neusiedl@bvz.at.

Hier geht's zum damaligen BVZ.at-Bericht, auf den sich Andrea Müller meldete: