Erstellt am 07. Oktober 2015, 05:27

von Paul Haider

Aus für „Rotes Haus“?. Das Bundesheer will den ehemaligen Getreidespeicher am Waldrand zum Einsturz bringen. Der Gemeinderat erhebt Einspruch.

Historisch. Das »Rote Haus« am Waldrand soll bei einer militärischen Übung im November abgerissen werden. Foto: Haider  |  NOEN, Paul Haider
Für viele Parndorfer ist es ein kleines Wahrzeichen ihrer Ortschaft: Das „Rote Haus“, das früher als Getreidespeicher und später als beliebter Treffpunkt für die Parndorfer Jugend diente.

Gebäude soll bei militärischer Übung einstürzen

Dieses berühmte Haus könnte aber schon bald Geschichte sein. Das Bundesheer plant, das Gebäude bei einer militärischen Übung zum Einsturz zu bringen.

Brigadier Roland Melchart erklärt im Gespräch mit der BVZ, warum: „Von der Übung sollen Soldaten und Non-Profit Organisationen profitieren, die in Erdbebengebieten nach verschütteten Personen suchen und prüfen müssen, ob sie beschädigte Gebäude noch gefahrlos betreten können.“

Bundesheer: „Haus ist Gefahr für die Umwelt“

Im Zuge dieser Übung, die schon im kommenden November absolviert werden soll, würden die Strukturen des ehemaligen Getreidespeichers nach und nach zerstört werden, bis er zusammenfällt, erklärt Melchart weiters.

Mit dem Abbruch würde das Bundesheer „zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, denn das Haus sei mittlerweile in einem baufälligen Zustand: „Das Gebäude ist eine Ruine, hat keine Fenster und Türen, und stellt eine Gefahr für die Umwelt dar.“

Einen Unfall wie den vor drei Jahren, als sich ein 13-jähriges Mädchen beim Spielen im „Roten Haus“ verletzt hat, wolle man nicht wieder riskieren, gibt Brigadier Melchart zu verstehen.

Gemeinderat stimmte Ansuchten nicht zu

Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) kann diese Argumentation des Bundesheeres nicht nachvollziehen: „Nach dem Unfall wurde das Haus mit Baustahlgittern verschlossen und es würde sicher noch hundert Jahre stehen bleiben, ohne dass etwas passiert“, ist Kovacs sicher.

Der Parndorfer Gemeinderat hat in seiner Sitzung am vergangenen Mittwoch dem Abriss-Ansuchen des Bundesheeres nicht zugestimmt. Am kommenden Donnerstag soll zudem ein Sachverständiger des Bundesdenkmalamtes das Haus besichtigten.

Bürgermeister Kovacs will jedenfalls weiter für die Erhaltung des „Roten Hauses“ kämpfen, auch wenn es nicht unter Denkmalschutz gestellt werden sollte: „Das Haus hat einfach einen großen Symbolwert für Parndorf und es ist für uns etwas Besonderes“, so Kovacs.
 

Zum Thema

Der ehemalige Getreidespeicher, von den Parndorfern „Rotes Haus“ genannt, befindet sich etwa drei Kilometer außerhalb des Parndorfer Ortsgebietes am Waldrand unweit der A4.

Das Gebäude steht auf Parndorfer Hotter, ist aber Teil des Truppenübungsplatz Bruckneudorf und im Besitz des Bundesheeres.