Erstellt am 26. September 2015, 05:32

von Elisabeth Kirchmeir

Aus Spielsucht Winzer um 240.000 Euro betrogen. Bei Bank eine Million veruntreut, dann Winzer um 240.000 Euro betrogen - drei Jahre Haft.

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Die „Geißel der Spielsucht“ sei die einzige Erklärung, warum sein Mandat neuerlich straffällig geworden sei, rang Verteidiger Manfred Moser um Verständnis für den 42-jährigen ehemaligen leitenden Angestellten.

Beim Roulette auf Rot und Schwarz gesetzt

2008 war er verurteilt worden, weil er als Mitarbeiter einer Bank im Bezirk Neusiedl am See rund eine Million Euro veruntreut hatte. Das Urteil lautete damals auf drei Jahre, davon zehn Monate unbedingt.

„Mir fehlt das Verständnis dafür, dass Sie heute wieder da sind“, wunderte sich Richterin Birgit Falb beim Prozess in der Vorwoche.

Nach seiner Enthaftung hatte der verurteilte Betrüger 2009 bei einem Weinbaubetrieb im Bezirk Neusiedl am See einen neuen Job gefunden. Er hatte dort Zugriff auf die Firmenkonten, verfügte über den Schlüssel zum Tresor, war selbstständig zeichnungsberechtigt und verdiente gut – 3.000 Euro netto im Monat.

„2010 war ich belastet im Job, hatte viel Stress“, berichtete der Angeklagte. Die Spielsucht sei für ihn ein Ventil, eine Flucht gewesen. Beim Spielen konnte er Stress abbauen.

Er spielte online Roulette, setzte vorzugsweise auf Rot oder Schwarz. „Anfangs setzte ich kleine Beträge, einen oder zwei Euro. Am Schluss verspielte ich Einsätze von 50 Euro, da kann man in kurzer Zeit sehr viel Geld verlieren“, berichtete der Angeklagte.

Gefälschte Rechnungen ausgestellt

Im Dezember 2011 hatte er sein Gehaltskonto massiv überzogen. Da er auf die Idee, gefälschte Rechnungen auszustellen, die er seinem Arbeitgeber vorlegte. Die Rechnungsbeträge wurden auf Sparbücher überwiesen, auf die der Spielsüchtige Zugriff hatte.

Dadurch verursachte er einen Schaden von knapp 190.000 Euro. Weitere knapp 50.000 Euro holte er sich von den Konten seines Arbeitgebers, aus dessen Tresor und der Kassa. Den Erlös eines Traktorverkaufes lieferte er nicht ordnungsgemäß ab.

Insgesamt entstand ein Schaden von knapp 240.000 Euro, für den sich der Angeklagte vollständig schuldig bekannte. 40.000 Euro wurden mit Unterstützung der Eltern des Angeklagten zurückgezahlt.

„Nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen“

„Ich kann nicht sagen, dass ich meine Spielsucht schon besiegt habe“, gab der Angeklagte zu. Er habe eine stationäre Therapie absolviert und sei in ambulanter Behandlung.

Staatsanwältin Beatrix Resatz warf ihm vor, „nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen“ und seinem Arbeitgeber „massiven Schaden“ zugefügt zu haben.

Der Mann wurde wegen gewerbsmäßig schweren Betruges und Veruntreuung zu drei Jahren Freiheitsstrafe unbedingt verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.