Erstellt am 27. April 2011, 00:00

Baupfusch statt Paradies?. STREIT / Bauherr und mit den Arbeiten beauftragter Baumeister sind sich uneinig über die Ausführung und die entstandenen Kosten. Nun geht die Sache vor Gericht.

Noch kein Paradies. Werner Schauer vor seinem Haus in der Wiener Straße. Die Baustelle ist mittlerweile zu einer Belastung für das Paar geworden, das seinen Lebensabend entspannt in Neusiedl am See verbringen wollte.  |  NOEN
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NEUSIEDL AM SEE / Eigentlich wollten Werner Schauer und Gertrude Raber-Artenjak einen ungestörten Lebensabend im Burgenland verbringen. Also verkauften sie in Wien ihre 380 Quadratmeter Villa und kauften das Haus in der Wiener Straße 51 in Neusiedl am See. Zuerst wurde der Garten auf Vordermann gebracht und liebevoll gepflegt. Mittlerweile wurden unter anderem ein Pool und ein Koi-Teich angelegt, sowie ein Gartenhäuschen aufgestellt. Dann sollte das Wohnhaus aufgestockt und modernisiert werden. Dazu begab sich Schauer auf die Suche nach einem Baumeister und beauftragten daraufhin Rudolf Bleich mit der Ausführung der nötigen Arbeiten. Und damit fingen laut Werner Schauer die Probleme an. Denn der ehemalige Vorstand der Bank Austria ist sicher: „Wir sind auf ihn hereingefallen, weil er beim ersten Treffen einen guten Eindruck gemacht hat.“ Denn laut Schauer hat der Pamhagener, nur das Stukkateurgewerbe- nicht aber das Baugewerbe angemeldet und so Arbeiten angeboten und auch durchgeführt, wozu er laut Auszug aus dem Firmenbuch gar nicht berechtigt ist. Deshalb fühlt sich der Bauherr auch getäuscht. Probleme soll es auch mit den Kosten gegeben haben. Schauer erhielt ein verbindliches Anbot von 95.219 Euro, kann aber belegen, dass er mittlerweile 124.000 Euro überwiesen hat, bevor die Arbeiten vollständig durchgeführt wurden.

Bleich bestreitet aber, dass ein Pauschalangebot vereinbart wurde und dass auf Wunsch von Schauer zusätzliche Leistungen dazugekommen seien, die nicht im Angebot enthalten gewesen seien. „Ich sehe mich als Geschädigter, weil ich noch einen größeren Betrag von Herrn Schauer bekomme. Ich fühle mich ausgenutzt und verleumdet“, erklärt Bleich.

Der enttäuschte Bauherr Schauer wiederum kritisiert, dass die Arbeiten nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden seien. „Für ein Privatgutachten von Baumeister Christian Stol, das sämtliche Mängel auflistet, habe ich 7.000 Euro bezahlt. So hängt unsere Decke zum Beispiel um acht Zentimeter. Das gesamte Haus sollte barrierefrei gebaut werden und mit Rollstuhl befahrbar sein. Das ist aber nicht möglich. WC und Badezimmer sind viel zu klein ausgefallen. Dort wo laut Plan eine Wendeltreppe vorgesehen war, ist jetzt kein Platz dafür und auch der Dachbodenausbau wurde falsch ausgeführt“, sagt Schauer. Laut dem Bauherrn gibt es für das ganze erste Stockwerk auch keine statischen Berechnungen, deshalb ist die Angst auch groß, dass der gesamte obere Bereich einstürzen könnte.

Der Streit zwischen Bauherr und dem Pamhagener Baumeister spitzte sich so zu, dass die Baustelle im Februar geräumt wurde. Mittlerweile haben sowohl Schauer als auch Bleich ihre Anwälte eingeschaltet und wollen die Sache vor Gericht ausfechten.