Erstellt am 31. Juli 2014, 10:01

von Michael Pekovics

Feuerwehren nach Daueregen im Großeinsatz. In vielen Regionen fielen über die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag weit über 100 Liter pro Quadratmeter, in Podersdorf sogar rund 190 Liter – so viel wie noch nie zuvor.

Die Infrastruktur hielt den Rekordregenmengen nicht stand. So wie hier in der Seestraße in Neusiedl am See.  |  NOEN, BVZ
Weite Teile in den betroffenen Gebieten standen unter Wasser, so auch der Sportplatz in Podersdorf.
 
Außerdem hatte bereits am Nachmittag ein Blitzschlag in eine Scheune einen Einsatz von drei Feuerwehren notwendig gemacht. Das darin gelagerte Stroh fing Feuer ( BVZ.at berichtete ), der Stadel brannte vollständig ab. Das Feuer wurde zwar rasch unter Kontrolle gebracht, aber wegen der zahlreichen Glutnester konnte erst nach einigen Stunden „Brand aus“ gegeben werden. Die Feuerwehren Podersdorf, Illmitz und Frauenkirchen waren im Einsatz. Der Schaden dürfte sich auf rund 75.000 Euro belaufen.

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Feuerwehren im Dauereinsatz

 Besonders stark von den Regenmassen betroffen war der Bezirk Neusiedl. Die Feuerwehren des Bezirks waren im Großeinsatz, alleine in der Bezirkshauptstadt kam es zu über 100 Einsätzen. Zahlreiche Keller mussten ausgepumpt und Straßen von Schutt und Schlamm gereinigt werden. Vor allem in in der Seestraße, auf der Hauptstraße und in der Josef Reichel Gasse war die Lage angespannt. Insgesamt hatten die eingesetzten Feuerwehren 108 Einsätze in der Nacht zu bewältigen, 115 Mitglieder waren mit 22 Fahrzeugen im Einsatz. Die Stadtfeuerwehr Neusiedl wurde von den Kollegen aus Parndorf, Winden, Jois, Zurndorf und Kaisersteinbruch unterstützt.

Zahlreiche Keller überflutet

 „Solche Regenmengen sind noch nie dagewesen, das gibt’s vielleicht einmal in 30 Jahren. Das kann der beste Kanal nicht schaffen“, erzählte Stadtfeuerwehrkommandant Christian Harrer, der sich bei der Bevölkerung, die am Bauhof der Gemeinde beim Füllen der Sandsäcke half, für die Unterstützung bedankt. Trotzdem wurden zahlreiche Keller überflutet, am schlimmsten waren die Überflutungen in den Tiefgaragen der Wohnungen in den Siedlungsgebieten. Beim Spar-Markt in Richtung Weiden am See wurde sogar eine Begrenzungsmauer eingedrückt. In einigen Büros gab es am Donnerstag Vormittag zudem keine Verbindung zum Internet.

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Lage bleibt weiter angespannt

 Die Aufräum- und Abpumparbeiten werden noch einige Zeit dauern, aktuell sind noch zehn Einsätze in der Bezirkshauptstadt zu bewältigen. Oft kann das Wasser aber nicht abgepumpt werden, weil es nicht abfließen kann. „Wir tun unser Möglichstes, aber wenn wir das Wasser nicht wegbringen, dann hilft es nichts“, beruhigt Harrer, der so wie viele andere Florianijünger auch die ganze Nacht durchgearbeitet hat. Die Lage bleibt indes weiter angespannt, weil weitere Regenfälle befürchtet werden.

 Auswirkungen hatte das Wetter auch auf das für Mittwoch Abend geplante Open Air-Konzert von Albano Carrisi auf der Seebühne Mörbisch. Laut Veranstalter Walter Egle war die Sicherheit für die Besucher der Seebühne aufgrund der Wetterverhältnisse nicht gegeben: „Es tut uns für alle Konzertbesucher von gestern sehr leid, aber es war höhere Gewalt und die Sicherheit jedes Besucher ist unser höchstes Gebot.“ Als Ersatztermin wurde Dienstag, der 19. August, gefunden (Beginn 20 Uhr). Bereits erworbene Karten behalten Ihre Gültigkeit. Außerdem kann man die Tickets an den Vorverkaufsstellen, wo sie gekauft wurden, zurück geben. Mehr Infos gibt es auf www.showfactory.at .



 

Lesen Sie weiter: ÖAMTC-Tipps für Hochwasser-Opfer

Was tun, wenn das Auto überflutet ist?

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Der ÖAMTC warnt Besitzer von unter Wasser gestandenen Pkw davor, diese in Betrieb zu nehmen. „Wenn der Motorraum eines Autos unter Wasser war, muss aus Sicherheitsgründen eine Abschleppung erfolgen“, hält Rudolf Leeb, ÖAMTC-Regionalleiter der burgenländischen Stützpunkte fest. „Wenn sich Wasser im Zylinder befindet kann bei einem Startversuch der sogenannte ‚Wasserschlag‘ auftreten, ein Motorschaden kann die Folge sein.“ Wenn Sand und Wasser ins Fahrzeuginnere geraten sind, können außerdem Schäden an Fahrwerk und Bremsen auftreten, die sich eventuell erst Monate nach dem Unglück zeigen. Eine Überprüfung des Bremssystems durch einen Fachmann ist also dringend anzuraten. 

So erkennt man, was nach dem Hochwasser am Kfz überprüft werden sollte

  • Ist die Wasserlinie unterhalb der Felgenmitte, sind in der Regel keine Funktionsprobleme zu erwarten. In diesem Fall sind alle beweglichen Teile sowie die elektrischen Installationen noch über der Wasserlinie. Nur die Traggelenke und Spurstangengelenke sollten neu abgeschmiert werden.

  • Wenn die Wasserlinie über der Radmitte liegt, sind bereits Radlager und Antriebswellen betroffen. Wenn das Fahrzeug diesen Bedingungen über mehrere Stunden oder sogar Tage ausgesetzt ist, dringt Wasser in die Lager und Gelenke ein. Dort bleibt es leider auch nach Absinken des Wasserspiegels. Ebenfalls betroffen ist der Auspuff, der durch das Wasser korrodieren kann.

  • Steigt der Wasserspiegel über die Türunterkante, dringt Wasser in den Innenraum und in die Hohlräume der Karosserie ein. So können tiefer liegende Teile der Elektrik Schaden nehmen. „in Werkstattaufenthalt ist unausweichlich.

  • Ist die Motorhaube unter der Wasserlinie, dringt auch Wasser in den Ansaugtrakt des Motors und über den Auspuff bis zu den Auslassventilen. Ein Starten des Motors, so der Starter überhaupt noch funktioniert, muss auch nach Sinken des Wasserniveaus unterlassen werden. Fahrzeuge, die mehrere Stunden derart tief im Wasser waren, müssen anschließend gründlich in einer Fachwerkstatt trockengelegt werden. Bei Fahrzeugen älteren Datums kommen die Reparaturkosten einem Totalschaden gleich. 

Zahlt die Versicherung?

 Wer nach dem Rückgang der Pegelstände Schäden an seinem Fahrzeug entdeckt, für den hat der Club folgende versicherungstechnische Verhaltens-Tipps. „Schäden sollten mit Fotos dokumentiert und der Versicherung unverzüglich gemeldet werden“, rät Ivana Benova,  ÖAMTC-Versicherungsexpertin des Clubs. „Einen Startversuch, der einen Motorschaden zur Folge haben kann, sollte man tunlichst unterlassen. Die Versicherung kann in diesem Fall die Leistung verweigern.“
 
Ob die Versicherung einen Hochwasserschaden zahlt, hängt von einigen Faktoren ab. „Nur wer über eine abgeschlossene Kaskoversicherung verfügt, hat Anspruch auf finanzielle Entschädigung“, erklärt die Versicherungsexpertin.  Versichert ist die unmittelbare Einwirkung der Naturgewalt, sowie auch Schäden, die dadurch verursacht werden, dass durch das Hochwasser Gegenstände auf oder gegen das Fahrzeug geworfen werden - wie zum Beispiel ein Baum oder ein anderes Fahrzeug. „Bei einem Totalschaden wird die Ersatzleistung aus der Differenz vom Wiederbeschaffungswert  des Fahrzeuges vor dem Schadenfall und dem Restwert des Wracks berechnet“, so Ivana Benova.