Erstellt am 14. März 2013, 12:33

Brennpunkt Nickelsdorf: 688 Festnahmen 2012. Bis zu 40 Millionen Reisende haben vor der Schengenerweiterung jährlich den Grenzübergang Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) passiert. Im vergangenen Jahr kam es zu insgesamt 688 Festnahmen.

Im Bild v.li.n.re.: Landespolizeidirektor Mag. Hans-Peter Doskozil, Inspektionskommandant ChefInsp Josef Kinzel, Bezirkspolizeikommandant Oberst Rainer Bierbaumer.  |  NOEN, Landespolizeidirektion Burgenland
Die Nickelsdorfer Polizeiinspektion an der Ostautobahn (A4) bleibt trotz Verlagerung der Grenzkontrollen eine der arbeitsintensivsten Dienststellen Österreichs: Im Vorjahr wurden insgesamt 688 Personen festgenommen und 47 Fahrzeuge sichergestellt, zog Burgenlands Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil am Donnerstag bei einer Pressekonferenz Bilanz.

Verglichen mit Wien, hätten innerstädtische Kommissariate, wo drei Bezirke zusammengefasst seien, keine derartige Häftlingszahl in einer Jahressumme wie die Dienststelle in Nickelsdorf allein, so Doskozil. Waren zu Schengenzeiten rund 200 Polizisten im Einsatz, sind es heute 35 Beamte, davon vier Frauen. Mittlerweile sei man eine reine Fahndungsdienststelle, so Doskozil.

Zu den besonderen Fahndungserfolgen im Vorjahr zählt Josef Kinzel, der Kommandant der Polizeiinspektion, etwa die Festnahme von drei "Reifenstechern" - Trickdiebe, die auf Autobahnen quer durch Europa ihr Unwesen trieben. Auch Lkw-Planenschlitzer wurden von den Nickelsdorfer Beamten dingfest gemacht. Immer wieder ertappen die Polizisten Fahrraddiebe: So führte ein Fall in Zusammenarbeit mit Kollegen in Augsburg zur Klärung von 250 Rad-Diebstählen in Deutschland.

Unzuordenbares Diebesgut wird versteigert

Ende Februar dieses Jahres gingen den Ermittlern fünf Rumänen ins Netz, die nach Werkstätteneinbrüchen in Oberösterreich Diebesgut im Wert von rund 30.000 Euro außer Landes bringen wollten, berichtete Kinzel. Da man das Diebesgut nicht immer den Eigentümern zuordnen könne, finden in Nickelsdorf regelmäßig Versteigerungen statt. Die nächste ist für den 22. März geplant.

Die AGM-Dienststelle (AGM steht für Ausgleichsmaßnahmen nach Verlegung der Schengengrenze, Anm.) sei auf dem modernsten Stand der Technik, erläuterte Bezirkspolizeikommandant Rainer Bierbaumer. Den Beamten stehen acht Dienstfahrzeuge zur Verfügung. Rund um die Uhr seien mindestens drei Streifen im Einsatz, bei Schwerpunktaktionen dementsprechend mehr.

Die Inspektion verfügt über Echtzeit-Zugang zu EU-weiten Datenbanken, um beispielsweise Dokumente auf ihre Echtheit prüfen zu können. Ebenfalls zur Ausstattung gehören ein Fotostudio für den Erkennungsdienst sowie Material zur DNA-Spurensicherung. Dazu kommen noch Spezialwerkzeuge wie Hohlraumsonden, mit denen Lkw kontrolliert werden.

Die Bekämpfung von Schlepperei, Menschenhandel, Kfz-Verschiebung und des Schmuggels von Drogen, Waffen oder Sprengstoffen zählen zu den Hauptaufgaben der Ermittler, erläuterte Bierbaumer. Besonders erfolgreich sei man bei der Sicherstellung von Diebesgut.

Das Überwachungsgebiet erstrecke sich über die Ostautobahn (A4) bis zur niederösterreichischen Landesgrenze, entlang der B10 sowie an der B50 bis nach Eisenstadt, "das ist ein sehr großer Rayon", meinte der Bezirkspolizeikommandant.