Erstellt am 11. Mai 2016, 05:34

von Pia Reiter

Bye bye Podersdorf, Event soll in die Stadt. Surf Worldcup sucht neuen Veranstaltungsort, heute, Mittwoch, starten Gespräche über Zukunft in Neusiedl am See.

Heiße Temperaturen, viele Besucher. Im Podersdorfer Strandbad war am vergangenen Samstag kaum ein Platz frei. Viele nutzten das sonnige Wetter auch gleich für ein Bad im Neusiedler See. Spielt das Wetter mit, gibt es beim Surf Worldcup Strand- und Urlaubsstimmung. Foto: Martin Reiter  |  NOEN, Martin Reiterwww.reiter-foto.co
Zum 22. und letzten Surf Worldcups in Podersdorf am See (siehe auch die Fotoserie weiter unten) ziehen die Veranstalter um Mike Pichura eine Rekordbilanz: „Wir haben die 100er Marke gesprengt, es war ein Hammer. Die Stimmung war sensationell.“

Kritische Töne von Tourismuschef Anton

Doch unter die Abschiedsstimmung mischen sich auch kritische Töne. Diese kommen von Podersdorfs Tourismuschef Hannes Anton, der die 102.000 Besucher und den neuen Besucherrekord am Samstag (7. Mai), über den die Veranstalter jubeln, anzweifelt: „Leider haben wir ganz andere Zahlen als der Veranstalter. Wir haben über unser Strandbadkassensystem in den zehn Tagen circa 20.000 Besucher gezählt (das sind gegenüber 2015 um 1.000 Besucher mehr), dort wird wirklich jeder Gast mit Karte erfasst.“

Diese Zahl kann Surf Worldcup-Gründer Gerhard Polak nicht nachvollziehen: „Schon allein am Partygelände waren an den beiden Wochenenden weit mehr als 20.000 Leute, da bleiben dann ja laut Hannes Anton gar keine mehr für das Strandgelände.“

Podersdorfs Tourismuschef ist jedenfalls überzeugt, mit der Kündigung des Vertrages für den Surf Worldcup, die richtige Entscheidung getroffen zu haben: „Die Nächtigungen finden fast nur mehr auf dem Gratisparkplatz im Norden statt. Die Veranstaltung hat sich zu einem Parkplatz-Tourismus entwickelt. Dem Ort bleiben nur die Kosten und die Müllberge und ein zu sanierendes Strandgelände.“

„In Podersdorf an unsere Grenzen gestoßen“

Seitens der Veranstalter sollen eine Ergebnispräsentation und eine Abrechnung folgen, wo dann die genauen Zahlen auf dem Tisch liegen. Das Team um Pichura ist aber bereits mit der Weichenstellung für die Zukunft des Events beschäftigt.

„In Podersdorf sind wir aber an unsere Grenzen gestoßen, um uns weiterentwickeln zu können. Wir blicken jetzt nach vorne und freuen uns aufs Pläne schmieden“, sagt Pichura, der damit Neusiedl am See als möglichen neuen Standort des Events ins Spiel bringt.

Deshalb soll es auch heute, Mittwoch, ein Treffen mit den Veranstaltern und Vertretern der Stadtgemeinde geben, wo über das Konzept für Neusiedl am See als Veranstaltungsort gesprochen werden soll, bestätigt Bürgermeister Kurt Lentsch (ÖVP) auf Nachfrage der BVZ.

Der zeigt sich dem Surf Worldcup gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt: „Wir begrüßen alle Wassersportveranstaltungen und haben sie in der Vergangenheit gefördert und unterstützt. Ich wüsste keinen Grund , warum wir davon abgehen sollten.“ Auch SPÖ und Grüne zeigen sich interessiert, wollen aber abwarten, was enau geplant ist (siehe weiter unten).

Stadt interessiert, aber keine Partymeile am See

Eine Einschränkung gibt es seitens der Stadt jedoch: „Ob es kommt oder nicht, hängt von den Erwartungen der Veranstalter und dem was machbar ist, ab. Eine Partymeile am See gibt es aber sicher nicht“, betont Lentsch.

Es gibt bereits Überlegungen, das Partygelände im Betriebsgebiet anzusiedeln. Davon verspricht sich Polak auch Vorteile: „Neusiedl am See ist ein interessanter Standort. Dass Festivalgäste und die Besucher des Strandbereichs räumlich weiter voneinander getrennt sind, ist kein Nachteil. Das Strandgelände möchten wir bis mindestens 22 Uhr offen halten. Im Betriebsgebiet gibt es genug Platz und die Möglichkeit für uns dort zu wachsen. So ist die Anreise für die Festivalbesucher kürzer und das Partygelände besser erreichbar, da es direkt an zwei Autobahnabfahrten liegen würde.“

Auch dass die Stadt eine gute Bahnverbindung hat, spricht laut dem Gründer des Surf Worldcups für Neusiedl am See, denn so kann das junge Publikum direkt aus Wien anreisen und dann per Busshuttle zum See oder Partygelände gebracht werden.


Zitiert: „..bessere Werbung kann es nicht geben“

„Es gilt abzuwarten, was genau seitens der Veranstalter geplant ist. Es darf aber auf keinen Fall finanziell zulasten der Betriebe oder der Stadt gehen.“
Grüne-Gemeinderätin Alexandra Fischbach über Neusiedl als neuen Standort für den Surf Worldcup

„Es sind noch keine Details bekannt. Touristisch bringt es sicherneue Impulse. Es stellt sich die Frage, ob sich die Stadt das in ihrer jetzigen Situation leisten kann.“
Vizebürgermeistern Elisabeth Böhm (SPÖ)

„ Heuer war das der erfolgreichste Worldcup in 22 Jahren. Eine bessere Werbung kann es nicht geben. Für mich war das aus finanzieller Hinsicht für Gemeinde und Betriebe eine fragwürdige Entscheidung. Die Gemeinde lukriert Einnahmen aus den Strandbadeintritten und profitiert am Campingplatz. Einige Betriebe machen beim Surf Worldcup 20 Prozent ihres Jahresumsatzes.“
Podersdorfs Vizebürgermeister Franz Steiner (SPÖ) über den letzten Surf Worldcup ebendort

„Der Surf Worldcup und der Neusiedler See gehören für mich einfach zusammen.“
Landtagsabgeordneter Kilian Brandstätter, SPÖ

„Der Surf Worldcup war eine gute Veranstaltung. Wir mussten uns aber überlegen, ob wir nach Jahren andere Wege gehen und probieren jetzt etwas Anderes. Entscheidend war für uns auch, dass das Land und die NTG nicht mehr mitfinanziert haben.“
Podersdorfs Bürgermeister Andreas Steiner (ÖVP)