Erstellt am 24. November 2010, 00:00

Den Sohn vergewaltigt?. PROZESS / Ein heute 52-jähriger Arbeiter soll seinen Sohn schwer missbraucht haben, als dieser sieben Jahre alt war.

BEZIRK NEUSIEDL AM SEE / Der 22. Mai 1999 hat sich dem heute 18-jährigen Schüler ins Gedächtnis eingebrannt: Am Abend dieses Tages soll sein Vater betrunken nach Hause gekommen sein und seinen siebenjährigen Sohn vergewaltigt haben, indem er sich in dessen Mund befriedigte.

So warf es Staatsanwalt Heinz Prinke am Freitag der Vorwoche dem 52-jährigen Arbeiter aus dem Bezirk Neusiedl vor. Dieser bekannte sich nicht schuldig. Verteidiger Thomas Stöger: „Der Zeuge (der Sohn des Angeklagten, Anm. d. Red.) hat die Scheidung der Eltern nicht verkraftet, daraus ergaben sich seine psychischen Probleme.“

1980 hatte der Arbeiter geheiratet, 1992 brachte seine Frau einen Sohn zur Welt. 2004 ließ sich das Paar scheiden. Ihr Mann habe immer mehr getrunken, so die Ex-Gattin, „es wurde auch immer mehr gestritten“. Schon damals sei ihr aufgefallen, dass ihr Sohn eine Abscheu vor betrunkenen Männern entwickelte.

„Jedes Jahr werde ich an diesen Tag erinnert“, erklärte der Sohn bei der Video-Einvernahme. Als der Vater damals sein Zimmer betrat – die Mutter arbeitete noch im familieneigenen Heurigen – soll er seinen Sohn gewarnt haben: „Das, was ich jetzt mache, darfst du keinem sagen, sonst musst du dran glauben“, berichtete der Sohn.

Nach der Tat habe der Vater gesagt: „Sag es keinem, besonders deiner Mutter nicht, sonst musst du sterben.“

Nach zehn Jahren erzählte  Sohn erstmals von der Tat

Zehn Jahre lang hielt sich der Sohn an das Sprechverbot, dann brach es aus ihm heraus. Einem Mitschüler, zu dem er Vertrauen gefasst hatte, erzählte er von der angeblichen Vergewaltigung.

„Er brach in Tränen aus. Ich tröstete ihn“, berichtete der Schulkollege, der seinem Freund empfahl, den Schulpsychologen aufzusuchen.

Eine Fachärztin für Psychiatrie diagnostizierte im April 2010 eine schwere Depression. Im Mai 2010 unternahm der 18-jährige Schüler eine Sprachreise nach Malta. Dort verschlechterte sich sein Zustand. Er litt unter „Flashbacks“ und schluckte Schlaftabletten. „Ich habe erwartet, dass ich sterbe“, so der Schüler. Er überlebte und unterzog sich nach seiner Rückkehr einer stationären Therapie.

„Was kann Ihren Sohn dazu bewegen, Derartiges zu behaupten, was mit massiven Unannehmlichkeiten für ihn verbunden ist?“, wollte Richter Wolfgang Rauter von dem Angeklagten wissen. „Ich weiß es nicht“, antwortete dieser. Seit 2004 habe er weder seine Ex-Frau noch seinen Sohn gesehen.

Der Prozess wurde vertagt, weil auf Antrag des Verteidigers ein Sachverständiger klären soll, ob der Sohn glaubwürdig ist. Das Strafmaß könnte sich von ein bis zehn Jahre auf fünf bis fünfzehn Jahre Haft erhöhen, wenn sich herausstellt, dass die psychische Erkrankung des Sohnes einer schweren Körperverletzung entspricht.