Erstellt am 07. Dezember 2011, 00:00

Der Gärtner & der Kiffer. DROGENHANDEL / Zehn Jahre lang baute ein Gärtner Cannabis an. Jetzt wurden er und sein angeblich einziger Kunde angeklagt.

BEZIRK NEUSIEDL /  Seit 2001 befasste sich der 55-jährige Gärtner mit dem Hanfanbau. „Mein Vater war damals sehr krank. Ich hatte gelesen, dass Cannabis bei Angst und Schmerzen hilft. Daher habe ich daraus einen Tee gebraut“, erklärte der Angeklagte vor Gericht.

Seit 2003 baute er dann angeblich zehn Hanfpflanzen pro Jahr an und verkaufte die Ernte, die jedes Mal rund drei Kilogramm betragen haben soll, an einen Ex-Arbeitskollegen, der ebenfalls aus dem Bezirk Neusiedl stammt. 2011 gab es keine Ernte mehr: Die Polizei hatte einen Tipp bekommen und im Garten des Pflanzenfreundes Nachschau gehalten. 135 Pflanzen wurden abgeschnitten und zu Beweiszwecken getrocknet. „Das wären 45 bis 50 Kilogramm Cannabis gewesen“, sagte ein Kriminalbeamter vor Gericht. Damit wäre ein Drogengeschäft im großen Stil möglich gewesen. „Der Angeklagte behauptet, dass es immer drei Kilogramm waren. Wir vermuten aber, dass es jedes Jahr so eine Menge wie heuer war“, so der Ermittler weiter.

„Felgenreiniger“ ließ  Arbeiter ins Koma fallen

Der Drogenproduzent sitzt wie sein angeblich einziger Kunde in U-Haft. Dieser, ein 34-jähriger Arbeiter, trat als völlig gebrochener Mann vor Gericht auf. Schuld daran sei aber nicht das Kiffen, sondern eine neue Modedroge, der sogenannte „Felgenreiniger“. „Ich bin fertig! Ich kenne mich nicht aus!“, schluchzte der Angeklagte und brach in Tränen aus. Er sei als Giftler bekannt gewesen, habe aber von dem Hanfgärtner „sicher nichts“ eingekauft. Mit dem Haschisch habe er vor zwei oder drei Jahren aufgehört, seither verabreichte er sich den äußerst gefährlichen, aber legal erhältlichen Felgenreiniger (GBL - eine Vorläufersubstanz von „Liquid Ecstasy“). „Das haut einen total zusammen“, berichtete der Drogenkonsument. Zu Weihnachten 2010 sei er sogar für zwölf Tage ins Koma gefallen, bis zu seiner Verhaftung im Oktober 2011 stand er in psychotherapeutischer Behandlung. „Welchen Grund hat der Hauptangeklagte, Sie zu belasten?“, fragte Richterin Birgit Falb. „Er deckt seine Leute. Mich kennt man als Giftler“, meinte der Arbeiter. Einen „gewerbsmäßigen Verkauf“ an unbekannte Hintermänner vermuten auch die Drogenfahnder. Der Prozess wurde vertagt, da weitere Zeugen befragt werden sollen.