Erstellt am 09. April 2013, 12:14

Erb-Wohnung verkauft. 97.000 Euro konnte die Weinbaugemeinde Gols aus dem Verkauf einer geerbten Wiener Eigentumswohnung lukrieren.

Das tschechische Brüderpaar Georg und Radim Jetel vermachten der Gemeinde Gols ein Erbe in der Höhe von einer Million Euro. Ein Teil der Hinterlassenschaft soll in ein großes Gemeindeprojekt fließen.  |  NOEN
Von Birgit Böhm-Ritter

GOLS | Vor etwa einem Jahr wurde die Gemeinde Gols überraschend zum Millionenerbe (die BVZ berichtete). Das Brüderpaar Georg und Radim Jetel hinterließ dem Weinbauort neben etwa 100 Bildern, einem Haus und einem Grundstück in Schweden, mehreren Bankguthaben in Wien auch zwei Wohnungen in der Bundeshauptstadt.

Eine dieser Wohnungen konnte die Gemeinde Gols vorige Woche verkaufen. Damit vermochte die Gemeinde nun zum ersten Mal auch auf das Erbe zuzugreifen. Die bürokratischen Wege seien nämlich mühsam und langwierig, erklärt Bürgermeister Hans Schrammel (SPÖ). Die kleine Wohnung von 32,94 Quadratmetern mit einer Terrasse und in guter Lage, aber renovierungsbedürftig, wurde auf 69.000 Euro geschätzt.

Bis 2. April konnten Kaufangebote in einem verschlossenen Kuvert im Gemeindeamt abgegeben werden. Das Höchstgebot lag schließlich bei 97.000 Euro. „Mit dieser Wertsteigerung können wir mehr als zufrieden sein“, sagt der Ortschef. Der Käufer ist der Eigentümer der Nachbarwohnung und möchte die Wohnung für seinen behinderten Sohn bewohnbar machen.

Idee: Jetel-Nachlass für Mehrzweckgebäude

Wie das Geld aus dem Verkauf in der Gemeinde investiert werden soll, steht noch nicht fest. Eines sei aber klar, betont Schrammel, die Hinterlassenschaft der Jetel-Brüder solle nicht in einzelne kleine Projekte fließen. Das Geld werde vorerst angelegt. Auch die zweite Wiener Wohnung und die Immobilien in Schweden sollen verkauft werden. „Erst wenn wir eine größere Summe zusammenhaben, wollen wir in ein größeres Projekt investieren. Das hat der Gemeinderat bei seiner Sitzung vergangenen Mittwoch beschlossen“, erklärt Schrammel. Ideen dazu gäbe es schon.

So könnte ein großer Teil des Jetel-Erbes in eine neue Mehrzweckhalle am Volksfest-Gelände fließen. Ein Gedenkstein für die beiden Brüder soll auch errichtet werden, „schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass eine Gemeinde eine Million erbt“, unterstreicht Bürgermeister Schrammel.


Zum Thema: Das tschechischen Brüderpaar Georg und Radim Jetel hat der Gemeinde eine Erbschaft von einer Million Euro hinterlassen. Einzige Verbindung zu Gols dürfte der Wein sein. Bürgermeister Johann Schrammel (SPÖ) hat im Juni 2012 von der überraschenden Hinterlassenschaft erfahren. Die beiden Ärzte haben ihr gesamtes Vermögen der Weinbau-Gemeinde vermacht: Zwei Eigentumswohnung in Wien, ein Haus und ein Grundstück in Schweden, Sparguthaben in der Höhe von 330.000 Euro, ein Auto, Schmuckgegenstände und rund 100 Bilder.