Erstellt am 11. September 2015, 15:08

von Birgit Böhm-Ritter

Flüchtlinge zu Fuß auf B10. 3700 Flüchtlinge sind in den Nachtstunden nach Nickelsdorf gekommen und stündlich werden es mehr.

 |  NOEN, Birgit Böhm-Ritter
Hunderte Flüchtlinge sind derzeit zu Fuß auf der B10 von Nickelsdorf in Richtung Wien unterwegs. „Busse und Züge bringen Flüchtlinge zwar nach Wien und in umliegende Notunterkünfte, unsere Transportkapazitäten sind aber angesichts des großen Flüchtlingsstromes an ihre Grenzen geraten“, erklärt Polizeisprecher Gerald Koller.

Züge fahren nur selten 

Im Gegensatz zum vergangenen Wochenende, wo Sonderzüge im 30 Minuten-Takt nach Wien abfuhren, fahren Züge nun seltener von Nickelsdorf ab. Grund ist der normale Pendlerverkehr, der aufrechterhalten werden muss. Trotzdem halten sich einige hunderte Menschen am Nickelsdorfer Bahnhof auf und warten auf eine Möglichkeit zur Weiterreise.

Viele der Flüchtlinge wollen aber nicht länger auf einen Shuttlebus oder Zug warten und versuchen auf eigene Faust in die Bundeshauptstadt zu kommen. „Wir suchen ein Taxi, das uns nach Wien bringt“, erzählt ein Iraker, „ich bin seit drei Tagen hier und möchte weiter.“ Sein Ziel ist Finnland, wo seine Angehörigen auf ihn warten. Es sind viele Familien, die den Weg zu Fuß wagen.



Oft nur mit dem nötigsten ausgestattet, tragen sie Babys und Kleinkinder kilometerweit. Taxis sind selten zu sehen und die Flüchtlinge am Straßenrand fragen: „Gibt es in diesem Land keine Taxis?“ Nur wenige Taxilenker transportieren Flüchtlinge, weil es die Gesetzeslage nicht erlaubt. Einige bleiben – angesichts des Ausnahmezustandes  - aber doch stehen.

Indessen werden 600 Flüchtlinge in der Nova-Rock-Halle vom Roten Kreuz versorgt. Stetig werden es mehr. Deshalb hat das Bundesheer mit dem Aufbau von 40 Zelten begonnen, die Platz für 2000 Flüchtlinge bieten sollen.

Rotes Kreuz erbittet Sachspenden-Stopp 

Das Rote Kreuz bittet derzeit KEINE Sachspenden nach Nickelsdorf zu bringen! „Wir haben keinen Platz mehr und keine logistischen Möglichkeiten, zu sortieren und zu lagern. Wir geben laufend Lebensmittel und Kleidung aus, niemand muss hungern. Großeinsätze wie diese erfordern exakte Logistik.

Unsere Logistiker arbeiten im Hintergrund rund um die Uhr und bringen alle erforderlichen Materialien in großen Mengen. Außerdem greifen wir laufend auf gelagerte Sachspenden zurück. Wir bitten um Verständnis, dass Sachspenden momentan eher behindern als helfen“, heißt es auf Facebook.