Erstellt am 01. September 2015, 09:36

von APA/Red

Zwei weitere Festnahmen. Im Flüchtlingsdrama auf der A4 hat es weitere zwei Festnahmen gegeben. Das teilte Verena Strnad, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt (StA) heute, Dienstag mit.

 |  NOEN, APA
Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt (StA) hat am Dienstag bestätigt, dass nach dem Flüchtlingsdrama auf der A4 zwei weitere Männer, für die ein EU-Haftbefehl aufrecht war, in Ungarn und in Bulgarien festgenommen worden sind. Die Zahl der Festgenommenen dürfte somit bei sieben liegen. Ob die ungarische Polizei möglicherweise weitere Festnahmen durchgeführt hat, konnte nicht bestätigt werden.

Im Zuge der Obduktionen der 71 Flüchtlinge, die am Donnerstag tot in einem Kühltransporter auf der A4 im Bezirk Neusiedl am See entdeckt worden sind, wurden mehrere Reise- und Ausweisdokumente sichergestellt, die die Personen bei sich hatten.

Laut Polizeisprecher Gerald Pangl seien "rund ein Dutzend syrischer Reisedokumente" sichergestellt worden. "Aufgrund dessen steht die Identität allerdings noch lange nicht fest, da nicht davon ausgegangen werden kann, dass es sich dabei um deren tatsächliche persönliche Dokumente handelt. Die Obduktionen und Identitätsfeststellungen laufen nach wie vor", sagte Pangl.

Pressekonferenz am Freitag

Bis Montagnachmittag waren 40 der 71 Leichen obduziert. "Wir sehen einer Erledigung bis zur Pressekonferenz am Freitag in Eisenstadt entgegen", meinte er. Zu dieser Pressekonferenz, die in der Landespolizeidirektion stattfinden und an der laut StA-Sprecherin Verena Strnad auch ein Vertreter der Anklagebehörde teilnehmen wird, werde man die Medienvertreter noch einladen.

Laut Pangl lag am Dienstagnachmittag zwar noch kein Ergebnis der Gerichtsmedizin vor, "die Umstände deuten aber darauf hin, dass es sich um Tod durch Ersticken handelt". Erste Ermittlungs- und Obduktionsergebnisse dürften am Freitag präsentiert werden.

Die kriminaltechnische Untersuchung des Kühltransporters ist laut Exekutive vorerst abgeschlossen. Die Spurenauswertung dauere jedoch und sei im Laufen, hieß es. Auch eine technische Untersuchung durch einen Sachverständigen habe am Lkw bereits stattgefunden. Auch hier gebe es noch keine Ergebnisse.

Die für Angehörige eingerichtete Hotline (059 133 10 3333) wird laut Pangl weiter gut angenommen. "Es kommen laufend Anrufe von besorgten Familienmitgliedern herein, die ihre Verwandten zum Teil schon seit Monaten suchen. Hier werden Informationen, etwa über persönliche Merkmale aufgenommen", erläuterte der Polizeisprecher. Auch via Mail könne die Polizei in dieser Causa kontaktiert werden (lpd-b-lka@polizei.gv.at).

Tschürtz: "Kontrollen überall im grenznahen Raum"

Landeshauptmannstellvertreter Johann Tschürtz (FPÖ) hat am Dienstag bei einer Pressekonferenz mitgeteilt, dass er Verkehrssicherheitskontrollen im grenznahen Bereich angeordnet habe, die u.a. große Staus an der Grenze verhindern sollen. Außerdem wolle man so die Schlepperkriminalität bekämpfen. "Es ist sehr wichtig, dass Schlepper wissen, dass überall im grenznahen Raum kontrolliert wird." Schlepper sollen somit nicht abschätzen können, wo gerade kontrolliert werde. "Ich glaube, das ist ein sehr starker präventiver Ansatz."

Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil winkte allerdings ab und verwies darauf, dass man die Kontrollen an neun Punkten im grenznahen Bereich im Burgenland bereits verstärkt habe. "Ich hätte mir gewünscht, dass der Landeshauptmannstellvertreter eine solche Anordnung vorher mit der Landespolizeidirektion abspricht. Dieser Anordnung kann derzeit nicht nachgekommen werden", erklärte Doskozil.

Trauermarsch in Eisenstadt

Das Foto, das die toten Flüchtlinge zeigt und mehrmals in der "Kronen Zeitung" und auch in der deutschen "Bild"-Zeitung veröffentlicht worden war, beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft und das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung (BAK). Wie von Doskozil bereits am Wochenende angekündigt, wurde ein erster Anlassbericht der StA übermittelt, bestätigte Strnad. "Die Ermittlungen sind von der Staatsanwaltschaft nun beim BAK in Auftrag gegeben worden", sagte die StA-Sprecherin.

Das Foto war von einem Polizisten gemacht worden und dürfte von einem anderen Beamten an die Zeitung geschickt worden sein. Der Presserat berichtete am Montagmittag auf Twitter von 170 Mitteilungen betreffend des Fotos und sprach von "absolutem Rekord".

Nach dem Flüchtlingsdrama-Gedenkgottesdienst am Montagabend im Stephansdom in Wien wurde auf Facebook zu einem Trauermarsch in Eisenstadt geladen. Auf Initiative der Flüchtlinge in Eisenstadt wolle man gemeinsam vom Domplatz bis zur Landespolizeidirektion in der Neusiedler Straße gehen. "Im stillen Gedenken an 71 Menschen, die hoffentlich ihr Leben nicht umsonst gelassen haben", heißt es in der Veranstaltungseinladung der Pannonischen Tafel, die sich derzeit auch um Flüchtlinge kümmert.

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