Erstellt am 21. Oktober 2015, 10:14

von Paul Haider

Flüchtlingsstrom reißt ab. Nachdem Ungarn Freitagnacht die Grenze zu Kroatien abgeriegelt hatte, kamen am Samstag die letzten Flüchtlinge in Nickelsdorf an. Die Polizei bleibt in Alarmbereitschaft.

Nutzung ungewiss. Die zwei beheizbaren Großraumzelte, die am Donnerstag in Nickelsdorf aufgebaut wurden, bleiben vorerst leer.  |  NOEN, Paul Haider
Vergangene Woche stellte man sich in Nickelsdorf noch auf einen schwierigen Winter ein: Täglich kamen tausende Schutzsuchende über die Grenze (siehe Tabelle auf Seite 8). Da nicht mit einem Abreißen des Flüchtlingsstromes gerechnet werden konnte, wurden zwei beheizbare Großraumzelte für je 1.000 Personen auf einem LKW-Parkplatz neben der A4 aufgestellt.

Doch am Samstag änderte sich die Lage plötzlich: Am Abend überquerte der letzte Flüchtling die ungarisch-österreichische Grenze. Am Sonntagnachmittag war das Areal in Nickelsdorf laut Polizei bereits komplett leer. Auch die Asyl-Sammelstelle in der Parndorfer ASFINAG-Halle wurde nicht mehr benötigt und konnte am Wochenende geschlossen werden.

Ungarn macht Grenze zu Kroatien dicht

Am Freitag um Mitternacht hatte Ungarn die Grenze zu Kroatien abgeriegelt, was sich mit einem Tag Verspätung in Nickelsdorf bemerkbar machte.

Die Flüchtlinge wählten ab Samstag die Route über Slowenien und kamen am Wochenende in erster Linie über die Grenze in Spielfeld nach Österreich. Nickelsdorfs Bürgermeister Gerhard Zapfl zeigte sich am Montag gegenüber der BVZ erleichtert: „Ich bin sehr froh, dass Nickelsdorf, seit Samstagnacht, kein Hotspot mehr ist.
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Allerdings traue ich der Ruhe nicht. Denn wenn der Druck an den anderen Grenzübergängen wie in Spielfeld zu groß wird, werden die Flüchtlinge sicher wieder nach Nickelsdorf gebracht werden. Wir haben hier an der Grenze einfach die beste Infrastruktur. Es wurden zwei Großraumzelte für je 1.000 Menschen aufgestellt. Wir sind trotz der momentanen Entspannung weiterhin alle in Alarmbereitschaft.“ Die Polizei ist nach wie vor in Nickelsdorf präsent und führt derzeit wieder mit verstärkten Kräften Grenzkontrollen durch.

„Wir beobachten die Lage“, sagte Polizeisprecher Gerald Koller zur BVZ: „Es kann noch keine Entwarnung gegeben werden, denn wir hatten schon einmal die Situation, dass einen Tag lang Ruhe war. Zudem ist die Informationslage aus Ungarn noch immer nicht sehr aussagekräftig.“

Laut Koller würden die beiden beheizbaren Zelte vorerst auf unbestimmte Zeit in Nickelsdorf stehen bleiben. Seitens der Polizei gebe es derzeit aber keine Pläne, Flüchtlinge von Spielfeld nach Nickelsdorf zu überstellen.
Auch das Bundesheer wird bis auf Weiteres zur Unterstützung der Polizei in Nickelsdorf bleiben, wie Bezirkshauptmann Martin Huber bestätigt: „Der Assistenzeinsatz bleibt aufrecht, denn dieser ist für die Grenzkontrollen notwendig“.