Update am 09. November 2016, 16:46

von APA Red

Protest gegen Mega-Glashaus: Unterschriften gesammelt. Die Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Frauenkirchen“ formiert sich gegen ein millionenschweres Paradeiserprojekt.

Pia Reiter

In der Thermengemeinde hat sich eine Bürgerinitiative gegen das geplante Glashausprojekt des Wallerner Unternehmers Werner Perlinger (die BVZ berichtete, siehe ganz unten) gebildet. 200 Unterschriften wahlberechtigter Frauenkirchener hat die Initiative mit dem Namen „Freie Sicht auf Frauenkirchen“ bereits gegen das Glashaus gesammelt.

Befürchtungen über Chemikalien im Grundwasser

Als Sprecher der Initiative hat sich Winzer Josef Umathum an die Spitze gestellt. Er verfolge kein politisches, wirtschaftliches oder mediales Interesse, es gehe ihm allein um die Sache, betont er.

Im Interview mit der BVZ erklärt er, warum er sich gegen das Millionenprojekt stellt. Problematisch sieht er vor allem den Standort des 14 Hektar großen Gebäudes. Nicht nur das Landschaftsbild in einem Unesco Weltkulturerbe-Gebiet werde gestört, das Glashaus werde mitten in einem Wasserschongebiet errichtet, kritisiert Umathum.

„In der Paradeiserproduktion wird mit Dünger gearbeitet. Sollte es zu einem Unfall kommen, dann könnten Chemikalien ins Grundwasser gelangen“, so seine Befürchtungen.

Ortschef: „Gelder werden nach Frauenkirchen fließen“

Darüber hinaus hegt Umathumden Vorwurf gegen Ortschef Josef Ziniel (SPÖ): „Es ist mir unverständlich warum der Bürgermeister seine Bevölkerung nicht informiert, wenn ein so großes Projekt in der Gemeinde geplant ist. Es stellt sich die Frage, ob er etwas zu verbergen hat.“

Pia Reiter

Auf die Frage, ob das Projekt nicht auch positive wirtschaftliche Auswirkungen haben könnte - Stichwort Kommunalsteuer - zeigt sich Umathum zweifelnd. Es wäre besser, die Abwanderung kleinerer Betriebe zu verhindern. Große Wertschöpfung durch das Projekt sieht die Bürgerinitiative nicht.

Anderer Meinung ist der Bürgermeister: „Die zusätzlichen Steuereinnahmen und Abgaben bringen der Stadt insgesamt etwa 100.000 Euro jährlich. In einer Garantieerklärung des Steuerberaters der Seewinkler Paradeiser GmbH Perlinger ist festgehalten, dass die Gelder nach Frauenkirchen fließen werden.“#

Unterschriften-Übergabe als erster Erfolg der Initiative

Die 200 Unterschriften, die die Bürgerinitiative „Freie Sicht auf Frauenkirchen“ gesammelt hat, könnten zu allererst eine Verzögerung im Genehmigungsverfahren bewirken.

„Unterschreiben fünf Prozent der Wahlberechtigten, das sind in Frauenkirchen 150 Unterschriften, dürfen die Akten sechs Wochen nicht bearbeitet werden“, erklärt Sprecher Umathum. Eine Behandlung der Akte im Raumplanungsbeirat Anfang Dezember wäre demnach rechtswidrig.

Wirtschaftskammer: Projekt wichtig für die Region

Das geplante Gewächshaus sei wichtig für die Region, "erfüllt alle ökologischen Auflagen, hat die notwendigen Beschlüsse und ist Green Economy im besten Sinne“, sagt Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth angesichts der jüngst aufgetretenen Widerstände am Mittwoch.

Es sei unverständlich, warum man ein derartiges Projekt verhindern wolle. Besonders problematisch sieht der Wirtschaftskammerpräsident, dass hier scheinbar bewusst mit falschen Zahlen und populistischen Aussagen argumentiert wird. Gerade dieses Projekt passe doch perfekt in die Region.

„Werner Perlinger ist einer der erfolgreichsten Unternehmer Österreichs, Marktführer in seiner Branche und seine Produkte sind Markenträger für die gesamte Region. Dass der Seewinkel zum sprichwörtlichen Gemüsegarten Österreichs geworden ist, ist auch ein Verdienst der Pionierarbeit Perlingers", betont Nemeth.

Grundsätzlich müsse man sich einmal kritisch damit auseinandersetzen, was es zukünftig für einen Wirtschaftsstandort, für Arbeitsplätze und Wohlstand bedeute, wenn es selbst für ein derartiges Projekt sofort Widerstand gibt, noch ehe der erste Baustein gesetzt wird, so der Wirtschaftskammerpräsident.

Zum Thema

Werner Perlinger möchte zwischen Frauenkirchen und Podersdorf ein 14 Hektar großes Glashaus errichten, in dem ganzjährig Paradeiser produziert werden können. 9.000 Tonnen jährlich möchte er ernten.