Erstellt am 29. Oktober 2014, 08:57

von Paul Haider

Fünf vor zwölf für Parndorfer Ziesel. Auf der Parndorfer Heide ist eine der letzten Zieselkolonien Österreichs zu Hause. Doch ihr Lebensraum wird immer knapper.

Engagiert. Andrea Prikler und Peter Liehl sind Ziesel-Fans.  |  NOEN, Paul Haider

Einst bevölkerte das europäische Ziesel weite Teile der Parndorfer Platte. Doch die aufstrebende Landwirtschaft engte den Lebensraum des kleinen Nagetieres ab den 1950er Jahren immer weiter ein. Der Einsatz von Pestiziden dezimierte die früher riesige Population auf einige wenige Kolonien. Heute steht das Ziesel auf der Prioritätenliste der 50 bedrohtesten Tierarten Österreichs auf Platz eins.

Schätzung: 200 Ziesel auf Parndorfer Heide 

Der Verein „ÜBERsLEBEN“ aus Parndorf hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich verstärkt für die Ziesel einzusetzen. Auf der Parndorfer Heide, seit 2007 Natura 2000-Schutzgebiet, leben laut Schätzungen des Regionalverbands Leithaauen Neusiedler See noch etwa 200 Ziesel. Hier befindet sich der Rest der Parndorfer Hutweide, wo die Tiere ideale Lebensvoraussetzungen finden. „Das ist ein traditioneller Lebensraum und eine traditionelle Lebensform. Diese Kombination von Trockenrasen und Ziesel hat heute kaum noch Möglichkeiten, weil ihnen die Zivilisation so auf die Pelle rückt“, sagt Tierärztin Andrea Prikler, die beim Verein „ÜBERsLEBEN“ für Naturschutz zuständig ist. In direkter Nähe zum Natura 2000-Gebiet befindet sich derzeit unbebaute Grünfläche, ein Teil davon gehört der Gemeinde Parndorf. Hier ist der Bau des neuen Kindergartens geplant, und möglicherweise könnte hier auch eine Veranstaltungshalle entstehen. Andrea Prikler betont, dass beide Projekte keine Bedrohung für die Ziesel darstellen würden.

Feinde: Hauskatzen, Greifvögel 

Problematisch wäre dagegen, wenn auf dem anderen Teil des Gebietes, das im Moment der burgenländischen Beteiligungs- und Liegenschafts GmbH gehört, Wohnbauten entstehen würden. Denn zu den größten Feinden der Ziesel zählen, neben Greifvögeln, heute vor allem Hauskatzen. Derzeit seien aber keine Projekte in Planung, und: „Bevor irgendetwas gemacht wird, muss es auf jeden Fall eine Umweltverträglichkeitsprüfung geben“, sagt Prikler.

Zweite Kolonie in  Pioneer-Nähe?

Neben der bekannten Zieselkolonie im Naturschutzgebiet dürfte sich in der Nähe des Betriebsgeländes der Firma Pioneer auch eine zweite Population gebildet haben. Eine Anrainerfamilie hat im vergangenen Jahr einige Baby-Ziesel aufgenommen. Der Saatguthersteller hat jetzt Pläne, dieses Gebiet zu bebauen. „Wir wollen im Frühjahr eine Begehung machen, davor kann keine Entscheidung fallen. Wenn nachgewiesen wird, dass es hier Ziesel gibt, dann darf auch nicht gebaut werden“, sagt Tierärztin Prikler.

Auch dem Parndorfer SPÖ-Gemeinderat Peter Liehl, der den Verein „ÜBERsLEBEN“ juristisch betreut, ist der Schutz der Ziesel ein persönliches Anliegen. Im Gespräch mit der BVZ sagt er: „Für mich ist es fünf vor zwölf. Und wenn jetzt nicht bald etwas geschieht, dann haben wir dieses Naturjuwel vor der Haustür endgültig verloren.“