Erstellt am 20. Mai 2015, 09:18

von Birgit Böhm-Ritter

Sterben Dorfwirte aus?. Immer steigender bürokratischer Aufwand und hohe Auflagen machen Betrieben das Leben schwer. Gastwirte warnen vor einer Schließungswelle in ihrer Branche.

Windens Dorfwirt Karl Leidenfrost sieht viele Arbeitsplätze in der Gastronomie gefährdet und macht in einem offenen Brief Politiker auf die schwierige Situation seiner Branche aufmerksam.  |  NOEN, BVZ

„Jedes Dorf braucht einen Wirt“, so die landläufige Meinung. Dass dem bald nicht mehr so ist, befürchten die Wirte im Bezirk. Immer strengere Auflagen und bürokratische Hürden würden die Gastronomiebetriebe bedrohen.

Ständig wachsende Belastung unerträglich

Karl Leidenfrost, Wirt aus Winden am See, ergriff nun die Initiative und suchte im Parlament die für die Gastronomie zuständigen Nationalratsabgeordneten für ein Gespräch auf, und wies darüber hinaus in einem offenen Brief an Landeshauptmann Hans Niessl auf die Situation der Gastwirte hierzulande hin.

Er habe mehr als dreißig Jahre, aus Leidenschaft zu seinem Beruf, das wirtschaftliche Risiko und Arbeitszeiten bis zu 100 Stunden in der Woche in Kauf genommen, sagt Leidenfrost, die ständig wachsende Belastung werde allerdings unerträglich: „Der Fokus unserer beruflichen Tätigkeit verschiebt sich mehr und mehr vom Gast hin zu den Bereichen Arbeitsrecht, Lohnverrechnung, Buchhaltung und Versicherungen. Statt Menübesprechungen und Kundenkontakt steht das Führen von Protokollen und Aufzeichnungen - vom Prüfbuch für den Kinderspielplatz bis zu den akribisch genau geführten Arbeitsaufzeichnungen - auf dem Programm“, schildert Leidenfrost.

Dazu würden etwa Reinigungsprotokolle, Mitarbeiterschulungen und die psychische Evaluierung der Mitarbeiter sowie neuerdings die Allergeninformationen und das neue Kassensystem kommen.

"Unleistbar, alle Auflagen zu erfüllen"

„Mit der überzogenen Bürokratie und Belastungspflicht der letzten Jahre erzeugt man Existenzängste, Demotivation und Resignation und vernichtet viele Unternehmen“, warnt Leidenfrost vor einem Wirtesterben.

Dass es vor allem den Jungen schwer gemacht wird, wissen auch die Gastwirte rund um den Seewinkel. Immer weniger Gastronomiebetriebe werden innerhalb der Familie weitergeführt. „Wenn meine Frau in etwa acht Jahren in Pension geht, werden wir zusperren“, erzählt etwa Adrian Knöbl, „dann wird es kein Wirtshaus mehr in Halbturn geben.“ Der Pensionist hilft seiner Gattin bis dahin im Familienbetrieb. Auch die Tochter des Hauses packt in ihrer Freizeit kräftig mit an. Übernehmen will sie den Betrieb aber nicht. „Bei einer Übernahme müssten 200.000 bis 300.000 Euro investiert werden, um alle Auflagen zu erfüllen. Das ist unleistbar.“

Johann Kroiss, Wirt des Illmitzer Dorfwirtshaus Zentral will Vorschriften aber nicht verteufeln und Behörden eher als Partner sehen: „Um Gefahren zu verringern, sie sollten aber mehr Serviceberater sein und auch so agieren.“ Kleine Dorfwirte würden mit der steigenden Bürokratie sicher zu kämpfen haben. Auch er glaubt, dass es in einigen Jahren ein Wirtesterben geben könnte.“ Nachfolger für seinen eigenen Betrieb hat auch er keine: „Ich würde davon abraten.“