Erstellt am 07. November 2012, 00:00

Gemüseehe aufgelöst. Landwirtschaft / Sonnengemüse (SGV) und LGV-Frischgemüse gehen ab 2013 getrennte Wege. Die Seewinkler setzen auf Freiland-Gemüse.

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Von Birgit Böhm-Ritter

WALLERN IM BURGENLAND / Die Sonnengemüse Vertriebsgesellschaft (SGV) gibt ihrem langjährigen Partner LGV nach 20 Jahren den Laufpass. Seit 1992 besteht eine Kooperation zwischen der Gemüsegenossenschaft mit Sitz in Wallern und der Wiener LGV-Frischgemüse. Ab 1. Jänner geht nun jeder alleine seiner Wege.

„Die LGV möchte ausschließlich Gemüse aus ganzjährig beheizbaren Glashäusern in den Handel bringen“, erklärt SGV-Geschäftsführer Josef Peck. Gemüse aus geschütztem Anbau könnten aber lediglich drei der 92 SGV-Bauern liefern. Diese drei Betriebe würden zwar die Hälfte des Umsatzes erzielen, für die Mehrzahl der Bauern gäbe es aber keine alternativen Möglichkeiten zum Freiland-Gemüse. „Der Seewinkler Gemüseanbau ist sehr kleinstrukturiert. Glashäuser sind große Investitionen, die für die meisten Bauern nicht rentabel wären“, verdeutlicht Peck.

Gerald König, Vorstand der LGV-Frischgemüse, bestätigt den Ausstieg der SGV aus der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft. In den vergangenen Wochen konnte keine Einigung über die künftige Zusammenarbeit gefunden werden. „Ich bedaure, dass die Verhandlungen mit der SGV über die weitere gemeinsame Vermarktung gescheitert sind. Und das, obwohl eine Einigung schon greifbar nahe war. Wir machen jetzt einen geordneten Ausstieg möglich, um uns mit voller Kraft unserer eigentlichen Aufgabe widmen zu können: Die Österreicher mit Frischgemüse von höchster Qualität zu versorgen. Auf diese Aufgabe fühlen wir uns auch unter den neuen Bedingungen bestens vorbereitet. Die Konsumenten können sich auch in Zukunft auf ihre LGV-Gemüsegärtner verlassen.“

Neuer Name: Seewinkler Sonnengemüse 

Mit Jahresbeginn wird der Seewinkler Gemüseanbau auf sich alleine gestellt sein. Unter dem neuen Namen Seewinkler Sonnengemüse sollen die burgenländischen Produkte vertrieben werden. Der Kunde am Supermarktregal weiß dann genau, woher das Gemüse kommt. Bis dato wurde jedes Gemüse aus den Partnerbetrieben in Burgenland, Niederösterreich und Wien unter der Dachmarke LGV vermarktet. „Unsere Bauern konnten sich mit der Marke aber nie richtig identifizieren, weil LGV doch eher für Wiener Gemüse steht“, sagt Peck.

Burgenländisches Gemüse soll jedenfalls weiterhin österreichweit geliefert werden.

Alte Produkte 

Geschäftsführer Josef Peck ist zuversichtlich, dass die Seewinkler Produkte auch in Zukunft in den Regalen der Handelsketten zu finden sein werden: „Mit einigen Supermärkten haben wir bereits positive Gespräche geführt.“ Angst vor der Konkurrenz aus Wien oder Niederösterreich hat er keine. Er sehe wenige Überschneidungen, Freilandprodukte würden fast ausschließlich aus dem Burgenland kommen.

Außerdem wolle man mit speziellen burgenländischen Produkten auf sich aufmerksam machen. So sollen etwa alte Sorten, die nur im Seewinkel wachsen, wieder kultiviert werden.