Erstellt am 01. Juli 2015, 09:38

von NÖN Redaktion

Hallenbad unleistbar?. Neusiedler Freizeiteinrichtung soll das Aus drohen, weil Kosten für die Stadt alleine nicht tragbar sein sollen.

Sportstätte und Erholungsoase. Nicht nur die Neusiedler schätzen ihr Hallenbad: Die Freizeiteinrichtung wird von Vereinen, Schulen und Touristen, aber auch von Saunafans und Familien genutzt.  |  NOEN, Reiter

Seit eineinhalb Jahren steht die Befürchtung im Raum, das Hallenbad der Stadt könnte schon bald seine Pforten schließen: Bereits Ende 2013 wandte sich der Gemeinderat mittels Resolution und dem Ansuchen nach finanzieller Unterstützung an den Landtag - eine langfristige Lösung zwischen Land und Stadtgemeinde wurde bisher jedoch noch nicht gefunden. Aus dem Büro von Hans Niessl (SPÖ) hieß es am Montag, dass es in dieser Sache derzeit keine aktuelle Anfrage an den Landeshauptmann gebe.

Aus würde Neusiedler Gymnasium schwer treffen

Derweil wird die Sorge der Bevölkerung erneut lauter, eine alleinige Finanzierung des Bades durch Gemeindegelder könne nicht mehr lange bewältigt werden. Das Hallenbad stellt nicht nur den Trainingsort von Hobbyschwimmern und Schülern, sondern auch von Profisportlern wie Mitgliedern der „Schwimmunion Neusiedl“ oder Triathleten des „Parndorfer Laufclubs“ dar.

Ein Aus des Hallenbades würde auch das Neusiedler Gymnasium schwer treffen, derzeit verbringen die vierzehn ersten und zweiten Klassen des Gymnasiums je zwei Turnstunden pro Woche für ihren Schwimmunterricht im Hallenbad, jene 28 Turnstunden müssten bei einer Schließung des Bades daher noch zusätzlich Platz in den Turnsälen der Schule finden.

Eine Schließung des Hallenbades stehe zum momentanen Zeitpunkt nicht zur Debatte, alle politischen Kräfte wollen es erhalten, Gerüchte kommentiere er nicht, sagt Bürgermeister Kurt Lentsch (ÖVP). Auch das im Vorjahr beschlossene Konsolidierungskonzept und der mittelfristige Finanzplan sehen den weiteren Betrieb des Hallenbades für die nächsten fünf Jahre vor, erklärt Lentsch.

Stadt will Gespräch mit neuer Regierung suchen

Es gelte nun, die offizielle Angelobung der neuen Landesregierung abzuwarten, um über deren Verantwortlichkeitsbereiche Bescheid zu wissen und danach das Gespräch für eine dauerhafte Unterstützung zu suchen, so Lentsch. Vizebürgermeisterin Lisa Böhm bekräftigt, dass es derzeit keinen konkreten Hinweis auf eine baldige Schließung gebe. Der weitere Einsatz für den Erhalt des Hallenbades sei aber nach wie vor ungebrochen: „Eine Schließung zu verhindern, ist unser aller Wille.“

Grüne-Gemeinderätin Alexandra Fischbach meint zu den Schließungsgerüchten: „Das Hauptproblem ist, dass das Hallenbad dringend saniert werden muss. Die Gemeinde ist angesichts der finanziellen Situation nicht in der Lage, die dafür notwendigen Mittel bereitzustellen. Ein notwendiger Kredit muss erst vom Land Burgenland genehmigt werden. Sollte dies nicht der Fall sein, könnte die Schließung des Hallenbades drohen.“

„Niemand von uns will Hallenbad zusperren“

Jede Chance auf finanzielle Unterstützung durch das Land müsse genutzt werden, so Fischbach: „Denn niemand von uns will, dass das Hallenbad zugesperrt werden muss. Es wird höchste Zeit, parteipolitische Überlegungen auf die Seite zu schieben und an einem Strang zu ziehen. Man muss sich schon fragen, warum die finanzielle Last eines Hallenbades eine Standortgemeinde alleine tragen muss. Denn Hallenbäder sind ein Angebot für den gesamten Bezirk und den Tourismus.“

Als nächsten Schritt nennt FPÖ-Gemeinderat Herbert Denk einen Termin bei der neuen Landesregierung nach deren Angelobung. Seitens der Stadt-FPÖ habe man vier Konzepte betreffend Hallenbad ausgearbeitet, die man gegenüber den neuen Landesvertretern zur Sprache bringen möchte, so Denk.


Zitiert

„Aus pädagogischer und organisatorischer Sicht wäre dies schlichtweg eine Katastrophe.“
Direktor Walter Roth, Gymnasium Neusiedl, über eine Schließung des Hallenbades und dessen Bedeutung für seine Schule

„Regelmäßiges Training ist sehr wichtig, das Hallenbad für uns daher das Um und Auf. Eine mögliche Schließung würde einen sehr großen Verlust für den Schwimm- und Triathlonsport des Bezirks bedeuten.“
Für die rund 35 Triathleten des Vereins „1. Laufclub Parndorf“, die zwei bis drei Mal die Woche im Hallenbad trainieren, wäre der Verlust ihres Trainingsortes „ein schwerer Schlag“, erklärt Siegfried Pamer.

„Ohne Hallenbad wird die Schwimmunion mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Das bedeutet, dass 370 Kinder im Schuljahr 2015/16 keine Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse besuchen können, dass in den Sommerkursen 2016 keine Möglichkeit mehr für 210 Kinder besteht, in den Intensivkursen das Schwimmen zu erlernen, dass 54 schwimmbegeisterte Kinder nicht mehr ihre Sportart ausüben können und Lena Grabowski als mehrfache österreichische Meisterin im Trockenen sitzt und dass es keine Babyschwimmkurse mehr gibt.“ Schwimmen ist überlebenswichtig.
Hans-Christian Gettinger, Obmann der Neusiedler Schwimmunion, darüber, was es für den Verein bedeutet, wenn das Hallenbad schließt.