Erstellt am 03. Oktober 2012, 00:00

Gesichter der Geschichte. Buchpräsentation / Der Halbturner Historiker Herbert Brettl porträtierte 61 Burgenländer, die in der NS-Zeit zu Opfern oder Tätern wurden.

Buchpräsentation. Ellen und Hanne Krausz, Autor Herbert Brettl, Reneé Kozlowski und Landesschulrats-Präsident Gerhard ReschBöhm-Ritter  |  NOEN
Von Birgit Böhm-Ritter

HALBTURN / „Es geht darum zu zeigen, dass der Nationalsozialismus nicht nur in Wien und Berlin gewesen ist“, sagt Herbert Brettl. Der Halbturner Historiker präsentierte sein neuestes Buch „Nationalsozialismus im Burgenland - Opfer. Täter. Gegner“ vergangenen Sonntag im Dorfmuseum Mönchhof.

61 Biografien porträtieren Menschen, die sich schuldig machten, verfolgt wurden, ihrer Überzeugung, und ihrem Glauben treu blieben, Widerstand leisteten oder zwischen Zustimmung, Wegschauen und Ablehnung schwankten. Er gebe der Geschichte Gesichter, sagt Brettl, und zwar nicht nur den Opfern, sondern auch den Tätern. Letzteres sei auch ein Grund, warum er sich mit seiner Arbeit nicht nur Freunde mache.

Das Buch wendet sich an Erwachsene, die an der Geschichte der eigenen Region interessiert sind, besonders aber an ein jugendliches Lesepublikum. „Sind es doch immer noch elf Prozent der Jugendlichen, die glauben, Hitler habe nicht nur Schlechtes gebracht“, betont der Historiker und AHS-Lehrer.

Das spannendste seien die Recherchen, das Sammeln von Informationen und Fotos sowie die Interviews mit den Zeitzeugen gewesen. Eine Interviewpartnerin, Reneé Kozlowski ließ es sich nicht nehmen, für die Buchpräsentation von Paris ins Burgenland zu kommen. Die Jüdin stammt aus Frauenkirchen und wurde als zehn Jährige vertrieben. Ihre Geschichte erzählte sie vergangenen Montag auch den Schülern des Neusiedler Gymnasiums.

Herausgeber Horst Schreiber: „Viele Menschen haben damals über Nacht, ihre Gesinnung gewechselt, aber wie man im Buch nachlesen kann, hat es auch Leute gegeben, die ein anderes Verhalten an den Tag legten. Und das soll Jugendlichen Mut machen.“