Gols

Erstellt am 13. August 2017, 05:56

von Birgit Böhm-Ritter

Nikolaus Eberstaller: Eine Performance in die Sinnkrise. Der Künstler deckt in der BVZ auf: „Die Versteigerung der Welt“ um 280.000 Euro war ein Schauspiel.

„Die Versteigerung der Welt“ wurde zu einer weitreichend gesellschaftskritischen Performance, die vom Auktionssaal über die Onlinemedien bis in die klassischen Medien ausstrahlte.  |  Eberstaller

Es war eine Versteigerung der anderen Art, die der Golser Künstler Nikolaus Eberstaller bei einem Sommerfest im Mannheimer Kunstverein inszenierte. Unter dem Titel „Die Versteigerung der Welt“ stand sein Kunstwerk „Die Geldwelt“ zum Verkauf. Um 280.000 Euro wurde der Globus aus gefälschtem Papiergeld von einer Telefonbieterin gekauft.

So sah es für die Öffentlichkeit aus. Dass die Versteigerungen aber Teil einer Performance war, die beweisen sollte, dass Geld ein Hypnotikum ist, das den Blick verschleiert, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand.

Im BVZ-Interview deckt Eberstaller nun auf: „Es war ein Schauspiel, in dem sich Saal- und Telefonbieter um die „Welt“ duellierten und ich einen faustischen Deal einging. Denn ich willigte in dieser Performance ein, meine Kunst, zu einem höchst überteuerten Preis zu verkaufen und sämtliche Rechte daran abzutreten. Das hätte bedeutet, die Käuferin könnte das Werk nicht nur kommerzialisieren, sondern es auch in jeder beliebigen Art und Weise verändern.“

„Habe mit Kunst kein Umdenken erreicht“

Obwohl Eberstaller eine Performance ankündigte, war dem Publikum nicht bewusst, dass es sich bei der Versteigerung um ein Schauspiel handelte. „Die Zuseher applaudierten, gratulierten, staunten, klopften Schultern, sahen bloß die Summe“, beschreibt Eberstaller, der seine These mit Mitteln der Kunst bestätigt sieht. Seine Performance trieb er auf Facebook weiter auf die Spitze.

„Als ich zu realisieren begann, dass mein Schauspiel für real gehalten wurde, habe ich darauf gehofft, eine Diskussion über mein Verhalten auszulösen, doch die blieb komplett aus, oder aber sie wurde hinter meinem Rücken geführt. Ich musste mich nicht der leisesten Kritik an meinem Verhalten stellen, alle fanden es wunderbar und gratulierten mir laut oder beneideten mich still.“

Genau dieses Feedback führte den Künstler allerdings in eine Sinnkrise, in der er sein künstlerisches Schaffen der vergangenen Jahre infrage stellt. Seit Jahren würde er sich in vielen seiner Werke mit dem Thema Geld und Gier beschäftigen, zum Umdenken hätte er damit offensichtlich niemanden bewegen können.

„Es scheint ziemlich aussichtslos zu sein. Nicht nur, was die Wertepyramide der Menschen betrifft – auch meine eigene Arbeit ist weitgehend wirkungslos“, zeigt sich der Golser enttäuscht. Er werde sich in den nächsten Tagen überlegen müssen, ob die Erkenntnis über dieses Scheitern nicht auch das Ende seiner Tätigkeit als Künstler bedingt, erklärt er gegenüber der BVZ. „Wenn ich als kritischer Künstler Medienwirksamkeit und Clicks nur erreiche, wenn ich das Gegenteil meiner Überzeugung tue, dann bin ich auf der falschen Baustelle.“