Gols

Erstellt am 29. September 2016, 12:26

Mit Messer Bank überfallen: Drei Jahre Haft. Weil er mit einem Messer im Juli eine Volksbank-Filiale in Gols (Bezirk Neusiedl am See) überfallen haben soll, ist am Montag ein 25-Jähriger in Eisenstadt zu drei Jahren Haft, davon zwei bedingt, verurteilt worden. Ein Schöffensenat sprach den Mann wegen schweren Raubes schuldig.

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Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte soll laut Staatsanwältin maskiert mit einer Kappe und hochgestelltem Kragen, die Bank betreten und eine Angestellte mit einem Messer, das eine zehn Zentimeter lange Klinge hatte, bedroht haben. Mit den Worten "Geld, Geld her" habe er die Herausgabe von Bargeld gefordert und die Bankmitarbeiterin zur Kassenlade gedrängt, während er sie mit einer Hand von hinten umfasste.

Nachdem die Frau die Lade geöffnet hatte, habe der Räuber nur große Bankknoten - insgesamt 14.750 Euro - herausgenommen und die Filiale wieder verlassen. Nach einem anonymen Hinweis zum Täterfahrzeug habe die Polizei beim Angeklagten zu Hause den Großteil der Beute und die beim Raub getragene Kleidung gefunden.

Angeklagte bekannte sich schuldig

Der Angeklagte bekannte sich vor Gericht schuldig. Mit dem Geld habe er seiner Freundin in Thailand helfen wollen, die er im Winter kennengelernt hatte. Der Vater der Freundin liege schwer herzkrank im Spital und benötige eine Operation, schilderte der 25-Jährige. Er habe der Freundin helfen wollen. "Ich habe nicht gewusst, was ich machen soll", erzählte er dem Gericht.

Um die Freundin in Thailand besuchen zu können, habe er sogar im Frühjahr seinen Job gekündigt, erzählte der 25-Jährige. Dass er nicht mit seiner eigenen Familie gesprochen habe, sei "ein Fehler" gewesen, räumte er ein: "Ich habe mich einfach nicht getraut, daheim zu fragen". Der Freundin, die ihm zunächst von den Problemen ihres Vaters nichts erzählt habe, habe er schon vor dem Überfall 4.000 Euro überwiesen. Und schließlich habe er selbst 2.000 Euro Schulden gehabt, gab der Angeklagte Auskunft.

Nach dem Überfall habe er als erstes Geld nach Thailand überweisen wollen, dies sei jedoch fehlgeschlagen. Dann hätte ihn bereits sein Bruder angerufen und gesagt, er solle nach Hause kommen, wo schon die Polizei auf ihn wartete. Die Bank zu überfallen, sei eine "Kurzschlussreaktion" gewesen, beteuerte der Mann: "Mir tut das so leid, das war ein Fehler".

"So ganz nachvollziehbar ist das für mich nicht", wandte sich der Vorsitzende des Schöffensenats, Alexander Glanz, an den Angeklagten. Ein Bankraub sei schließlich "keine Kleinigkeit". Gefragt, wie viel Geld er eigentlich mitnehmen habe wollen, sagte der Angeklagte: "Fünf- bis Sechstausend hätte ich wollen".

Angestellte besucht regelmäßig Therapie

Die überfallene Bankmitarbeiterin schilderte, wie sie den Raub erlebt hatte. "Er ist in die Bank gekommen und direkt auf mich zu". Der Mann habe ihr "das Messer deutlich gezeigt" und habe von hinten einen Arm um sie gelegt, während er das Messer hielt. Der Räuber habe nicht geschrien, sein Ton sei aber "schon fordernd" gewesen. Die Angestellte erzählte, dass sie noch immer an den Folgen des Überfalls leide und jede Woche eine Therapie besuche.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer eine schuld- und tatangemessene Strafe. Es handle sich trotz aller Schilderungen des Angeklagten um eine schwere Straftat. "Es gibt keinen Entschuldigungsgrund", räumte der Verteidiger des 25-Jährigen ein. Im Hinblick auf die Umstände ersuche er um außerordentliche Strafmilderung. Sein Mandant habe sich außerdem zur Zahlung von 7.000 Euro an das Opfer bereit erklärt.

"Es war wirklich eine sehr, sehr dumme Aktion, die sie da gemacht haben", sagte der Vorsitzende bei der Urteilsbegründung. Dennoch sei das Gericht nicht davon ausgegangen, dass ein "professioneller Bankräuber" am Werk gewesen sei. Der Angeklagte nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab.