Erstellt am 15. Juli 2015, 08:09

von Paul Haider

Teure Suchaktion. Ein Saisonarbeiter löste vergangene Woche einen Sucheinsatz aus, für den jetzt wohl sein Arbeitgeber aufkommen muss.

Vermisst. Ein 50-jähriger Weingartenarbeiter wurde mit dem Polizeihubschrauber gesucht.  |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Am Dienstag vergangener Woche wurde ein 50-jähriger Saisonarbeiter in Gols als vermisst gemeldet. Einen Tag später tauchte der Mann wieder an seiner Wohnadresse in Dunajska Streda auf. Mit seinem Verschwinden hatte der Mann zuvor aber eine spektakuläre Suchaktion ausgelöst.

BVZ.at hatte bereits vergangene Woche berichtet:



Der 50-Jährige hatte mit vier anderen Personen in einem Weingarten des Winzers Thomas Lehner gearbeitet. Gegen 14 Uhr sagte der Slowake zu seinen Kollegen, dass er die Toilette aufsuchen wolle. Er kehrte aber nicht zurück. Nach mehr als drei Stunden entschloss sich Thomas Lehner, der Besitzer des Weingartens, dazu, die Initiative zu ergreifen.

„Es hatte an dem Tag Temperaturen jenseits von 35 Grad. Der Verdacht war, dass der Mitarbeiter kollabiert ist und jetzt irgendwo liegt. Deshalb habe ich gesagt, wir brauchen den Hubschrauber“, schildert der Winzer im BVZ-Gespräch seine Beweggründe.

Hubschrauber-Suche ohne Ergebnis

Kurze Zeit später suchten der angeforderte Polizeihubschrauber sowie die freiwillige Feuerwehr Gols und fünf Polizeistreifen nach dem abgängigen Mann. Die Suche brachte kein Ergebnis, obwohl Zeugen den Mann zunächst im Ortsgebiet von Gols und später auf der Landstraße zwischen Zurndorf und Gattendorf gesehen haben wollen.

Wie sich einen Tag später herausstellte, hat der 50-jährige Saisonarbeiter die 115 Kilometer lange Strecke von Gols nach Dunajska Streda zu Fuß und per Autostopp zurückgelegt. Gegenüber der Polizei gab der Mann an, sich im Weingarten verlaufen und nicht mehr zurückgefunden zu haben.

Muss Winzer Einsatz bezahlen?

Der aufwendige Polizeieinsatz könnte jetzt teuer für Winzer Thomas Lehner werden. Denn laut Gesetz muss eine Person 24 Stunden lang abgängig sein, um als vermisst zu gelten. Erst dann wird normalerweise ein Suchtrupp der Polizei eingesetzt. Weil Thomas Lehner schon drei Stunden nach dem Verschwinden des Mannes auf den Einsatz des Polizeihubschraubers bestanden hat, muss er diesen jetzt womöglich aus eigener Tasche bezahlen. Das sei aber noch „in der Schwebe“, so Lehner. Eine Entscheidung der Bezirkshauptmannschaft müsse noch abgewartet werden.

Seine Entscheidung bereut Thomas Lehner jedenfalls nicht: „Im Nachhinein gibt es jetzt Diskussionen, ob dieser Einsatz wirklich notwendig war. Ich wollte mir aber nicht den Vorwurf machen lassen, dass wir nichts unternommen haben.“

Am Mittwoch will sich Lehner zu einer Aussprache mit seinem Mitarbeiter treffen, um die Ereignisse aufzuarbeiten.

Winzer dankt Einsatzkräften

Thomas Lehner zeigt sich dankbar für die Hilfe, die er bei der Suche nach seinem Mitarbeiter erhalten hat: „Ich will mich herzlich bei allen, die sich an der Suche beteiligt haben bedanken. Vor allem bei der freiwilligen Feuerwehr Gols und ihrem Kommandanten.“