Erstellt am 17. Dezember 2010, 10:52

Größter Eislaufplatz Mitteleuropas. Der Neusiedler See hat sich in der Nacht auf Freitag wieder zu Mitteleuropas größtem Eislaufplatz verwandelt.

Bremsmanöver beim Eislaufen  |  NOEN, mawe
Das bestätigte eine Sprecherin des Neusiedler See Tourismus am Morgen der APA: "Ja, das Eis ist tragfähig", hieß es. Vorsicht sei jedoch immer noch geboten, vor allem "weiter draußen am See". Glatte Eisflächen gibt es vorerst nur im Strandbereich von Mörbisch und Rust (Bezirk Eisenstadt Umgebung) sowie in Weiden am See (Bezirk Neusiedl am See).

Etwa sieben bis zwölf Zentimeter dick ist die Eisschicht derzeit. Von Ausflügen weit raus auf den See wird jedoch immer noch abgeraten. In Neusiedl am See gibt es beispielsweise viele offene Stellen. Im Bereich des Hallenbades und des Kanals könne man "gut fahren, trotz des angefrorenen Schnees", so die Sprecherin. Auch im Hafenbereich warte eine dicke Eisschicht auf zahlreiche Besucher.

In Podersdorf und in Illmitz (Bezirk Neusiedl am See) ist die Fläche laut Neusiedler See Tourismus für das Vergnügen auf Kufen "noch nicht geeignet". Durch den Wind ist eine unebene Fläche entstanden, die allerdings zum Spazierengehen mit normalen Schuhwerk durchaus geeignet ist. Dennoch heißt es auch hier: "Vorsicht, es gibt offene Wasserstellen".

In Weiden am See sowie im Bezirk Eisenstadt Umgebung, in Mörbisch und in Rust, lädt eine glatte Eisfläche zum Familienausflug am Wochenende ein. Aber auch hier ist es nicht ratsam, den Hafenbereich bzw. die Bucht zu verlassen, teilte der Neusiedler See Tourismus mit.

Eislaufvergnügen bringt Gefahren mit sich
Wenn sich der Winter im Burgenland lange genug von seiner frostigen Seite zeigt, beschert er Einheimischen und Gästen den größten Eislaufplatz Mitteleuropas - den Neusiedler See. Das Vergnügen für Spaziergänger und Eisläufer ist allerdings kein ungefährliches und beschert sowohl der Feuerwehr als auch den Rettungskräften einsatzreiche Stunden. Zu Spitzenzeiten sind beispielsweise in Rust bis zu 8.000 Menschen auf dem Eis unterwegs. An diesen Tagen komme oft eine Einsatz-SMS nach der anderen, erzählte Hubert Weidenbacher, Leiter der Rot-Kreuz-Ortsstelle Rust, der APA.

"Eislaufschuhe sind Winterstandardausrüstung", sagte Weidenbacher. Denn motorisiert laufe am See nichts ab, hielt Stadtfeuerwehrkommandant Swen Karassowitsch fest: "Wir machen das noch wie vor vielen, vielen Jahrzehnten." Damit sich die Zahl der Verunglückten - egal ob im See eingebrochen oder am glatten Eis gestürzt - in Grenzen hält, haben die beiden erfahrenen Einsatzkräfte Tipps verraten, wie man sich schützt bzw. was man am besten tut, wenn etwas passiert ist.

"Wichtig ist, dass man am See generell auf Unregelmäßigkeiten achtet. Also sowohl schwarze, als auch helle Stellen meidet", warnten die beiden. "Dadurch, dass es eben ein Naturgewässer ist, sind auch die Eisstärken unterschiedlich", erklärte Karassowitsch. Sowohl Risse als auch interessant aussehende Stellen seien dringend großzügig zu umfahren. Selbst Eltern mit kleinen Kindern fahren dort öfters hin, bis sie etwa einen Eisstoß sehen und genau dann kracht es oft. Ebenfalls unratsam ist es, sich im Schilfbereich zu begeben, so der Stadtfeuerwehrkommandant.

Wer sich an diese Ratschläge hält, ist bereits auf der sicheren Seite. Die Gefahr bannen oder zumindest eindämmen könne man außerdem noch mit ein paar kleinen Dingen, die man sich am besten in den Hosensack steckt, erklärte Karassowitsch: "Ein Tipp wäre, ein Taschenmesser mit sich zu führen, das man, falls man einbricht als Eispickel nutzen kann, damit man nicht abrutscht." Ratsam ist auch - nicht nur wegen der Kälte - einen Schal zu tragen, sagte Weidenbacher. Wenn man beispielsweise zu zweit unterwegs ist, könne man die Schals zusammenbinden und damit versuchen, möglichst sicher den anderen aus dem Wasser zu ziehen.

Für den Helfer gilt im Allgemeinen, sich selbst zu schützen und lieber "nur" Hilfe zu holen, als sich selbst in Gefahr zu bringen. Zum Verunglückten hinzukriechen oder sich hinzurobben und dem Eingebrochenen die Hand zu geben, davon rät der Ortsstellen-Leiter dringend ab: "Da ist er zu 99,9 Prozent selber im Wasser." Zivilcourage beweisen und jemand anderem helfen kann man in Rust auch, in dem man aus der Bucht einen Rettungsring oder ein Rettungsseil holt, damit zurückfährt und versucht, die Bergung durchzuführen.

Die wichtigste Regel für die Eisläufer laute allerdings: "Nicht alleine hinausfahren und sich und seine Kondition nicht überschätzen", waren sich die beiden einig. Vor allem ortsunkundige Eisläufer oder Spaziergänger würden den weitläufigen See falsch einschätzen und seien des öfteren zu erschöpft, um wieder in den Hafenbereich bzw. in die Ruster Bucht zurückzukehren.