Erstellt am 06. September 2015, 13:05

von APA Red

Hoffnungsschimmer Nickelsdorf. Die angespannte Situation für viele Flüchtlinge macht Nickelsdorf im Bezirk Neusiedl zu einer Art "Kap der guten Hoffnung".

 |  NOEN, BVZ
Busse sind in einer Reihe aufgefädelt, ihr Motorengeräusch wird bisweilen übertönt von den Gesprächen wartender Menschen.

Der Grenzübergang Nickelsdorf bedeutet für viele hier angekommene Flüchtlinge so etwas wie einen Hoffnungsschimmer. Nach einer langen Reise mit vielen Strapazen öffnete sich hier in den vergangenen eineinhalb Tagen für viele das Tor zum Herzen Europas.



Der große Platz beim alten Grenzgebäude übersät mit zurückgelassenen Kleidungsstücken, Speise- und Verpackungsresten. Eine Aludecke blitzt auf, als ein Windstoß sie erfasst, ein herrenloses Stofftier liegt in einem Grasstreifen.

In der Mitte sind mehrere Mobil-WCs aufgebaut. Bei der Rot Kreuz-Versorgungsstelle unter dem Flugdach unterhalten sich ein paar Männer, während Frauen mit ihren Kindern ein paar Meter weiter auf großen Steinen sitzen, die eine Grüninsel begrenzen.

Einige Hundert Meter entfernt warteten am Vormittag Flüchtlinge auf Busse, die sie zur deutschen Grenze bringen sollten. Deutschland ist für viele von ihnen vorerst einmal das Ziel ihrer Reise.

Mirzai: Seit der Ankunft geht es ihm gut

Zu ihnen zählt auch Mirzai, ein 15-jähriger Bursch aus Afghanistan, der mit einer Gruppe Gleichaltriger unterwegs ist. Vor 15 Tagen sei er in Afghanistan aufgebrochen, erzählt er. Seit sie hier angekommen seien, gehe es ihnen gut.

"Sie fühlen sich angenommen", sagt Erhan Akdin, der aus Wien nach Nickelsdorf gekommen ist, um beim Dolmetschen zu helfen.

Warum er nach Deutschland will? "Es spricht sich herum, dass sie dort gut behandelt werden." Mirzai ist ohne Eltern mit den anderen Jugendlichen unterwegs.

Neben Deutschland ist auch Norwegen ein Ziel

Auch Mohammad aus Syrien ist ohne seine Familie an der Grenze angekommen. Der Vater von zwei Buben und einem Mädchen wartet geduldig in der Schlange, die sich angestellt hat, um einen Platz in einem der Busse zu ergattern.

Die Zone, in der die Flüchtlinge auf das Einsteigen warten, ist von einer Absperrung umgrenzt, bei der Polizisten stehen. Dahinter sind die Kameras von TV-Crews auf die wartenden Flüchtlinge gerichtet.

Mohammad kam wie Mirzai über Mazedonien, Serbien und Ungarn nach Österreich. Samstagabend traf er nach 25-tägiger Reise an der Grenze bei Nickelsdorf ein, erzählt er - und dass er gerne nach Norwegen oder nach Schweden gehen würde.

Freunde hätten ihm erzählt, dass die Norweger gute Menschen seien, und man könnte sich dort auch auf Englisch verständigen. Später würde er gerne seine Familie, die sich derzeit in der Türkei befinde, nachholen. Doch bis er am Ziel ist, wird es Zeit brauchen, meint er: Möglicherweise sechs Monate oder ein Jahr - "I don't know".