Erstellt am 17. Oktober 2012, 00:00

„Ich vertraute ihm…“. Betrug /  Geprellte Anleger erzählten vor Gericht, wie der angeklagte Versicherungsvertreter sie zu Investitionen überredete.

Von Elisabeth Kirchmeir

BEZIRK NEUSIEDL /  Dutzende Zeugen ließ Richterin Birgit Falb in der Vorwoche vorladen, um Licht in die zweifelhaften Finanzgeschäfte eines 53-jährigen Versicherungsvertreters zu bringen. Dem Mann wird vorgeworfen, in Halbturn, Gols, Pamhagen, Andau, Eisenstadt und anderen Orten 59 Personen zur Übergabe von Geldbeträgen verleitet zu haben, wobei er für kurzfristige Veranlagungen Gewinne von bis zu zehn Prozent versprach.

Die Schadenssumme liegt laut Berechnungen der Staatsanwaltschaft bei 480.000 Euro. 10.000 Euro stellte ein 57-jähriger Mann dem Versicherungsvertreter 2008 zur Verfügung. Wenige Monate später sollte er das Geld plus 1.000 Euro Gewinn zurückbekommen. „Ich bekam keinen Euro. Er ließ sich verleugnen, hob am Telefon nicht mehr ab, hat es hinausgezögert“, berichtete der Zeuge. Er habe erst aus den Medien erfahren, dass der Versicherungsvertreter zahlungsunfähig sei. 6.000 Euro überwies ein weiterer gutgläubiger Anleger dem Angeklagten. „Ursprünglich wollte er das Geld in bar. Ich bestand aber auf einer Überweisung, um einen Nachweis zu haben“, so der Geschädigte. Nach dem ersten Jahr bekam er 600 Euro Gewinn, ließ aber die „Einlage“ ein weiteres Jahr liegen. „2010 sollte ich 6.600 Euro erhalten. Da sagte er, er kann mir nur die Hälfte zurückgeben“, berichtete er. Doch nicht einmal diesen Betrag bekam er, da der Versicherungsvertreter zuvor verhaftet wurde. „Ich wusste nicht, dass er von so vielen Leuten Geld ausgeborgt hatte“, erklärte ein weiterer Zeuge, der dem Angeklagten 10.000 Euro gegeben und nicht zurückerhalten hatte. „Ich habe bis heute gehofft, dass ich das Geld kriege.“

Ungeklärt ist, was mit dem Geld geschehen ist. Keiner der Zeugen berichtete über einen luxuriösen Lebenswandel des Angeklagten. Für Staatsanwalt Richard Ropper ist es jedoch gar nicht von Bedeutung, was mit dem Geld passierte: „Ob er es im Garten vergraben, verzockt oder sonst wo verloren hat, ist egal“, erklärte er. Der Prozess wurde neuerlich vertagt.