Erstellt am 06. Dezember 2011, 12:45

Immer mehr Burgenländer, Bezirk wächst stark. Mit 286.029 Einwohnern verzeichnet das Land ein Plus.

 |  NOEN
VON WOLFGANG MILLENDORFER, UTE KATHARINA RUPP, BETTINA SCHEIDL
UND PIA REITER


Österreichs Bevölkerung ist in den vergangenen zehn Jahren um fünf Prozent (fast 400.000 Menschen) angewachsen; mit Stichtag 31. Oktober gab es demnach 8,4 Millionen Österreicher. Wie die Statistik Austria in ihrer  aktuellen Erhebung zeigt, profitieren auch weite Teile des Burgenlandes vom jüngsten Bevölkerungswachstum: 286.029 Burgenländer gibt es insgesamt – um 8471 mehr als noch vor zehn Jahren. Vor allem rund um die Bezirkshauptstädte lässt sich ein Zuwachs verbuchen; im Landessüden und im Bezirk Oberpullendorf allerdings hat man mit der Abwanderung zu kämpfen (siehe Grafik oben).
Einen Grund dafür sehen Experten in der teils „peripheren Lage“ dieses Landesteils. Auf BVZ-Anfrage weist Landeshauptmann Hans Niessl allerdings darauf hin, dass durch laufende wie künftige Verkehrs- und Wirtschaftsprojekte und den damit einhergehenden neuen Arbeitsplätzen gerade das Südburgenland weiter aufgewertet werden soll. Und: „Vor allem wegen der einzigartigen Landschaft siedeln sich immer mehr Menschen aus anderen Bundesländern hier an und bezeichnen das südliche Burgenland als die Toskana Österreichs.“ Unterstützt würden diese Ansiedlungen laut Niessl durch „die beste Wohnbauförderung aller Bundesländer“.

„Möchte nicht alle Pendler ins Land zurückholen …“

Realistisch will Gemeindereferent und Landesvize Franz Steindl an die Frage der Abwanderung herangehen: „Mobilität und Austausch wird es immer geben, und ich gehöre nicht zum Typus Politiker, der 100 Prozent der Pendler ins Land zurückholen möchte.“ Zugleich setzt Steindl als Wirtschaftsreferent aber ebenfalls auf neue Unternehmensstandorte und den gut funktionierenden Tourismus als Arbeitgeber in vielen Regionen.
Denn in der (positiven) Bevölkerungsentwicklung steckt nicht zuletzt die für Gemeinden und Land wichtige Rechnung der Ertragsanteile: Je höher die Anzahl der Hauptwohnsitzer einer Gemeinde, umso höher auch die Mittel des Bundes. Jeder Einwohner ist also für die Kommunen „bares Geld“ wert, was dem Land in weiterer Folge eine höhere Wertschöpfung beschert.

Prognosen zeigen: Das Wachstum geht weiter

x  |  NOEN
x  |  NOEN
Ein umfassendes Gesamtbild der Entwicklung des Burgenlandes werden die Ergebnisse der nächsten Volkszählung im kommenden Jahr bringen. Und einiges hat sich getan seit der letzten Volkszählung vor zehn Jahren.

Dass das Land nicht nur durch die Ziel-1-Förderungen der EU, sondern in den vergangenen Jahrzehnten generell „aufgeholt“ hat, bestätigt auch Statistik-Referatsleiter Manfred Dreiszker im Amt der Burgenländischen Landesregierung: „Hat es früher geheißen, dass das Land, drastisch gesagt, ,aussterben‘ wird, so haben es die historischen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit – etwa die Jugoslawienkrise und die EU-Erweiterung – vom Abwanderungs- zum Zuwanderungsland gemacht.“

Dabei kommen die „neuen Burgenländer“ laut Statistiker Dreiszker zu rund 50 Prozent aus dem Ausland; die andere Hälfte zieht aus den Bundesländern zu. Und so zeichnen auch die gängigen Prognosen eine positive Entwicklung: Spätestens in 15 Jahren wird demnach die Marke von 300.000 Einwohnern überschritten. Zur selben Zeit wird von den Statistikern auch der neunmillionste Österreicher erwartet.

Bezirk Neusiedl am See ist die Nummer 1 im Land

Im Bezirk Neusiedl am See leben 2011(55.401 Einwohner - vor zehn Jahren waren es noch 51.726), damit ist der Bezirk der bevölkerungsreichste des Burgenlands. Deshalb dürfen sich auch zahlreiche Gemeinden über einen Antieg der Gemeindebürger freuen.

In der Gemeinde Kittsee ist in den letzten Jahren viel Bauland entstanden, was teilweise auch den Bevölkerungszuwachs von 16,7 Prozent erkläre, so Bürgermeister Klaus Senftner (SPÖ). Über den Anstieg von 1.876 auf 2.189 Bewohner zeigt sich der Ortschef zufrieden: „Natürlich freue ich mich darüber, wenn es immer mehr Leute nach Kittsee zieht. Es wurden in letzte Zeit zahlreiche Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser sowie Einfamilienhäuser gebaut. Einerseits bringt das Bevölkerungswachstum der Gemeinde mehr Geld, andererseits muss man aber auch darauf achten, die Infrastruktur zu erweitern.“

Dass das durchaus zu einer Herausforderung werden kann, diese Erfahrung machen die Gemeinden Parndorf und Neusiedl am See. Beide Gemeinden sind in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen: Parndorf um 1.002, die Stadt Neusiedl am See um 1.551 Einwohner. Wir haben eine gute Infrastruktur geschaffen, mit unseren Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen. „Wir haben in der Vergangenheit für eine Top Verkehrsanbindung gekämpft und bezahlt (Autobahnabfahrt, Eisenbahn, Bundesstraße und Landesstraße, Radwege und Stadthafen). Investitionen, die sehr viel Geld kosten und zum Teil, so wie der Kanalbau über Generationen zu bezahlen sind“, erklärt Neusiedls Stadtchef Kurt Lentsch (ÖVP).

Weiden am See freut sich über einen Zuwachs von 17,7 Prozent. Bürgermeister Wilhelm Schwartz ist für den Ansturm an neuen „Weidnern“ gewappnet und hat viele neue Baugründe in der Gemeinde aufschließen lassen.
Doch es gibt auch Gemeinden im Bezirk, die mit einem Bevölkerungsschwund besonders stark zu kämpfen haben. In der Gemeinde Wallern gibt es heute mit 1.805 Wallernern um 173 weniger Einwohner als noch vor zehn Jahren. Bürgermeister Helmut Huber möchte den Trend zur Abwanderung (minus 8,7 Prozent gegenüber 2001) mit dem Bau leistbarer Wohnungen für Jungfamilien in der Lindengasse entgegenwirken.

ZAHLEN UND FAKTEN
  • Österreichweit liegt Eisenstadt mit einem Bevölkerungszuwachs von 16 Prozent (13.147 Einwohner) im Ranking der Landeshauptstädte auf dem zweiten Platz.
  • Den prozentuell größten Anstieg der Bevölkerung gab es in den vergangenen zehn Jahren in Parndorf (+31,1 Prozent), gefolgt von Neusiedl am See (+27,8) und Wulkaprodersdorf (+27,5).
  • Das größte Minus verzeichnet Heiligenbrunn (-14,7 Prozent), gefolgt von Moschendorf und Unterfrauenhaid (jeweils -12,1) sowie Großwarasdorf (-11,7).
  • Rund 40.000 Burgenländer verlassen derzeit als Pendler das Land. Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur brachte in den vergangenen Jahrzehnten eine Entwicklung vom Wochen- zum Tagespendlertum. Gependelt wird zugleich auch innerhalb des Landes – vor allem vom Süden in den Norden.

QUELLEN: STATISTIK AUSTRIA / LAND BURGENLAND