Erstellt am 15. Oktober 2015, 19:30

von APA Red

In Nickelsdorf werden winterfeste Großzelte errichtet. Beim Grenzübergang Nickelsdorf, wo weiterhin täglich Tausende Flüchtlinge von Ungarn kommend das Burgenland erreichen, sind am Donnerstagvormittag Sattelschlepper aufgefahren.

Arbeiter beim Aufbau eines winterfesten Zeltes bei der alten Zollstation beim Grenzübergang Nickelsdorf.  |  NOEN, APA/Roland Schlager
Sie brachten die ersten zwei winterfesten Großzelte, in denen die Eintreffenden die Möglichkeit haben sollen, vom nasskalten Wetter unbehelligt auf die Weiterfahrt zu warten.

Österreichweit müssen noch knapp 900 Asylwerber in Zelten leben. Laut Innenministerium sollten es bald weniger Flüchtlinge in Zelten sein, weil sukzessive andere Unterkünfte erschlossen werden. In Containern wohnen rund 280 Personen, hinzu kommen noch 170 Menschen im Container-Verteilerquartier in Innsbruck. Die Asylantragszahlen liegen weiterhin "im Schnitt" von 300 bis 400 täglich.

Die Verteilerquartiere seien insgesamt "weiterhin am oberen Ende der Kapazität", heißt es im Ministerium. Die Restplätze würden "vulnerablen Gruppen" vorbehalten - unbegleiteten Minderjährigen, Frauen mit Kindern, Kranken etc. Der Kritik, dass zahlreiche ins Verfahren aufgenommene Asylwerber daher schlicht obdachlos seien, entgegnet das BMI: Man bemühe sich, die Betroffenen in Transitquartieren unterzubringen.

300 bis 400 Anträge pro Tag

Die Asylanträge entwickeln sich weiterhin trendgemäß: "Im Schnitt 300 bis 400 Anträge pro Tag" gebe es. Zahlen für die erste Oktoberhälfte liegen noch nicht vor, allerdings könne man davon ausgehen, dass somit insgesamt seit Jahresanfang über 60.000 Personen einen Asylantrag gestellt haben. "Nach wie vor gilt die Prognose für das laufende Jahr von 80.000 bis 85.000", so der Sprecher.

In Nickelsdorf sind seit dem frühen Nachmittag die Aufbauarbeiten der Großzelte im Gange, schilderte Polizeisprecher Gerald Koller. Zu den zwei bereits angelieferten Zelten sollen in den kommenden Wochen zwei weitere kommen, erläuterte Koller. Insgesamt können die Zelte dann bis zu 4.000 Wartende aufnehmen. Die Beheizung übernimmt die Energie Burgenland.

In der Nacht auf Donnerstag waren am Grenzübergang wieder mehr als 2.000 Personen eingetroffen. Die Ankommenden leiden zunehmend unter den kalten Witterungsbedingungen. Sie werden von den Helfern mit Decken und Bekleidung versorgt. In der Halle der Veterinär-Grenzdienststelle wurde eine Essensausgabe eingerichtet. Nicht weit davon befinden sich auch die Großzelte.

Winterfeste Kleidung benötigt

Winterfeste Kleidung - Schuhe, Stiefel, Jacken, aber auch Socken - würde deshalb benötigt, so Koller. Wer helfen und Bekleidung spenden will, kann sie in Nickelsdorf zur Nova Rock Halle bringen. Eine Möglichkeit zur Abgabe gebe es auch bei der Rot Kreuz-Bezirksstelle in Neusiedl am See.

Der burgenländische Landeshauptmannstellvertreter Johann Tschürtz (FPÖ) verlangte am Donnerstag von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) "Sofortmaßnahmen" im Hinblick auf nach Österreich kommende Flüchtlinge. "Auch Österreich muss eine erste Prüfung der Asylberechtigung bereits direkt an der Grenze vornehmen", erklärte Tschürtz. Der FPÖ-Politiker begründete seine Forderung mit der Ankündigung durch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Transitzonen einrichten zu wollen und Flüchtlinge notfalls nach Österreich zurückzuschicken. Eine stärkere Sicherung der Grenzen sei notwendig, er fordere auch die "schnellere Abschiebung" von Flüchtlingen, die nicht asyl- oder schutzbedürftig seien, so Tschürtz.