Erstellt am 19. Oktober 2011, 00:00

Kampf um Nahversorger. LEBENSMITTELVERSORGUNG / Ein Betreiber für den kleinen Laden in Winden am See wird bereits seit Jahresbeginn gesucht.

In Weiden am See funktioniert die Nahversorgung noch. Mit einem Spar-Markt und einem Bäcker mitten im Ort sind Einkäufe auch ohne Auto noch möglich.CHRISTIAN TESKE  |  NOEN
x  |  NOEN

VON BIRGIT BÖHM-RITTER

UND BETTINA SCHEIDL

BEZIRK NEUSIEDL AM SEE / Eine intakte Nahversorgung in der Gemeinde zu haben, ist für eine Ortschaft von enormer Bedeutung. Diese zu sichern, ist für kleinere Gemeinden aber eine immer größere Herausforderung. Winden am See ist schon seit Jahresbeginn auf der Suche nach einen Betreiber für ein Lebensmittelgeschäft im Ort. Ein schwieriges Unterfangen.

„Große Handelsketten haben kein Interesse sich mit einem Supermarkt in der kleinen Gemeinde anzusiedeln. Mit 1200 Einwohnern ist der potenzielle Kundenkreis zu klein. Außerdem sind die großen Gemeinden in der Umgebung wie Purbach und Neusiedl am See und ihre Märkte gut erreichbar“, erklärt Bürgermeister Erwin Preiner (SPÖ).

Bereits jede vierte Gemeinde in Österreich hat keinen Nahversorger. In Burgenland ist es sogar jede Dritte. Der Neusiedler Bezirk ist im Vergleich noch gut aufgestellt. Die Gemeinden profitieren hier vor allem vom Tourismus, aber selbst kleinere Gemeinden wie Pama, Edelstal oder Deutsch Jahrndorf verfügen über ein Lebensmittelgeschäft.

Bürgermeister Reinhold Reif hebt die Bedeutung des Nahversorgers in seiner Gemeinde Deutsch Jahrndorf hervor: „Das ist vor allem für die älteren Bewohner sehr wichtig.“ Dass dieser sogar auf Bestellung nach Hause liefert, stellt für die Bürger Deutsch Jahrndorfs ein großes Plus dar, so Reif.

Lebensmittelläden in  Ortszentren immer seltener

Nicht in allen Gemeinden ist das Service derart gut. „In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten wurden viele Supermärkte an den Ortsrand gebaut. Damit entstand nicht nur für die Nahversorgung im Ortszentrum eine tödliche Konkurrenz, sondern es nahm auch der Verkehr zu. Denn die Geschäfte am Ortsrand sind meist nur mit dem Auto gut erreichbar“, stellt Martin Blum vom Verkehrsclub Österreich fest.

Winden am See ist bereits seit zehn Monaten ganz ohne Laden im Ort. Probleme mit dem kleinen Lebensmittelgeschäft im Ortszentrum sind für die Gemeinde aber nichts Neues. Immer wieder hatte der Ort damit zu kämpfen, die Nahversorgung zu gewährleisten. In den vergangenen 15 Jahren hat der Laden drei Mal die Betreiberfirma gewechselt. Schon 2003 musste die Leithagemeinde für einige Zeit ohne Laden auskommen.

Die intensive Suche nach einem Betreiber des Lebesnmittellasdens dürfte aber nun von Erfolg gekrönt sein. „Der potenzielle Betreiber hat bei der WIBAG um Förderung angesucht und einen positiven Bescheid bekommen“, erklärt Bürgermeister Preiner. Er warte derzeit aber noch auf die finanzielle Zuwendung. Preiner hofft aber, dass im kleinen Lebensmittelladen im Ortszentrum bald wieder eingekauft werden kann.

Bis dahin sind die Windener noch auf den „fahrenden Bäcker“ und „fahrenden Fleischer“ angewiesen, die täglich beziehungsweise zwei Mal in der Woche die Gemeinde mit ihren Produkten besuchen.