Erstellt am 05. September 2012, 00:00

Kein Top-Ticket in den Süden. PENDLERVERKEHR / Schüler und Lehrlinge, die in das Südburgenland pendeln, kommen nicht in den Genuss des Top-Jugendtickets. Sie reisen nicht innerhalb der VOR.

BEZIRK NEUSIEDL AM SEE / “Gute Nachrichten zu Schulbeginn“, hieß es überall zu lesen, denn ab diesem Schuljahr bietet der Verkehrsverbund Ost Region für Wien, Niederösterreich und Burgenland (VOR) eine Jahresnetzkarte für Schüler und Lehrlinge an. Das Top-Jugendticket kostet 60 Euro. Damit können Schüler und Lehrlinge alle Verkehrslinien im VOR ganzjährig, auch an Wochenenden und während den Ferien benützen.

Für viele Schüler des Bezirkes gibt es diese Möglichkeit allerdings nicht. Jene, die jede Woche nach Pinkafeld in die HTL, Berufsschule oder in die Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik nach Oberwart pendeln, können das Top-Jugend-Ticket nicht nutzen.

Auch Vize-Bürgermeisterin Helene Wegleitner (ÖVP) aus Illmitz, weiß von der Problematik, weil sie zu den betroffenen Eltern gehört: „Im Sinne der Gerechtigkeit fordere ich, dass auch diese Schüler mit dem Top-Jugendticket zur Schule und von der Schule nach Hause fahren können.“

Gerade aus der Gemeinde Illmitz kommen viele Betroffene. „Wir haben selber gar nicht daran gedacht, dass das Ticket für unsere Kinder nicht gelten könnte, weil die Lehrer die Kinder noch darauf aufmerksam gemacht haben“, erzählen Karin Lang und Petra Fleischhacker aus Illmitz. Ihre Söhne besuchen die HTL und die Berufsschule in Pinkafeld. Beide fahren sowie knapp 100 Schüler aus dem Bezirk jeden Montag mit einem Stockautobus des Busunternehmens „Südburg“ von Frauenkirchen startend in das Südburgenland und am Freitag wieder nach Hause. Dafür zahlen sie 23 Euro in der Woche. „Zusätzliche Kosten, die zu den Internatskosten dazu kommen“, sagt Lang.

Mit der ÖBB fast fünf  Stunden nach Pinkafeld

Dieser Personentransport zählt allerdings nicht zu den öffentlichen Linien in der Verkehrsverbund Ost Region (VOR). Darum ist auch das Top-Jugendticket nicht gültig.

Die Möglichkeiten für die Schüler und Lehrlinge innerhalb der VOR zu pendeln seien aber unzumutbar: „Wir haben uns nach den Möglichkeiten erkundigt“, betont Lang, „die Anreise mit der Bahn würde nach mehrmaligem Umsteigen Stunden dauern und mit dem Bus, der am Montag um 5 Uhr 30 startet, würden die Kinder erst um 10 Uhr 10 in Pinkafeld ankommen.“ Also Stunden nach Unterrichtsbeginn. Einige betroffene Eltern sind nun aktiv geworden und wollen ihre Situation aufzeigen.

Peter Zinggl, burgenländischer Verkehrskoordinator, begrüßt Rückmeldungen auf das Top-Jugend-Ticket, weil es, wie er sagt, ein „großer Wurf“ ist, der den Schülern den Alltag um vieles erleichtert. Probleme, die es bei der Schülerfreifahrt gab, wurden damit beseitigt. So ist es etwa möglich nicht nur von der Schule zum Hauptwohnsitz zu fahren, sondern zum Beispiel bei getrennten Eltern auch, zum zweiten Wohnsitz zu pendeln. Auch in der Freizeit und am Wochenende gelte das Ticket.

Ihm sei aber bewusst, dass es noch Probleme gäbe. Bedarfsfahrten im Gelegenheitsverkehr sind von dieser Regelung nämlich ausgenommen, weil sie nicht durch die Verkehrsverbünde durchgeführt werden. „Dieses Jahr gilt als Pilotjahr für das Top-Jugendticket, danach werden wir evaluieren“, erklärt er. Deshalb seien Rückmeldungen auch so wichtig.

Das Kernproblem bei den erwähnten Schülern, die in den Süden pendeln, liegt in der Vergabe der finanziellen Mittel für den „Gelegenheitsverkehr“.

In einigen Gemeinden wollen nun betroffene Eltern in den kommenden Tagen Resolutionen mit ihren Forderungen dem Gemeinderat übergeben.