Erstellt am 05. Juni 2013, 00:00

Kinderporno: Zufälle?. Freispruch im Zweifel / Einem 32-jährigen Studenten wurde vorgeworfen, sich kinderpornografisches Material verschafft zu haben.

Von Elisabeth Kirchmeir

BEZIRK NEUSIEDL AM SEE / Der Wiener Student mit Zweitwohnsitz im Bezirk Neusiedl am See soll am 19. März 2010 im Internet auf pornografische Darstellungen unmündiger Personen zugegriffen haben. Im Zuge der international akkordierten Operation „Gondola“ war festgestellt worden, dass dazu eine am Zweitwohnsitz der Familie des Studenten registrierte IP-Adresse benutzt worden war.

Bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmten Kriminalbeamte verschiedene Speichermedien. Auf einer Festplatte, die im PC des Studenten eingebaut gewesen war, fanden Spezialisten vier bereits gelöschte Videos mit kinderpornografischem Inhalt.

Hingegen konnten die Kriminalbeamten nicht mehr nachweisen, dass ein Zugriff auf Fotos stattgefunden hatte - der ursprüngliche im Rahmen der Operation „Gondola“ erhobene Vorwurf war somit vom Tisch.

Angeklagter: „Ich kenne diese Videos nicht“ 

Zu den Filmdateien sagte der Angeklagte: „Ich kenne diese Videos nicht.“ Er vermute, dass diese Dateien beim Einbau einer zusätzlichen Festplatte „eingeschleppt“ worden seien. „Wenn jemand pädophil veranlagt ist, hinterlässt er sehr viele Spuren und man findet bei ihm eine Vielzahl von Bilddateien“, erklärte ein als Zeuge befragter EDV-Spezialist des Landeskriminalamtes Burgenland. Richter Wolfgang Rauter fällte einen Freispruch im Zweifel: „Aus Sicht des Gerichtes ist es keinesfalls so, dass mit Sicherheit davon auszugehen ist, dass der Angeklagte die ihm vorgeworfenen Delikte nicht begangen hat.“

Es liege eine „erhebliche Verdachtslage“ vor. Eine „Häufung von Zufälligkeiten“ ergebe sich auch daraus, dass 2009 ein Verfahren wegen des Betrachtens kinderpornografischer Darstellungen gegen den heute 32-Jährigen eingeleitet worden war - zum Tatzeitraum war das bloße Betrachten - im Gegensatz zur aktuellen Rechtslage - nicht strafbar gewesen.