Erstellt am 24. Juli 2013, 00:00

Kiter: „Brauchen mehr Platz“. Handlungsbedarf / Zahl der Wassersportler steigt ständig, Platzmangel verursacht Unmut. Tourismusobmann Rene Lentsch verspricht, Strandeinteilung in Podersdorf zu überdenken.

 |  NOEN, Stermeczki

PODERSDORF AM SEE / Nach den Vorfällen am Campingplatz, wo sich Badegäste von Kitern gefährdet fühlten, ist in der Seewinkelgemeinde nun abermals eine Diskussion um den Platzbedarf der Wassersportler ausgebrochen, damit diese ihren Sport sicher ausüben können.

Die Ausgangslage: In Podersdorf gibt es drei Kitestände - den SüdSüdStrand, den am Campingplatz und den NordNordstrand. Der Großteil (circa zwei Kilometer) des Strandes ist den Schwimmern vorbehalten. Da der SüdSüdStrand nur von Kitesurfing.at und deren Schülern benützt werden darf, gibt es dort wenig bis keine Berührungspunkte mit anderen Strandbenutzern.

Ordnungshüter auf  „freiwilliger“ Basis

Etwas schwieriger wird es da schon am einzigen öffentliche Kitestrand, dem NordNord Strand. Dort steht ein 30 Meter breiter Strandabschnitt für bis zu 300 Kiter pro Tag zur Verfügung. Da die Kiteschule „Kite2Fly“ (Stationsleiter Harald Mikosch) auf freiwillige Basis und unentgeltlich die Rolle des Ordnungshüters übernommen hat, funktioniert es trotzt des geringen Platzangebotes sehr gut. Laut Stationsleiter sind es maximal ein bis zwei Personen an einem gut besuchten Tag, die sich nicht an Regeln halten. Die heimische Kitegemeinschaft ist stark zusammengewachsen und hilft für Ordnung zu sorgen und dass alle die Regeln einhalten.

Am Schwierigsten ist die Situation am Campingplatz, welcher jedoch von Tagesgästen zum Kitesurfen nicht benutzt werden darf. Dort sind auf engsten Raum Schwimmer, Windsurfer und Kitesurfer im Wasser. Daniel Birnbauer (Kitesurfer mit Dauerplatz am Campingplatz) meint: „Vergangenes Wochenende war es sehr eng. Die Bucht war voll und ein Raus- und Reinfahren für Kiter so gut wie unmöglich, es befinden sich dann zusätzlich noch Schwimmer im Ein- und Ausfahrtsbereich, die nur wenig von der Kite-Regelung wissen und sich nicht bewusst sind, welcher Gefahr sie sich aussetzen. Zum Glück sind Badetage an Wochenenden, an denen ausreichend Wind ist eher selten.“

Gisch: „Kiter müssen sich an Regeln halten“ 

Tourismuschef Walter Gisch weiß, dass es immer wieder Beschwerden gibt, weil sich Kiter nicht an die Regeln halten: „Es ist aber fast unmöglich dieser schwarzen Schafe habhaft zu werden. Wir können ihnen ja nicht am Wasser nachrennen. Außerdem müssen wir beim Platzbedarf berücksichtigen, wie viele Badegäste und wie viele Kiter es gibt. In der Hochsaison haben wir an die 10.000 Badegäste und vielleicht 50 Kiter.“

Hotelier Andreas Karner („Seewirt“ und selbst Kiter) sieht das anders: „Die meisten Regelungen stammen aus der Anfangszeit des Kitesurfens. Es waren damals nie mehr als 30 Kiter an einem Tag. Derzeit kommen an einem windigen Wochenende bis zu 500 Kiter. Im Einzugsgebiet des Sees gibt es circa 10.000 bis 15.000 Kiter.“

Limitierung der Kiter keine Lösung 

Auch Gerüchte um eine mögliche Limitierung der Kiteplätze sorgt für Sprengstoff: „Wir wollen keine Grenze festsetzen“, gibt Gisch Entwarnung. Auch Thomas Böhm (Geschäftsführer des USD Surfshop) hält davon wenig: „Eine Limitierung wie in Neusiedl (60 Kiter) wäre in Podersdorf nur schwer administrierbar, da man 500-1.000 Kitelizenzen vergeben müsste. Wie würde man dann Gäste behandeln die zwei bis drei Stunden anreisen oder aus Deutschland kommen und dann keinen Platz mehr haben?“

Hotelier Andreas Karner betont die Bedeutung des Wassersports für den Tourismusort: „Die Surfbedingungen machen Podersdorf einzigartig in Österreich. Das Surfen ist ein Alleinstellungsmerkmal für Podersdorf unter anderen Badetourismusorten. Es bedarf aber einer gewissen Eigenverantwortung der Sportler, um Badegäste nicht zu gefährden.“ Der fehlende Platz stellt laut Karner ein hohes Sicherheitsrisiko dar und betrifft jeden Kiter. Am Platz für das Starten und Landen würde es erheblich mangeln, so der Hotelier: „Das stiftet Unmut und schadet genauso Podersdorf wie dem Sport.“

Lentsch: „Strandbereich neu einteilen“ 

Tourismusobmann Rene Lentsch weiß um die aktuelle Situation und den akuten Platzmangel: „Wir müssen alles daran setzen, dass etwas passiert. Die Platz-Problematik gehört gelöst. Jetzt gibt es ganz andere Ansprüche als vor zwanzig Jahren, als der Strandbereich eingeteilt wurde. Wir müssen überlegen, neue Zonen zu schaffen. Wir müssen uns im Herbst zusammensetzen, es muss ein Ergebnis her, denn es darf nicht so weit kommen, dass jemand verletzt wird.“