Erstellt am 10. Oktober 2012, 07:38

Wechselbad der Gefühle. Pia Reiter über den Abschied von Mehrheiten als neue Chance

Freud und Leid über das Wahlergebnis sind oft nicht gefühlsmäßig, sondern auch geografisch nicht weit voneinander entfernt: Die ÖVP verarbeitete ihr schlechtes Wahlergebnis im Weinwerk. Nur wenige Schritte entfernt steppte der Bär: Denn in der Arbeiterkammer feierte die Neusiedler SPÖ eine rauschende Siegesparty. Die Neusiedler haben entschieden, dass sie die absolute Mehrheit der ÖVP (für die nächsten fünf Jahre) nicht wollen.

Das war gleichzeitig ein Auftrag an die SPÖ, mit der ÖVP zusammenzuarbeiten. In welcher Form das in den nächsten Monaten passieren wird, steht noch nicht fest. Der neue Gemeinderat muss sich erst, nach Angelobung des Bürgermeisters, konstituieren. Mehr Mitarbeit heißt aber auch, und das haben die Wähler ganz klar zum Ausdruck gebracht, sich aktiv in die Stadtpolitik einzubringen, zum Beispiel mit Anträgen. Da reicht es nicht, wie bisher, Budget und Rechnungsabschluss abzulehnen und sonst den Anträgen der ÖVP zuzustimmen. Denn sich bequem zurückzulehnen, die anderen arbeiten zu lassen, hie und da etwas Kritik äußern - dieser Schuss kann nach hinten los gehen. Auch wenn es das nächste Zeugnis für die Politiker und ihre Arbeit erst wieder in fünf Jahren gibt.