Erstellt am 02. Oktober 2012, 15:25

Kurios: Ort sperrt Radweg. Die Gemeinde Pamhagen zittert um ihren Radtourismus. Ein Erdhügel soll Radfahrer hindern, den ungarischen Radweg zu nehmen.

Erdreiches Hindernis. Radfahrer, die die Staatsgrenze zwischen Ungarn und Österreich bei Pamhagen passieren wollen, müssen zuerst einen Erdhügel überqueren.  |  NOEN, Foto: Schennet
Von Birgit Böhm-Ritter

Will man mit dem Fahrrad von Ungarn nach Pamhagen, dann heißt es ab sofort „Fahrrad schultern und auf zur Kletterpartie“. Ein Erdwall trennt den ungarischen Radweg seit einigen Tagen vom österreichischen Staatsgebiet.
Für Diskussionen sorgte der Radweg, der auf ungarischer Seite heuer fertiggestellt wurde, in der burgenländischen Grenzgemeinde bereits seit einigen Jahren. Der Pamhagener Gemeinderat hat sich im Juni schließlich gegen eine Anbindung an das österreichische Radwegenetz ausgesprochen. Begründung: Der Radweg würde die Gemeinde von der Landkarte abschneiden. „Radfahrer, die eine Seeumrundung machen, müssen nun nicht mehr durch Pamhagen, sondern können mit dem neuen Radweg einen Abschneider nehmen“, erklärt Bürgermeister Johann Munzenrieder (SPÖ). Erste Einbußen bei den Wirten seien im Sommer schon spürbar gewesen.

Lediglich ein Graben trennte den ungarischen Radweg bis dato vom Radweg B10 auf österreichischer Seite, der durch die Gemeinde Pamhagen führt: Für viele Radfahrer kein Hindernis. Nun stellt ein Erdhaufen allerdings eine größere Barriere da.
„Angeschafft hab ich das nicht. Von so einem Erdwall war nie die Rede“, sagt Manfred Fleischhacker. Der Landwirt, dessen Mutter, das Grundstück zwischen dem ungarischen und österreichischen Radweg besitzt, zeigt sich über den Erdhaufen überrascht. Es sollte lediglich eine Baggerschaufel Erde sein, die beim Aushub durch die Gemeinde für eine Grundfeste eines Wegweisers anfalle.

Der Landwirt ist bereits leidgeprüft. Auch die Ungarn hätten schon einmal Schotter über sein Grundstück drübergeschüttet: „Davon war auch nie die Rede“. Er habe das Gefühl, jeder mache, was er wolle.
Dass der ungarische Abschneider nicht gut für Pamhagen sei, weiß er aber. Im Sommer konnte er die Radfahrer während seiner landwirtschaftlichen Tätigkeit öfter beobachten. „Von 40 Radfahrern haben lediglich fünf den Abschneider nicht genommen und sind weiter Richtung Pamhagen gefahren“, schätzt Fleischhacker.
Vize-Bürgermeister Josef Tschida (ÖVP) ist „nicht glücklich mit der Situation“. Die Ungarn hätten die Gemeinde vor eine vollendete Tatsache gestellt, das sei nicht die feine Art, stellt er klar. „Den Radfahrer interessiert das aber nicht, wenn er plötzlich vor einen Graben oder einen Wall steht.“ Früher oder später müsse man die Radwege zusammenschließen.

Auch Bürgermeister Johann Munzenrieder kritisiert die Vorgehensweise der privaten ungarischen Projektbetreiber: „Zuerst hätten sich alle Beteiligten zusammensetzen und ein Konzept erstellen müssen. Erst dann hätte mit dem Bau des Radweges begonnen werden dürfen. Nicht umgekehrt.“
Ein offizielles Ansuchen der Ungarn oder ein Konzept wie eine Anbindung gestaltet werden könne, gäbe es bis heute nicht.