Frauenkirchen

Erstellt am 03. November 2016, 05:59

von Birgit Böhm-Ritter

Wirbel um Mega-Glashaus. Ein Gewächshaus, so groß wie 20 Fußballfelder: Werner Perlinger investiert in die ganzjährige Paradeiser-Produktion.

Symbolbild  |  Bilderbox.com

Es ist ein einzigartiges Projekt und sucht seinesgleichen im Land. Das Wallerner Gemüseunternehmen Perlinger plant eines der modernsten und größten Glashäuser Österreichs.

Der Standort ist strategisch gut gewählt. Werner Perlinger kaufte für die Umsetzung des Projektes ein Esterhazy-Grundstück gegenüber des Umspannwerkes, das sich zwischen Podersdorf und Frauenkirchen befindet. Vom 19 Hektar großen Grundstück sollen 14 Hektar mit Glashaus und Bürogebäude verbaut werden.

Kritik am Bürgermeister wird laut

Firmenchef Werner Perlinger möchte die Energie für seine neue Produktionsstätte direkt aus dem gegenüberliegenden Umspannwerk beziehen. „Das gewährleistet unter anderem eine nachhaltige Produktion, wird der Strom doch durch Windenergie erzeugt“, betont der Unternehmer, der erst kürzlich zum Manager des Jahres gewählt worden ist. Im Sommer 2017 ist der Baubeginn geplant.

Das Glashaus mit LED-Beleuchtung soll eine ganzjährige Paradeiser-Produktion ermöglichen. Etwa 9.000 Tonnen jährlich möchte er ernten. „In den lichtärmeren Monaten - also von Oktober bis März - werden die Pflanzen stundenweise beleuchtet,“ erklärt Perlinger und weist sogleich darauf hin, dass durch eine Beschattung kein Licht nach außen dringen wird. Denn Perlinger weiß, dass sein riesiges Glashaus nicht überall Bewunderung findet.

Im Gegenteil: Seit der vergangenen Gemeinderatssitzung am 25. Oktober wettern ÖVP und die Namensliste Erich Stekovics (NESt) gegen das Projekt. Vor allem Kritik an Bürgermeister Josef Ziniel (SPÖ) wird laut. Er habe weder den Gemeinderat noch die Bevölkerung ausreichend über das Projekt informiert, heißt es aus beiden Oppositionsparteien.

Sowohl ÖVP und NESt haben gegen die für das Projekt notwendige Flächenumwidmung des Ackerlandes in „Grünland-Gewächshaus“ gestimmt. Mit der Mehrheit der SPÖ wurde die Umwidmung allerdings beschlossen.

NESt: Stadt mit weitem Horizont?

Erich Stekovics hat vor allem Bedenken, was das Landschaftbild der Tourismusgemeinde angeht. Frauenkirchen werbe mit dem Slogan „Stadt mit weitem Horizont“. Dieser Ausspruch sei mit dem Projekt nicht vereinbar, schreibt er in einer Aussendung. Warum ein Gutachten zum Landschaftsschutz keinen negativen Einfluss auf das Landschaftsbild, sieht verwundert Stekovics, angesichts der Größe des Gewächshauses mit einer Länge von 460 Metern und einer Giebelhöhe der Glashäuser von etwa sieben Metern.

Markus Pollreiss (ÖVP) kritisiert darüber hinaus ein fehlendes Verkehrskonzept und befürchtet, dass die Kommunalsteuer in Richtung Wallern fließen werde, weil das Unternehmen dort seinen Sitz habe.

Für Bürgermeister Josef Ziniel sind die Befürchtungen nicht nachvollziehbar. Er betont, dass die Wertschöpfung des 19 Millionen-Projektes in der Region bleibe und Arbeitsplätze geschaffen werden. „Auch die Kommunalsteuer wird selbstverständlich nach Frauenkirchen fließen: Eine Gründung einer GmbH mit Sitz in Frauenkirchen ist angedacht.“

Reaktionen:

„Hat der Landschaftsschutz Tomaten auf den Augen?“

Erich Stekovics, NESt

„ Ich habe auch Angebote in Niederösterreich, aber ich möchte unbedingt im Burgenland bauen. Die Nachfrage an der Winterproduktion ist bei Handelsketten groß. Bis jetzt kommen die Paradeiser im Winter aus Marokko und Spanien. Das sind lange Transportwege.“

Werner Perlinger, Unternehmer

„Seit Jahresbeginn ist in Frauenkirchen bekannt, dass ein Glashaus-geplant ist. Die Unterlagen zur Umwidmung sind sechs Wochen aufgelegen und keiner ist gekommen und hat sich dafür interessiert.“

Bürgermeister Josef Ziniel auf die Kritik, die Bevölkerung wurde zu wenig informiert.

„Das Grundstück beginnt - von Podersdorf kommend gesehen - gegenüber des Umspannwerkes und erstreckt sich bis zum Sichtschutzgürtel vor der Zufahrtsstraße zum Serben-Friedhof.“

Lageerklärung durch Ortschef Ziniel