Erstellt am 05. August 2015, 09:09

von Birgit Böhm-Ritter

Maisanbauflächen statt Weingärten. Weinanbauflächen gehen zurück: Eine österreichweite Entwicklung, die auch in der Region sichtbar ist. Trend geht zum Mais.

Der Großteil der Getreideflächen ist bereits abgeerntet. Der wochenlange Sonnenschein ließ das Getreide in den meisten Anbaugebieten rasch abreifen. Bei bestem Erntewetter starteten die Mähdrescher und ermöglichten größtenteils eine rasche und unkomplizierte Einbringung.  |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at
Noch ist es die Weinkönigin, die unsere Region bei den verschiedensten Veranstaltungen nach außen hin vermarktet. Geht der Trend in der Landwirtschaft aber weiter zum vermehrten Anbau von Mais, wird es zukünftig vielleicht die Maisprinzessin sein. Ein Szenario, das sich heute keiner vorstellen mag, gibt der Wein der Region doch seine Identität.

Der Trend zum Mais ist aber nicht zu übersehen und wird durch die Zahlen der aktuellen Statistik der Burgenländischen Landwirtschaftskammer untermauert: In den Gemeinden Andau, Apetlon, Frauenkirchen, Halbturn, Mönchhof, Podersdorf am See, Wallern, Sankt Andrä am Zicksee und Tadten überwiegen bereits die Maisanbauflächen. Wein ist dagegen in den Gemeinden Gols, Illmitz, Neusiedl am See, Pamhagen und Weiden am See die dominierende Kultur.

Alois Lang beobachtet den Trend zum Mais in den 14 Nationalparkgemeinden schon seit einigen Jahren.

Andau steuert dem Trend entgegen 

Es gelte nun Bewusstseinsbildung zu machen, so der Leiter des Nationalparkzentrums. Die Bewirtschaftung von Maisfeldern würde einen erhöhten Bewässerungsbedarf mit sich bringen, das wiederum würde sich negativ auf das Grundwasser auswirken, erklärt er. Außerdem würden große Monokulturen die Artenvielfalt in der Region begrenzen. „Sogar in der größten Weinbaugemeinde, in Gols, wachsen die zusammenhängenden Maisfelder“, beobachtet Lang die Situation.

Dass hier der Mais den Wein verdrängen könnte, glaubt der Obmann des Golser Weinbauvereines allerdings nicht. Die Ansprüche an den Boden seien auch unterschiedliche: „Der Mais braucht einen feuchten nährstoffreichen Boden, der Nährstoffgehalt im Boden ist hingegen für den Wein nicht so ausschlaggebend.“

Dass die Weinanbauflächen zurück gehen, ist kein Geheimnis: „Nicht nur in unserer Region, sondern auch burgenland- und österreichweit“, sagt der Andauer Franz Sattler. Auch in seiner Gemeinde würde der Mais mit einer Anbaufläche von 800 Hektar, den Wein, der auf 600 Hektar wächst noch übertrumpfen. „Noch“, sagt der Obmann-Stellvertreter der Winzergenossenschaft, denn in Andau ist bereits um eine Erweiterung der Weinbaufluren angesucht worden. Alle möglichen Flächen sind bepflanzt. „Vor fünf Jahren war mit Wein wenig zu verdienen und die Jungen wollten die Weinbaubetriebe nicht übernehmen. Die Situation hat sich gebessert und das Interesse an neuen Flächen in Andau ist da“, erklärt Sattler.