Erstellt am 02. April 2014, 23:59

Mandatarin gestalkt. Beharrliche Verfolgung / Ein Ex-Arbeitskollege soll eine ÖVP-Mandatarin monatelang belästigt haben - er bekannte sich nicht schuldig.

Von Elisabeth Kirchmeir

„Liebe Gemeinderätin, betrunken fahren kostet dich den Führerschein“: Einen handgeschriebenen Zettel mit dieser Botschaft fand eine ÖVP-Mandatarin aus dem Bezirk im Februar 2013 auf der Windschutzscheibe ihres Autos. An den Bürgermeister der Gemeinde und an Bekannte der ÖVP-Politikerin wurden anonyme SMS mit weiteren Anschuldigungen verschickt, bei der Polizei gingen Anzeigen wegen Falschparkens ein. Während eines Festes der Jungen-ÖVP wurde ein Notruf abgesetzt, in dem auf eine Messerstecherei hingewiesen wurde - eine fingierte Meldung, wie sich herausstellte. „Ich nahm das zuerst nicht so ernst, dachte, es sei politisch, komme aus der Ortschaft“, erklärte das Opfer der anonymen Verdächtigungen vor Gericht.

„Der Akt beschäftigte uns sehr lange und intensiv“, berichtete die ermittelnde Kriminalbeamtin. Schließlich habe sich der Verdacht gegen einen ehemaligen Arbeitskollegen der ÖVP-Gemeinderätin zu richten begonnen. In den SMS seien Details zur Sprache gekommen, die dem Verfasser nur durch den persönlichen Kontakt mit dem Opfer bekannt sein konnten, so die Polizistin. Vorige Woche stand der 41-jährige Verdächtige wegen des Vorwurfs des Stalkings vor Gericht. Staatsanwältin Magdalena Wehofer warf ihm vor, er habe seine Ex-Kollegin beharrlich verfolgt, widerrechtlich ihre Nähe aufgesucht, über einen fingierten Facebook-Account versucht, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Der Mann bekannte sich nicht schuldig.

Polizei beobachtete den Beschuldigten

Am 18. Oktober 2013 war er von der Polizei dabei beobachtet worden, wie er sich im Heimatort des Opfers aufhielt - von 20 bis 22.50 Uhr. An diesem Abend fand eine Parteiveranstaltung im Dorfgasthaus statt, an der auch die ÖVP-Gemeinderätin teilnahm. Er sei in der Ortschaft herumspaziert und habe sich über die Heurigentermine informiert, erklärte der Beschuldigte. Am 18. Oktober 2013 erreichte den Bürgermeister ein SMS: Die ÖVP-Mandatarin wurde darin des Falschparkens beschuldigt.

„Wir verstanden uns sehr gut, arbeiteten intensiv miteinander, haben viel über Privates gesprochen“, berichtete das Stalkingopfer. Ihr Ex-Arbeitskollege habe sich sehr für sie interessiert und ihr viele Komplimente gemacht, so die Frau, deren Ehemann ebenfalls als Zeuge befragt wurde. „Ich glaube, er wollte mich in der Gemeinde schlechtmachen“, suchte das Opfer nach einer Erklärung. „Ich habe ihm nie etwas versprochen, aber er hat das vielleicht nicht so wahrgenommen.“

Der Prozess wurde vertagt, ein graphologisches Gutachten soll klären, ob der Beschuldigte der Verfasser des Briefes auf der Windschutzscheibe sein kann.