Erstellt am 16. Dezember 2014, 11:39

von Birgit Böhm-Ritter

Eltern protestieren gegen Asylpläne. Flüchtlinge sollen im Gebäude der Landwirtschaftlichen Fachschule untergebracht werden, derzeit findet Unterricht für vier Klassen der Klostervolksschule dort statt.

Lokalaugenschein bei der Landwirtschaftlichen Fachschule  |  NOEN, NEUSIEDL AM SEE
Das Innenministerium sucht dringend 2.500 Plätze für Asylwerber. Die Quartiersuche gestaltet sich schwierig. Auch im : „Wir sind in einer Krise und suchen Unterkünfte, in denen so rasch als möglich Flüchtlinge untergebracht werden können“, heißt es aus dem Referat für Grundversorgung für Fremde in der Landesregierung.

In Neusiedl am See könnte sich eine Möglichkeit auftun. 30 Asylwerber sollen im Internat der ehemaligen landwirtschaftlichen Fachschule untergebracht werden. Eigentümer des Gebäudes ist die BELIG (Beteiligungs- und Liegenschafts GmbH), eine Tochtergesellschaft des Landes.
Das Gebäude steht allerdings nicht leer. Vier Volksschulklassen der gegenüberliegenden Klosterschule, die gerade umgebaut wird, sind dort vorübergehend untergebracht.

Unterschriftenaktion der Eltern

Eltern legen sich gegen das Vorhaben des Landes und der Stadtgemeinde quer. „Die Unterbringung von Flüchtlingen ist ein menschlich notwendiger Akt, aber Flüchtlinge in einer Schule, die in Betrieb ist, unterzubringen, ist inakzeptabel“, sagt Robert Frasch, Vater eines Volksschülers in der Klosterschule. „Noch dazu mussten die Eltern über dieses Vorhaben aus Medienberichten erfahren“, kritisiert er. Mit seiner Meinung steht er nicht alleine da. Eine Unterschriftenliste gegen die bestehenden Pläne wurde von betroffenen Eltern vorbereitet und liegt an der Pforte der Klosterschule auf.

Mit der Unterstützung von Bürgermeister Kurt Lentsch (ÖVP) dürfen diese jedoch nicht rechnen: Er kenne seit der Landtagssitzung am vergangenen Donnerstag die Pläne des Landes. „Ich wurde gefragt, ob ich als Bürgermeister etwas dagegen hätte. Das habe ich natürlich verneint“, sagt er. Aus humanitären Überlegungen sei es eine moralische Pflicht, Flüchtlingen zu helfen.

Bauliche Trennung nicht möglich

Für den Schulleiter Sascha Baumgartner und den Geschäftsführer der Vereinigung von Ordensschulen Rudolf Luftensteiner, ist der Schulbetrieb und die Flüchtlingsunterbringungen unter einem Dach derzeit nicht vorstellbar: „Weil die Bereiche zwischen Internat und Schule so verzahnt sind, dass eine Trennung nicht möglich ist“, sagt Luftensteiner. Die Asylwerber würden nicht in einem Internat, sondern in einer Volksschule einquartiert werden.

Über Unterbringungsmöglichkeiten, bauliche Begebenheiten und über etwaige Adaptierungsvorschläge sollte eine Begehung mit Vertretern der Schule, des Landes, der BELIG und der Betreiberorganisation am Dienstag Aufschluss geben. Für Wolfgang Hauptmann, Referatsleiter der Abteilung 6 der Landesregierung ist der erste Eindruck zwiespältig: „Aus meiner Sicht können  kurzfristig keine Flüchtlinge untergebracht werden, da eine bauliche Trennung zwischen einem Trakt für Asylwerber und einem Schultrakt kaum mit einfachen Mitteln möglich ist. Außerdem müssten Sanitäranlagen teilweise gemeinsam genutzt werden. Das steht allerdings außer Diskussion.“ Für eine mittelfristige und langfristige Lösung sei das Gebäude allerdings prädestiniert.

Kontakt zwischen Kindern und Flüchtlingen nicht zielführend

Robert Frasch, betroffener Vater, betont: „Es geht nicht darum, Menschen, die in einer absoluten Notlage sind, ein Quartier zu verweigern. Sondern darum, dass – wie auch die Experten bei der Begehung gesagt haben – ein direkter Kontakt zwischen Volksschülern und traumatisierten Flüchtlingen nicht zielführend ist.“
Die letzten Entscheidungsinstanzen sind der zuständige Landesrat, Peter Rezar, und  der Landeshauptmann.