Erstellt am 06. September 2017, 11:15

von Pia Reiter

Zwei Wirte eröffnen, zwei Lokale sperren zu. Angebot an gutbürgerlicher Küche steigt, Rahmenbedingungen machen es den Wirten aber schwer.

Bewährtes Team. Dem neuen Chef Sukhvinder Akku (3.v.r.) steht eine eingespielte Mannschaft zur Seite, die er selbst seit Jahren kennt, denn der Koch arbeitet selbst seit vielen Jahren in „Jörgs Restaurant“.  |  Pia Reiter

Neueröffnungen und Schließungen stehen wieder einmal bei der Gastronomie der Stadt ins Haus: Das „Cafe Bianca“ schließt nun fix mit Ende September, derzeit ist noch ungewiss, ob das Lokal weiterbetrieben wird. Sabine Rittsteuer hatte das Kaffeehaus nach dem plötzlichen Tod von Robert Tittler vor fünf Jahren übernommen.

„enjoy“ sucht Interessenten

Auch die Betreiber der Cocktailbar „enjoy“ suchen nach nicht einmal einem Jahr einen Interessenten, der das Lokal am Hauptplatz weiterführen möchte. Nach dem Rückzug von Jörg Gebauer eröffnet ab 6. September „Jörgs Restaurant“ nach einer fünfwöchigen Sommerpause wieder und zwar mit neuem Chef: Sukhvinder Akku, der den Betrieb als Koch seit vielen Jahren kennt, hat das Zepter und das altbewährte Team übernommen.

Familiensache. Seniorchef Gerhard Windholz, Renata und Kurt Windholz, die das Rasthaus Zur Alten Mauth übernommen haben und erfolgreich weiterführen, sowie die jüngste „Chefin“ Karolina Windholz.  |  Reiter

Nach mehreren Verzögerungen steht nun auch der Eröffnungstermin des ehemaligen Rathausstüberls fest: „Scholti`s im Laubenhof“ wird ab 17. September geöffnet sein. „Nun haben wird das Ziel endlich vor Augen, das ist eine große Erleichterung“, sagt Restaurant-Pächter Scholti Zelenik. Tourismusobfrau Renate Königshofer freut sich über die neuen Lokale: „Derzeit gibt es wenig Angebot für Urlaubsgäste, was regionale Küche betrifft. Das wird oft nachgefragt. Auch ein Lokal für die jüngere Generation wird vermisst“, meint sie.
Stadt verträgt mehr Wirtshäuser

"Neusiedl würde schon noch etwas vertragen"

„Neusiedl würde schon noch etwas vertragen. Für jede Preisklasse sollte etwas dabei sein“, erklärt auch Gerhard Windholz, Seniorchef des „Rasthaus Zur Alten Mauth“, zur aktuellen Lage der Stadt-Gastronomie. „Wir müssen aufgrund unserer Lage außerhalb der Stadt ein bisschen etwas Besonderes bieten. Der Gast brauch einen Anreiz, um auf die Mauth zu fahren. Wir setzen da auf Mangalitza-Gerichte“, betont Windholz.

Illustration: tynyuk/shutterstock.com; Grafik: Bischof

Kritisch sieht er Konkurrenz aus anderen Branchen: „Die Essensangebote von Möbelhäusern finde ich unseriös. Im Trend liegen außerdem Lokale, die Convience- sprich Tiefkühl-Produkte verkaufen. Die haben derzeit den meisten Erfolg.“

Das bestätigt auch Franz Perner, Geschäftsführer der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft im Gespräch mit der BVZ: „Wenn gutbürgerliche Lokale verschwinden, kommen Kebaps und Schnitzelhäuser. Auch wenn die Statistik (siehe Grafik oben) mit der Anzahl der Gastronomiebetriebe dadurch nahezu gleich bleibt, hat das nichts mit dem realen Angebot zu tun.“

Ohne einheimische Gäste kein Überleben

Fordert Maßnahmen für Wirte. Franz Perner, Geschäftsführer Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft.  |  Reiter

Und noch eines steht für Perner fest: „Ohne die einheimischen Gäste kann die Gastronomie nicht überleben. Die Wirte müssen deshalb verschiedene Gästeschichten mit Speisen ansprechen, wie zum Beispiel Jugendliche und müssen darauf reagieren, sowie entsprechende Strategien fahren.“

Dass immer mehr Wirtshäuser zusperren und Gastronomen aufgeben, ist für ihn ein Trend, der anhalten wird: „Das wird sich fünf bis sechs Jahre noch in diese Richtung bewegen. Für viele passen die Rahmenbedingungen nicht mehr. Junge wollen sich das heute auch nicht mehr antun, vor allem mit einer Arbeitszeit, die nicht planbar ist.“ Perner fordert deshalb gezielte Maßnahmen, um die Wirte zu unterstützen.