Erstellt am 22. Juli 2015, 06:31

von Paul Haider

Flüchtlinge in Rock-Halle. In der Zelthalle am Nova Rock-Gelände werden seit Freitag Flüchtlinge untergebracht. Die Einrichtung soll bestehende Asylzentren entlasten.

Umfunktioniert. In der neuen Zelthalle finden seit dem Wochenende vorübergehend bis zu 200 Asylwerber Platz.  |  NOEN, Paul Haider

Nova Rock-Veranstalter Ewald Tatar ließ heuer für sein Festival eine 1.200 Quadratmeter große Zelthalle auf den Nickelsdorfer „Pannonia Fields“ errichten. Sie war vor allem für Backstageräumlichkeiten gedacht.

Doch seit Freitag hat diese Halle eine neue Funktion: Anstelle berühmter Musiker finden hier nun Asylwerber kurzfristig Zuflucht.

Am Freitag wurde die Halle auf „Flüchtlingsbetrieb“ umgestellt. Sie wurde komplett ausgeräumt, Klappbetten wurden aufgestellt.

Zelthalle als erste "Sammelstelle"

Bis zu 200 Personen sollen hier Platz finden. Beim Lokalaugenschein der BVZ am Montag waren 97 Flüchtlinge in der neuen Asyl-Unterkunft in Nickelsdorf.

Die Zelthalle sei kein Erstaufnahmezentrum, sondern eine erste „Sammelstelle“, wie Oberstleutnant Helmut Marban von der Landespolizeidirektion Burgenland betont: „Solche Sammelstellen sind als Rückfallsebene notwendig, wenn es einen erhöhten Anfall von Flüchtlingen pro Tag gibt, die wir in den Aufarbeitungsstellen nicht gleichzeitig beamtshandeln können“, so Marban.

Täglich über 100 Flüchtlinge aufgegriffen

Laut Polizei werden im Bezirk Neusiedl am See derzeit täglich rund 100 Flüchtlinge aufgegriffen. An manchen Tagen sei diese Zahl aber auch deutlich höher. Da es laut Oberstleutnant Marban nicht absehbar ist, dass der Flüchtlingsstrom bald nachlässt, wurde eine vierte Sammelstelle im Burgenland nötig. Vergleichbare Einrichtungen gibt es bereits in Schattendorf, Heiligenkreuz und Eisenstadt.

Die Umgestaltung der Nova Rock-Halle zu einer Asylaufnahmestelle gestaltete sich laut Marban sehr rasch und unkompliziert: „Wir waren beim Nova Rock Festival in Nickelsdorf präsent und wussten, dass es diese Halle gibt. Wir sind uns mit den Verantwortlichen schnell handelseinig geworden und sind sofort an den logistischen Aufbau gegangen. Das ist alles am Freitag passiert.“

In Sammelstellen wie der neuen in Nickelsdorf werden Asylwerber für maximal 48 Stunden untergebracht. Hier können sie sich ausruhen, bekommen zu essen und trinken und werden vom Roten Kreuz medizinisch versorgt, bevor die Reise zur nächsten Station weitergeht. In den meisten Fällen ist die das Kompetenzzentrum in Eisenstadt, wo die Asylwerber einvernommen werden.

Einigung auf Nutzung bis zum Herbst

Eine langfristige Lösung ist die neue Flüchtlings-Sammelstelle nicht: Man habe sich mündlich auf eine Nutzung bis zum Herbst geeinigt. Und spätestens im nächsten Juni braucht Ewald Tatar seine Halle wieder für das Nova Rock.

Der Großteil der Flüchtlinge kommt laut Helmut Marban aus den großen Krisengebieten der Welt: An der Spitze sei Syrien, gefolgt vom Irak und Afghanistan.

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