Erstellt am 09. Juni 2016, 21:43

von APA Red

Nova Rock mit Ringen, Rock und Regenschauer. Das zwölfte Nova Rock hat mit harten Klängen und regem Publikumszuspruch trotz einiger Regengüsse am Donnerstag einen erfolgreichen Start hingelegt.

Festivalbesucher während eines Konzertes der Band "Amon Amarth" auf der "Blue Stage" im Rahmen des "Nova Rock 2016"-Festivals am Donnerstag, 9. Juni 2016, in Nickelsdorf. Foto: APA/Herbert P. Oczeret  |  NOEN, APA/Herbert P. Oczeret


Bis Sonntag treten an vier Tagen mehr als 100 Acts auf vier Bühnen auf. Amon Amarth und Puscifer waren zum Start die ersten Höhepunkte auf den Pannonia Fields in Nickelsdorf im Burgenland. Gekämpft wurde auch - zum Glück nur on stage.

Schon Lokalmatadoren lockten zahlreiche Fans an

Bereits bei den Mattersburger Lokalmatadoren A Caustic Fate bildete sich eine beachtliche Menschenmenge vor der Blue Stage (die zweite große Bühne, die Red Stage, wurde am ersten Tag nicht bespielt). Nachdem die Alternative-Metalband Skillet Durchschnittliches geboten hatte, lockten Breaking Benjamin mit Coverversionen von Metallica und Nirvana zwischen dem eigenen Material die Fans an.



"Neun Tage war ich auf einem Schiff mit alten Leuten unterwegs, um hier her zu kommen. Aber es hat sich ausgezahlt", rief Sänger Benjamin Burnley der Menge zu. Der Amerikaner hatte wegen seiner Flugangst diese Form der Anreise gewählt.



Mit Amon Amarth stand später in der Dämmerung eine Band auf der Bühne, die sich ihren Erfolg - das aktuelle Album "Jomsviking" eroberte Platz eins der österreichischen Charts - hart erarbeitet hat. "Wir machen das schon seit mehr als 20 Jahren, sind seit etwa 18 Jahren auf Tournee. Es war ein langsamer Prozess. Jetzt spielen wir an Plätzen wie dem Nova Rock", freute sich Gitarrist Johan Söderberg im Gespräch mit der APA - skandinavisch reserviert, aber doch.

"Wir erfüllen uns einen Kindheitstraum"

Die Schweden bolzten sich durch ein Best-Of ihres Repertoires, druckvoll und versiert, aber doch auch eine Spur redundant.

Die Bühne zierten rauchende Drachenköpfe und Runensteine. Musik alleine wäre auch zu wenig, meinte Söderberg. "Wir erfüllen uns einen Kindheitstraum. Wir sind mit Iron Maiden aufgewachsen, die hatten immer große Bühnenproduktionen. So etwas wollten wir auch! Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir uns das finanziell leisten können." Am 22. November wird die Gruppe im Wiener Gasometer eine komplett neue Show präsentieren.

Amon Amarth haben über die Jahre ihren Stil modifiziert. "Wir machen uns jedenfalls stets den großen Druck, uns selbst übertreffen zu müssen", betonte Söderberg. Schaut man auf die Festivals, ziehen Metal-Acts große Besuchermassen an. Gruppen wie Iron Maiden oder Kiss, früher von vielen Medienvertretern milde belächelt, werden nun zu Kult-Bands emporgehoben.

"Ich kann mir das nicht erklären, aber Heavy Metal wird heute mehr respektiert als früher", nickte Söderberg. Das Nova Rock mit seinem Besucherrekord von erwarteten 180.000 Besuchern unterstreicht das.

Puscifer mit Alternative Rock und Ringern

Für einige offene Münder sorgten Puscifer: Die Band von Maynard James Keenan, den meisten wohl als Sänger von Tool ein Begriff, hat den ursprünglich stark elektronisch gefärbten Sound mittlerweile in Richtung Alternative-Rock gedeutet.

Live gab es nicht nur insgesamt sechs Musiker, sondern auch fünf Ringer im Lucha-Libre-Stil zu bewunden. Während Songs wie "The Remedy" oder "Grand Canyon" musikalisch kaum Wünsche offen ließen, wurde in einem mittig auf der Bühne platzierten Ring so richtig zur Sache gegangen.

Keenan selbst blieb dabei ganz in seinem Element, mit Maske und Anzug eher unnahbar und voll auf die durchkonzipierte Show konzentriert. Dass der 52-Jährige eine große Vorliebe für abseitigen Humor hat, wurde auch mehrfach unter Beweis gestellt - etwa durch einen kurzen "Hahnenkampf", den sich er und Sängerin Carina Round mit Spielzeugtieren lieferten.

Aber ganz unabhängig davon: Dieser "Money Shot", wie das aktuelle Album betitelt ist, gelang punktgenau. Intensiver und abwechslungsreicher gelingen Festivalauftritte selten.

Zufriedene Zwischenbilanz der Rettungskräfte

Die Anreise zum Open Air ist indes ohne Stress verlaufen, große Staus blieben aus. Auch das neue Cashless-System - auf dem gesamten Gelände wurde per spezieller Karte bargeldlos bezahlt - lief erfreulich reibungslos und wurde gut aufgenommen.

"Super, das geht schnell, ich muss nicht Kleingeld herumschleppen. Früher hab ich die Münzen immer irgendwann ausgestreut", meinte ein Besucher dazu. "Nur am Ende will ich eigentlich keine Abrechnung bekommen, weil dann sehe ich, wie viel Bier ich wirklich getrunken habe. Das wird ein Schock!", ergänzte sein Begleiter.

Das Rote Kreuz zog ebenfalls zufriedene Zwischenbilanz. Seit der Nacht auf Donnerstag wurden bis zum Abend 150 Personen versorgt - laut Einsatzkräften eine geringe Zahl. Fünf Patienten wurden zu einer ambulanten Behandlung bzw. zur weiteren Abklärung in ein Krankenhaus gebracht. "Vorwiegend haben wir heute die üblichen Blessuren beim Zeltaufstellen versorgt", schilderte Pressesprecher Tobias Mindler.

"Schürfwunden, kleine Schnittwunde und Quetschungen, wenn beispielsweise jemand mit dem Hammer den Finger statt den Zelthering getroffen hat. Weiters sind einige aufgrund der Temperaturen kollabiert." An den Konzerttagen sind pro Schicht rund 120 Sanitäter und acht Ärzte im Einsatz.