Erstellt am 29. Oktober 2013, 20:59

ÖGB: „Miese Ausbeute“. Kritik / Gewerkschaft spricht von Sozialdumping und Ausbeutung von Erntehelfern durch Gemüsebauern im Seewinkel.

Kritisch. ÖGB-Regionalsekretär Oliver Krumpeck fordert mehr Kontrollen von der Finanzpolizei. BVZ  |  NOEN
Von Katharina Zedlacher-Fink

Kritik / In einer Aussendung wirft der ÖGB, konkret Regionalsekretär Oliver Krumbeck, Gemüsebauern Lohn- und Sozialdumping vor.

„Teilzeit oder gar nicht angemeldet, bis zu 250 Überstundden pro Monat bei einem Stundenlohn von 3,50 Euro, kein Urlaubsanspruch, keine Sonderzahlungen — so sieht der Arbeitsalltag vieler Erntehelfer im Seewinkel aus. Außerdem bemerken wir einen massiven Austausch von ungarischen hin zu bulgarischen und rumänischen Arbeitnehmern, die ihre Rechte nicht kennen“, so Krumpeck.

„Haben noch nie etwas nachzahlen müssen“

Besonders zynisch erachtet es Krumpeck, dass alleine 14 Verstöße im Betrieb des Obmannes des Burgenländischen Gemüsebauverbandes gemeldet worden seien, obwohl sich der Verband laut seiner Homepage für die Verbesserung bei der Fremdarbeitsbeschäftigung einsetze.

Dieser hätte auch auf Betreiben des ÖGB Löhne nachzahlen müssen. Der angesprochene Gemüsebauer und Obmann Martin Rieschl zu den Vorwürfen: „Ich habe noch nie etwas nachzahlen müssen. Beschwerden gibt es allerdings immer. Vor zwei Jahren zum Beispiel sind neun Arbeiter am Saisonende zum ÖGB gegangen. Es kommt immer wieder vor, dass sich Arbeiter ungerecht behandelt fühlen, weil andere länger beschäftigt bleiben als sie selbst. Bei mir wird jeder vorschriftsmäßig abgerechnet, die Lohnverrechnung wird sogar außer Haus erledigt. Gerade vorige Woche hatte ich wieder eine Kontrolle von der land- und forstwirtschaftlichen Inspektion“, sagt Martin Rieschl.

Juni bis August Vollzeit-Arbeit auf dem Feld unmöglich

Die Finanzpolizei sei sowieso öfters auf den Feldern, das erfahre der Gemüsebauer dann selbst immer erst von seinen Arbeitern.

Dass er Halbzeitkräfte beschäftige, will der Gemüsebauer gar nicht leugnen. Im Juni, Juli, August sei es für Arbeiter nämlich unmöglich, bei über 40 Grad Vollzeit zu arbeiten. „Halbzeit-Arbeit ist aber doch auch in anderen Branchen üblich“, so Rieschl abschließend zu den Vorwürfen.

Lesen Sie dazu auch den dieswöchigen Kommentar der Neusiedler BVZ-Ausgabe von Pia Reiter: