Erstellt am 06. Juli 2011, 00:00

Opfer war selbst schuld. FREISPRUCH / Chef jener Firma, die auf der Baustelle Sicherheitsnetze montierte, trägt keine Schuld am Tod eines Arbeiters.

FRAUENKIRCHEN / Am 12. November 2008 ereignete sich auf der Baustelle der St. Martins Therme in Frauenkirchen ein schlimmer Unfall: Ein 29-jähriger Zimmerer aus Neusiedl am See betrat das in 15 Meter Höhe befestigte Sicherheitsnetz, weil er Montagearbeiten durchführen wollte - eine Befestigungsschraube brach, der Mann stürzte in die Tiefe und verstarb an seinen schweren Kopfverletzungen.

Anklage gegen Chef wegen  fahrlässiger Tötung folgte

Wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen wurde daraufhin der Chef jener Firma angeklagt, die das Sicherheitsnetz montiert hatte. Ein Sachverständiger fand heraus, dass die gebrochene Schraube länger als die übrigen Befestigungen gewesen war.

Dem Firmenchef, einem 30-jährigen deutschen Staatsbürger, wurde vorgeworfen, er habe seinen beiden Mitarbeitern ungeeignetes Befestigungsmaterial zur Verfügung gestellt und die Männer unzureichend eingeschult.

Mitarbeiter des Angeklagten  wurden nun befragt

Vorige Woche wurden im Zuge einer Videokonferenz die beiden Mitarbeiter des Angeklagten befragt. Sie gaben an, dass sie stets nur die vom Firmenchef zur Verfügung gestellten Schrauben und Dübel für die Befestigung der Sicherheitsnetze verwendet hätten. Warum eine der verwendeten Schrauben länger war, als die übrigen, konnten sich die Zeugen nicht erklären: „Ich weiß nicht, wo diese Schraube herkommt. Das ist nicht nachvollziehbar“, meinte einer der Arbeiter.

„Wenn ausschließlich die vorgeschriebenen Schrauben und Dübel verwendet worden wären, hätte der Sturz des Mannes aufgefangen werden können“, erklärte einer der beiden zu Rate gezogenen Sachverständigen.

Verfahren: Richter sprach  den Angeklagten frei

Richter Wolfgang Rauter sprach den Angeklagten schließlich frei: „Tatsache ist, dass er seine Mitarbeiter geschult hat. Wie die Fremdschraube auf die Baustelle gelangte, wird sich nicht klären lassen.“ Es liege ein Mitverschulden des Zimmerers vor, dem es untersagt worden war, das Sicherheitsnetz zu betreten. Die Familie des Verunglückten wurde mit ihrer Schmerzensgeldforderung in der Höhe von 25.000 Euro zuzüglich Begräbniskosten auf den Zivilrechtsweg verwiesen.

Der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab - das Urteil ist nicht rechtskräftig.