Erstellt am 26. August 2015, 05:42

von Paul Haider

Stopp für Strom-Leitung. Die Pläne für eine 110kV-Leitung über den Parndorfer Freiäckern wackeln: Der Gemeinderat lehnte am Donnerstag den Dienstbarkeitsvertrag der Energie Burgenland ab.

Engagiert. Die »Bürgerinitiative für Parndorf« versammelte sich, um vor der Gemeinderatssitzung gegen die Energie Burgenland-Pläne zu protestieren. Fotos: Paul Haider  |  NOEN, Paul Haider
Eine Gemeinderatssitzung hat in Parndorf schon lange nicht mehr für so viel Aufsehen gesorgt, wie die am vergangenen Donnerstag.

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn versammelten sich knapp Hundert Unterstützer der „Bürgerinitiative für Parndorf“ vor dem Feuerwehrhaus, um erneut gegen die geplante Hochspannungsleitung über den Freiäckern zu protestieren.

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Einige Zeit später hatten die Mitglieder der Bürgerinitiative bereits Grund zum Jubeln: Der Parndorfer Gemeinderat lehnte nach einer etwa eineinhalbstündigen Diskussion den Dienstbarkeitsvertrag, der die Errichtung der 110-kV-Leitung ermöglicht hätte, einstimmig ab.

„Der Gemeinderat ist von der Bevölkerung gewählt und hat den Wünschen der Bevölkerung zu entsprechen, sofern es technisch möglich ist“, sagte Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) über den einstimmigen Beschluss.

Energie Burgenland: Zurück an den Start

Für die Energie Burgenland bedeutet das nun: Zurück an den Start.

Unternehmenssprecherin Hannelore Halwax lässt auf Nachfrage der BVZ in einer Stellungnahme wissen: „Während zu Beginn der Gespräche die Gemeinde Parndorf grünes Licht für dieses Leitungsprojekt signalisierte, werden nun allerdings die entsprechenden Dienstbarkeitsverträge für die Überspannung von Gemeindegrundstücken nicht unterschrieben. Aus technischen Gründen (...) ist eine weitere Verkabelung der 110-kV-Leitung nicht möglich.“

Man müsse nun in weiteren Gesprächen nach Lösungen suchen, die wirtschaftlich möglich seien und allgemein akzeptiert würden, heißt es in der Stellungnahme weiters.

Die vollständige Stellungnahme von Energie Burgenland:

Netz Burgenland Strom betreibt ein  110-kV-Hochspannungsnetz mit einer Länge von rund 715 km. Dieses ist in den Umspannwerken Rotenturm und  Zurndorf mit dem 380-kV-Netz und im Umspannwerk Neusiedl am See mit dem 220- kV-Übertragungsnetz der Austrian Power Grid (APG) zusammen geschlossen. In diesen Übergabestellen erfolgt der Leistungsausgleich mit dem  österreichischen Höchstspannungsnetz.
Die 18 Umspannwerke Burgenlands und in weiterer Folge die 20-kV-Mittelspannungs-Verteilnetze werden aus dem 110-kV-Netz versorgt.

Das burgenländische Stromnetz wird rund um die Uhr von der Netzleitstelle in Eisenstadt überwacht bzw. gesteuert und zählt trotz der weit verzweigten ländlichen Versorgungsstruktur zu einem der zuverlässigsten Netze europaweit. Während im Stromnetz im Österreich-Schnitt die Unterbrechungsdauer 2013 rd. 33 Minuten im Jahr beträgt, lag diese dank des gut gewarteten Stromnetzes von Netz Burgenland im Jahr 2013 durchschnittlich nur bei rd. 23 Minuten.

Nur durch ständige Instandhaltung, bedarfsgerechten Ausbau und Modernisierung kann die Versorgungsqualität derartig hoch bleiben. Vor allem die Einspeisung der großen Mengen an Windstrom, die im Land erzeugt werden, erwies sich in den letzten Jahren als große Herausforderung. Rund 100 Mio. € wurden investiert, um die Kapazitäten des heimischen Netzes entsprechend zu erhöhen. Dazu kommen 31 Mio. €, die jährlich routinemäßig in Instandhaltung, Erneuerung und Verstärkung des Stromnetzes investiert werden.

Im Juni 2015 beendete die Energie Burgenland die zweite Ausbauphase im Bereich der Windkraft, 800 Millionen Euro hat die Energie Burgenland in beide Ausbauphasen investiert.

Mit Stand 30. Juni waren im Burgenland insgesamt 411 Windkraftanlagen mit einer Einspeiseleistung von 1070 MW installiert. Nachdem ein Ende der großen Ausbauphase der Windenergie absehbar ist, können  auch die umfassenden Erweiterungen des Hochspannungsnetzes bald abgeschlossen werden. Künftig wird man vor allem im Falle von Repowering älterer Windparks sowie aufgrund des boomenden Photovoltaikausbaues nur mehr punktuelle Verstärkungen des Netzes benötigen.
 
Das geplante 110-kV-Teilstück im Bereich Parndorf ist ein notwendiger, letzter Lückenschluss für den Abtransport der in dieser Region erzeugten Erneuerbaren Energie. Netz Burgenland wird auch in Parndorf auf die Interessen der Gemeinde und der Bevölkerung Rücksicht nehmen. In der Vergangenheit wurden alle Leitungsprojekte einvernehmlich realisiert, d.h. man hat eine Kompromissvariante gesucht, mit der alle Beteiligten leben konnten. Das beweist schon die Tatsache, dass in nur 5 Jahren im Nordburgenland  ca. 100 km 110-kV-Hochspannungsleitungen, jeweils im Einvernehmen, errichtet werden konnten.

Von Anfang an setzte Netz Burgenland auch in Parndorf auf Dialog. Es gab intensive Gespräche mit Gemeindevertretern, Behörden und einer lokalen Arbeitsgruppe. Darüber hinaus gab Netz Burgenland  bereits zu Beginn der Vorplanungen eine Vogelstudie in Auftrag, um die daraus resultierenden Auflagen und Empfehlungen in den Detailplanungen berücksichtigen zu können. Mit allen betroffenen Grundeigentümern wurden persönliche Gespräche vor Ort geführt und zwischenzeitlich Dienstbarkeitsverträge abgeschlossen. Während zu Beginn der Gespräche die Gemeinde Parndorf grünes Licht für dieses Leitungsprojekt signalisierte, werden nun allerdings die entsprechenden Dienstbarkeitsverträge für die Überspannung von Gemeindegrundstücken  nicht unterschrieben.

Aus technischen Gründen und im Interesse der hohen Versorgungssicherheit ist eine weitere Verkabelung der 110-kV-Leitung nicht möglich. Als Ausgleich hat Netz Burgenland unter anderem angeboten, Abschnitte von 20 kV-Freileitungen zu verkabeln, die näher beim Gemeindegebiet Parndorf liegen als die geplante 110-kV-Leitung.

Nun muss man vermutlich mit den Planungen und Gesprächen zurück an den Start, um sich gemeinsam Gedanken zu machen, welche Lösung technisch und wirtschaftlich möglich und allgemein akzeptiert wäre.
Eine Realisierung der geplanten Windkraftprojekte in Parndorf und den Nachbargemeinden kann jedenfalls nur dann erfolgen, wenn die noch offene Lücke im 110-kV-Netz in diesem Bereich zeitnah geschlossen werden kann.